Vor­sich­ti­ge Som­mer­pro­gno­se

Finanz und Wirtschaft - - KONJUNKTURSPIEGEL - AN

Wie die gros­se Mehr­heit der Kon­junk­tur­for­scher zeigt sich auch die Denk­fa­brik Bak Ba­sel dar­über er­freut, dass die Schweiz über­zeu­gend aus der Re­zes­si­on des ver­gan­ge­nen Jah­res ge­star­tet ist. Die Er­ho­lung sei stär­ker als er­war­tet, weil die An­bie­ter von den welt­wirt­schaft­li­chen Auf­ho­lef­fek­ten pro­fi­tier­ten und der Pri­vat­kon­sum über­ra­schend kraft­voll sei. In ih­rer am Don­ners­tag pu­bli­zier­ten Som­mer­pro­gno­se sa­gen die Öko­no­men aber vor­aus, dass das ho­he Wachs­tums­tem­po der letz­ten Mo­na­te nicht bei­be­hal­ten wer­den kann.

Sie se­hen Pro­ble­me für die Ex­port­kon­junk­tur, u. a. we­gen der Fran­ken­auf­wer­tung ge­gen­über dem Eu­ro. Aber das ist nicht der ein­zi­ge Grund. Die Nach­fra­ge der aus­län­di­schen Han­dels­part­ner nach Schwei­zer Pro­duk­ten wer­de sich ver­lang­sa­men, weil im Aus­land der La­ger­auf­bau nach­las­se und die ex­pan­si­ve Fis­kal­po­li­tik re­strik­tiv wer­de. Bak Ba­sel setzt das um die In­fla­ti­on be­rei­nig­te Wachs­tum des Brut­to­in­land­pro­dukts für 2010 mit 1,9% deut­lich hö­her an als bis­her (1,2%) und be­hält die Vor­her­sa­ge für 2011 mit 1,7% bei. Die Ex­por­te wer­den dem­nach nächs­tes Jahr nur noch 3,7% zu­neh­men, nach 7,5% in die­sem (vgl. Ta­bel­le).

Was ge­schieht je­doch, falls die Staats­ver­schul­dung in Eu­ro­pa und den USA nicht wie ge­plant zu­rück­ge­fah­ren wird? In ei­nem Al­ter­na­tiv­sze­na­rio wird von «nach­hal­ti­gen wachs­tums­hem­men­den struk­tu­rel­len Pro­ble­men im Aus­land» aus­ge­gan­gen und die Fol­gen für die Schweiz be­rech­net. In ei­nem sol­chen Um­feld wür­de sich das Wirt­schafts­wachs­tum ab 2012 nicht über 2% eta­blie­ren, wie in der Haupt­pro­gno­se an­ge­nom­men, son­dern von Jahr zu Jahr ge­rin­ger aus­fal­len: von 1,8% 2010 auf 1,3% 2013. Die Ar­beits­lo­sig­keit wür­de dar­auf­hin noch fünf Jah­re lang na­he dem ak­tu­el­len Ni­veau ver­har­ren. We­gen der Kon­junk­tur­schwä­che und der da­mit ver­bun­den tie­fen In­fla­ti­on blie­be die Geld­po­li­tik ex­pan­siv, um Kon­sum und In­ves­ti­tio­nen mit tie­fen Re­al­zin­sen zu un­ter­stüt­zen. Bak Ba­sel misst die­sem Al­ter­na­tiv­sze­na­rio nach ei­ge­nen Wor­ten ei­ne recht ho­he Wahr­schein­lich­keit von 40% zu.

Aus­blick für die Schweiz

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