Ak­ti­en ame­ri­ka­ni­scher Haus­bau­er sind nicht zu emp­feh­len

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - JB

Die ame­ri­ka­ni­schen Haus­bau­kon­zer­ne ha­ben es die­ser Ta­ge be­son­ders schwer. Per En­de April ist das Steu­er­ver­güns­ti­gungs­pro­gramm aus­ge­lau­fen, durch das die Re­gie­rung Oba­ma den pri­va­ten Haus­er­werb mit bis zu 8000 $ je Trans­ak­ti­on un­ter­stütz­te. In den jüngs­ten Ver­kaufs­sta­tis­ti­ken zum Häu­ser­markt für den Mo­nat Mai hat der Weg­fall des Im­puls­pro­gramms ein Loch ge­ris­sen (sie­he Haupt­text oben).

Im­mer­hin wuss­ten die Haus­bau­er, dass ein Nach­fra­ge­aus­fall auf sie zu­kommt. Sie dros­sel­ten des­halb vor­sorg­lich die Pro­duk­ti­on. Im März brach­te die Bran­che le­dig­lich 213 000 neue Ein­hei­ten auf den Markt – so we­nig wie seit vier Jahr­zehn­ten nicht mehr. Trotz­dem ste­hen deut­lich mehr Neu­bau­ten leer, als aus Sicht der An­bie­ter gut wä­re: Geht der Ver­kauf so schlep­pend wei­ter wie im Mai, dau­ert es (theo­re­tisch) 8,5 Mo­na­te, um die jetzt frei­en Ob­jek­te un­ter den Ham­mer zu brin­gen. Als ge­sund wird ein Vor­lauf von et­wa sechs Mo­na­ten an­ge­se­hen. Wen wun­dert es, dass un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen die Häu­ser­prei­se brö­ckeln.

Ra­di­ka­le Kos­ten­kür­zun­gen sind das ein­zi­ge Mit­tel, das die Pro­du­zen­ten an­wen­den kön­nen, um in der Mi­se­re zu über­le­ben. Wie der Kon­zern Len­nar mit Haupt­sitz in Mia­mi, die Num­mer drei un­ter den US-Haus­bau­ern, am Don­ners­tag mel­de­te, ist es ihm gar ge­lun­gen, im zwei­ten Ge­schäfts­quar­tal ei­nen Ge­winn zu er­wirt­schaf­ten. Das Ma­nage­ment sag­te, der Kon­zern wer­de sich vor­aus­sicht­lich bis En­de Jahr in der Ge­winn­zo­ne hal­ten, ob­schon das Ver­kaufs­vo­lu­men wei­ter sin­ke. Die Bör­se nahm das Er­geb­nis und den Aus­blick miss­mu­tig zur Kennt­nis. Len­nar ver­lo­ren am Don­ners­tag 1,2% auf 14.57 $. Sie no­tie­ren nun­mehr 27% un­ter dem Stand von En­de April.

Den Va­lo­ren der Kon­kur­renz geht es nicht bes­ser. So ha­ben KB Ho­me seit An­fang Mai 34% ein­ge­büsst. Die Ge­sell­schaft prä­sen­tier­te am Frei­tag­mor­gen er­war­tungs­ge­mäss ei­nen wei­te­ren Quar­tals­ver­lust (vgl. Sei­te 7). Im Kur­schart von US-Markt­füh­rer Pul­te Group zeigt sich mit ei­nem Krebs­gang von 31% seit An­fang Mai et­wa das glei­che Bild (sie­he Chart un­ten). Auch die Va­lo­ren der Num­mer zwei in der Bran­che, D. H. Hor­ton, ma­chen kei­ne Aus­nah­me.

Von der Be­wer­tung her be­steht we­nig An­lass, sich in US-Haus­bau­ak­ti­en zu en­ga­gie­ren. Der ge­schätz­te Ge­winn pro Ti­tel 2011 ist im Fall von Pul­te Group stol­ze 24-mal im Kurs ent­hal­ten. Das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV 2011) von KB Ho­me be­trägt 20, je­nes von Len­nar 17; ein­zig D. H. Hor­ton kön­nen mit ei­nem KGV 13 als mo­de­rat be­wer­tet an- ge­se­hen wer­den. Die te­xa­ni­sche Ge­sell­schaft muss al­ler­dings – wie ei­ni­ge Mit­be­wer­ber– auf Land­re­ser­ven und leer­ste­hen­den Im­mo­bi­li­en wohl noch er­heb­li­che Ab­schrei­bun­gen vor­neh­men. Das dürf­te die Er­folgs­rech­nung dau­er­haft be­las­ten.

Soll­te sich die Ber­ei­ni­gung am Häu­ser­markt in den kom­men­den Mo­na­ten be­schleu­ni­gen (und da­für gibt es An­zei­chen, sie­he Haupt­text), hät­te das für die Haus­bau­er zu­min­dest et­was Gu­tes: Je ra­scher die Prei­se die Tal­soh­le er­rei­chen, des­to frü­her setzt für die Pro­du­zen­ten ein neu­er Zy­klus ein. Nichts ist auf Dau­er so zer­mür­bend wie die Un­ge­wiss­heit. Die Im­mo­bi­li­en­markt­si­gna­le sind der­zeit sehr schwer zu deu­ten. Das könn­te im güns­ti­gen Fall dar­an lie­gen, dass die Prei­se für Wohn­lie­gen­schaf­ten sich dem Wen­de­punkt nä­hern (der Ge­schäfts­lie­gen­schaf­ten­markt hinkt im Zy­klus hin­ter­her).

Im un­güns­ti­gen Sze­na­rio da­ge­gen wird der Ei­gen­heim­markt noch für lan­ge Zeit von ei­nem zu­sätz­li­chen An­ge­bot aus Zwangs­ver­stei­ge­run­gen (Fo­re­clo­sures) über­schwemmt. Re­al­ty Trac, die füh­ren­de On­line­platt­form für Fo­re­clo­sure-Auk­tio­nen, rech­net ge­nau da­mit und sagt, es wür­den noch et­wa 5 Mio. Hy­po­the­kar­kre­dit­neh­mer ihr Haus zur Ver­stei­ge­rung im Auf­trag der Bank frei­ge­ben – zu­sätz­lich zu den 3,1 Mio. Ob­jek­ten, die in der Kri­se be­reits an die Kre­dit­in­sti­tu­te zu­rück­ge­ge­ben wor­den sind.

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