Ei­ne schier end­lo­se Re­struk­tu­rie­rungs-Sto­ry

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - DM

Der Slo­gan des Dax-Kon­zerns In­fi­ne­on hiess einst «Ne­ver stop thin­king», aber «Ne­ver stop re­struc­tu­ring» hät­te ge­passt. Im März 2000, un­ter dem schil­lern­den Vor­stands­chef Ul­rich Schu­ma­cher, kam die Halb­lei­ter­spar­te des Elek­tro­rie­sen Sie­mens 33-fach über­zeich­net zu 35 € je Ak­tie an die Bör­se. Am ers­ten Han­dels­tag stie­gen die Ti­tel auf über 80 €. Da­nach ging es fast nur ab­wärts, Schu­ma­cher muss­te 2004 ge­hen. Sein Nach­fol­ger Wolf­gang Zie­bart (ehem. Con­ti­nen­tal) ver­such­te, In­fi­ne­on neu aus­zu­rich­ten. 2006 glie­der­te er das ka­pi­tal­in­ten­si­ve, hoch zy­kli­sche Chip­ge­schäft (Qi­mon­da) aus und sa­nier­te das Mo­bil­funk­seg­ment nach der Plei­te des Gross­kun­den Sie­mens Benq. Im März 2009 mel­de­te Qi­mon­da In­sol­venz an.

Seit 2000 hat In­fi­ne­on 5,35 Mrd. € Ver­lus­te an­ge­häuft – fast der ge­sam­te Er­lös des Bör­sen­gangs wur­de auf­ge­zehrt. Die Wen­de kam im Au­gust 2009, als In­fi­ne­on ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung über 725 Mio. € mit dem USFi­nanz­in­ves­tor Apol­lo durch­führ­te. Apol­lo ga­ran­tier­te die Über­nah­me von bis zu 326 der 337 Mio. jun­gen Ak­ti­en, die Trans­ak­ti­on ge­lang. Zu­sam­men mit dem Ver­kauf des Fest­netz­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­schäfts (Lan­tiq) konn­te sich In­fi­ne­on fi­nan­zi­ell sa­nie­ren. Die Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te be­trägt 52% und der Li- qui­di­täts­über­schuss 1 Mrd. €. Da­mit sind auch grös­se­re Zu­käu­fe mög­lich. In­fi­ne­on wird In­ter­es­se an Dia­log Se­mi­con­duc­tor nach­ge­sagt. Nicht at­trak­tiv ist wohl Mi­cro­nas, die sich wei­ter re­struk­tu­rie­ren muss.

Ob die Port­fo­li­o­struk­tur Be­stand hat, muss sich wei­sen. Die Mar­gen­zie­le sind so­mit un­ter Vor­be­halt zu set­zen. Das eher nied­rig­mar­gi­ge Wi­re­less-Seg­ment läuft zwar rund, soll aber laut Pres­se­be­rich­ten zur Dis­po­si­ti­on ste­hen. In­fi­ne­on ist dort welt­weit Num­mer drei im Markt. Soll­te sich ein gu­ter Preis er­zie­len las­sen, ist ein Ver­kauf wahr­schein­lich, denn das Ge­schäft ist hoch zy­klisch, Kun­den kön­nen schnell kom­men, aber ge­nau­so rasch ab­sprin­gen. Dies steht in Wi­der­spruch zu den Be­mü­hun­gen, im ope­ra­ti­ven Ge­schäft mehr Sta­bi­li­tät zu er­rei­chen und ver­mehrt in In­no­va­tio­nen (Elek­tro­au­tos) zu in­ves­tie­ren. Des­sen un­ge­ach­tet ist In­fi­ne­on heu­te viel sta­bi­ler als frü­her po­si­tio­niert und in lu­kra­ti­ven Märk­ten (Ener­gie­ef­fi­zi­enz, Si­cher­heit) un­ter­wegs, was die Be­wer­tung noch nicht ge­nü­gend spie­gelt.

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