Pe­tro­bras ver­schiebt Rie­sen-Ka­pi­tal­er­hö­hung

Feh­len­des Be­hör­den­gut­ach­ten zur Off­s­hor­e­för­de­rung als Grund – Öl­preis­vor­ga­ben noch un­klar – Po­li­ti­sche Un­si­cher­heits­fak­to­ren

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - BU,

Der bra­si­lia­ni­sche Öl­kon­zern Pe­tro­bras hat die für Ju­li ge­plan­te Ka­pi­tal­er­hö­hung auf Sep­tem­ber ver­scho­ben. Ins­ge­samt will der Kon­zern mit der Emis­si­on 50 bis 60 Mrd.$ neu­es Ka­pi­tal auf­neh­men – ei­ne der gröss­ten Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen al­ler Zei­ten. Der Kon­zern er­klär­te die Ver­schie­bung mit dem feh­len­den Gut­ach­ten der na­tio­na­len Öl-Auf­sichts­be­hör­de ANP.

Für die Emis­si­on ist näm­lich ent­schei­dend, dass un­ab­hän­gi­ge Gut­ach­ter den Wert des in gros­sen Mee­res­tie­fen vor der Küs­te Bra­si­li­ens lie­gen­den Öls schät­zen. Es ist aber schon län­ger be­kannt, dass die­ses Gut­ach­ten nicht bis En­de Ju­li fer­tig sein wird. Da­zu dürf­ten die Fi­nanz­kri­se in Eu­ro­pa und die Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko Grün­de für den Auf­schub sein.

Gros­se In­ves­ti­tio­nen nö­tig

Die Off­s­hore-Öl­vor­kom­men Bra­si­li­ens sind tech­nisch noch weit kom­pli­zier­ter zu er­schlies­sen als die Qu­el­len im Golf: Sie be­fin­den sich 7000 Me­ter un­ter der Was­ser­ober­flä­che un­ter ei­ner Salz­krus­te. Pe- tro­bras muss des­halb ge­mein­sam mit Part­nern zu­nächst die Tech­no­lo­gie ent­wi­ckeln, um die­se so­ge­nann­ten «Pre-Sal»Vor­kom­men för­dern zu kön­nen. Bis 2014 will der Kon­zern da­zu 224 Mrd.$ in die Pro­spek­ti­on und För­de­rung in­ves­tie­ren. Da­für rei­chen die ei­ge­nen Mit­tel nicht aus, Pe­tro­bras braucht zu­sätz­lich mil­li­ar­den­schwe­re Kre­di­te. Um mit der Kre­dit­auf­nah­me den In­vest­ment-Gra­de nicht zu ge­fähr­den, ist die Ka­pi­tal­er­hö­hung für den Kon­zern zwin­gend not­wen­dig.

Weil zu­dem die Re­gie­rung des Prä­si­den­ten Lu­is Inácio Lu­la da Sil­va die Kon­trol­le über Pe­tro­bras nicht ver­lie­ren will, hat sie sich ein kom­pli­zier­tes Fi­nan­zie­rungs­mo­dell aus­ge­dacht: Der Staat, der zwar an Pe­tro­bras nur ei­nen 32%-An­teil hält, aber über die Stim­men­mehr­heit ver­fügt, über­schreibt Pe­tro­bras die För­der­rech­te für bis zu 5 Mrd. Fass Öl an bis­her nicht li­zen­zier­ten Ge­bie­ten vor der bra­si­lia­ni­schen Küs­te. Der Kon­zern be­zahlt die­se För­der­rech­te mit An­lei­hen und dem Ka­pi­tal, das er durch Neu­emis­sio­nen von Ak­ti­en an der Bör­se ein­neh­men will.

Die ver­scho­be­ne Ka­pi­ta­li­sie­rung hat die Pe­tro­bras-Ak­tie die­se Wo­che rund 10% ver­lie­ren las­sen. Der Wert des Ti­tels hat sich Mit­te 2008 hal­biert: Die vie­len un­ge­lös­ten Fra­gen im Zu­sam­men­hang mit der Ka­pi­ta­li­sie­rung drü­cken den Kurs des wich­tigs­ten la­tein­ame­ri­ka­ni­schen Kon­zerns. So ist noch nicht be­kannt, wel­chen Preis Pe­tro­bras für das Bar­rel Öl veran- schla­gen wird. Auch das un­ab­hän­gi­ge Gut­ach­ten, das Pe­tro­bras selbst in Auf­trag ge­ge­ben hat, ist noch nicht ver­öf­fent­licht.

Mit der Preis­vor­ga­be eng ver­knüpft ist je­doch die Ent­wick­lung des Kon­troll­ver­hält­nis­ses zwi­schen staat­li­chen und pri­va­ten Teil­ha­bern von Pe­tro­bras: Es wird er­war­tet, dass die pri­va­ten Min­der­heits­ak­tio­nä­re ma­xi­mal 25 Mrd.$ neue Ak­ti­en kau­fen wer­den – den Rest will der Staat, um da­mit sei­ne Be­tei­li­gung zu er­hö­hen.

Chan­ce für Ge­dul­di­ge

Ob die Ka­pi­tal­er­hö­hung wie ge­plant im Sep­tem­ber über die Büh­ne ge­hen wird, ist al­ler­dings frag­lich: Am 3. Ok­to­ber fin­den in Bra­si­li­en Prä­si­dent­schafts­wah­len statt.

Für ri­si­ko­be­rei­te In­ves­to­ren, die ge­willt sind, die er­war­te­ten, hit­zi­gen De­bat­ten um Pe­tro­bras min­des­tens die nächs­ten sechs Mo­na­te aus­zu­sit­zen, bie­tet die Ak­tie jetzt ei­ne Ein­stiegs­chan­ce. In­ter­es­sant ist sie für In­ves­to­ren, die auf das lang­fris­ti­ge Po­ten­zi­al der gros­sen Off­s­hore-Vor­kom­men Bra­si­li­ens set­zen.

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