US-Bud­get­po­li­tik zwi­schen Kon­junk­tur­pro­gramm und De­fi­zit

US-No­ten­bank sieht sto­cken­de Wirt­schafts­er­ho­lung und setzt des­halb Tief­zins­po­li­tik fort – Oba­ma plant trotz De­fi­zit zu­sätz­li­che Mass­nah­men zur Kon­junk­tur­be­le­bung

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - MST

Die gu­te Nach­richt zu­erst: Die US-Wirt­schaft er­holt sich wei­ter. Das hält die No­ten­bank in ei­ner Mit­tei­lung vom Mitt­woch fest. Die schlech­te Nach­richt: Der Auf­schwung ist ins Sto­cken ge­ra­ten. Des­halb hat das Fed die­se Wo­che die Tief­zins­po­li­tik er­war­tungs­ge­mäss fort­ge­setzt. Die­ser Sti­mu­lus reicht der Re­gie­rung Oba­ma nicht. Sie will die Wirt­schaft mit zu­sätz­li­chen Gel­dern in Schwung brin­gen. An­ge­sichts des De­fi­zits im US-Bud­get von 1400 Mrd.$ ein um­strit­te­nes Un­ter­fan­gen.

Ge­mäss ei­ner Um­fra­ge von CNN se­hen nur 13% der Be­völ­ke­rung, dass sich die Wirt­schaft be­reits er­holt. Das Fed ist da op­ti­mis­ti­scher. In der Mit­tei­lung nach dem Tref­fen des Fe­deral Open Mar­ket Com­mit­tee (FOMC) die­se Wo­che steht: «Die Er­ho­lung der Wirt­schaft setzt sich fort, und der Ar­beits­markt ver­bes­sert sich all­mäh­lich.» Im Ver­gleich zum Be­richt an­läss­lich der FOMC-Sit­zung im April wur­de der Ton­fall ein­deu­tig skep­ti­scher. Ins­be­son­de­re der schwa­che Häu­ser­markt (vgl. Sei­te 27) und die re­strik­ti­ve Kre­dit­ver­ga­be wer­den als Hemm­nis­se für den Auf­schwung her­vor­ge­ho­ben.

Eu­ro­pa bremst die USA

Sor­gen we­gen der Staats­de­fi­zi­te in Eu­ro­pa wür­den die Kre­di­te zu­sätz­lich ver­knap­pen. Auch die ho­he Ar­beits­lo­sig­keit und der da­mit ver­bun­de­ne tie­fe Kon­sum dämpf­ten die Wirt­schafts­er­ho­lung. Es sei des­halb und we­gen der nied­ri­gen In­fla­ti­on wahr­schein­lich, dass die Zin­sen «für län­ge­re Zeit» auf dem aus­ser­ge­wöhn­lich tie­fen Ni­veau blie­ben, schliesst die ak­tu­el­le Mit­tei­lung.

Prä­si­dent Oba­ma rei­chen nied­ri­ge Zin­sen als Mass­nah­me zur För­de­rung der Kon­juk­tur nicht. Er setzt sich für wei­te­re fi­nan­zi­el­le Sti­mu­li ein. In ei­nem Brief an Mei­nungs­füh­rer aus dem Kon­gress schreibt Oba­ma, das vor­dring­li­che Ziel sei der Auf­schwung. Das De­fi­zit kön­ne mit ei­ner flo­rie­ren­den Wirt­schaft spä­ter ein­fa­cher re­du­ziert wer­den. An­ders als die meis­ten eu­ro­päi­schen Län­der wählt er den keyne­sia­ni­schen Weg und stellt sich da­mit klar ge­gen die Op­po­si­ti­on. Dou­glas Holtz-Ea­kin, ehe­ma­li­ger Wirt­schafts­be­ra­ter von John McCain, bringt die re­pu­bli­ka­ni­sche Hal­tung in der «Washington Post» auf den Punkt: Sti­mu­li sei­en «kei­ne son­der­lich ef­fi­zi­en­te Stra­te­gie. Des­halb lasst uns da­mit auf­hö­ren.»

Wäh­rend nam­haf­te Öko­no­men über Sinn und Un­sinn von Kon­junk­tur­pro- gram­men strei­ten, hat sich die Öf­fent­lich­keit ih­re Mei­nung be­reits ge­macht. 60% der Ame­ri­ka­ner sa­gen, das letzt­jäh­ri­ge, 862 Mrd.$ schwe­re Pa­ket zur För­de­rung der Wirt­schaft ha­be nichts ge­bracht. Das hat die­se Wo­che ei­ne Um­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Pew Re­se­arch ge­zeigt. Die Re­gie­rung wi­der­spricht ve­he­ment: Oh­ne das Sti­mu­lus­pro­gramm wä­re die Ar­beits­lo­sen­ra­te heu­te 1,5 Pro­zent­punk­te hö­her, stell­te sie im Mai fest.

Draht­seil­akt für Oba­ma

Mit dem Ziel, die Öf­fent­lich­keit für sei­ne Sa­che zu ge­win­nen, hat Oba­ma letz­te Wo­che die Image­kam­pa­gne Re­co­very Sum­mer lan­ciert. Ge­mein­sam mit dem Vi­ze­prä­si­den­ten Joe Bi­den wird er In­fra­struk­tur­pro­jek­te im gan­zen Land be­su­chen, die im Rah­men des Kon­junk­tur­pro­gramms 2009 ge­star­tet wur­den. Die Re­gie­rung steht vor wich­ti­gen Ab­stim­mun­gen in der kom­men­den Wo­che und hofft, sie mit der Be­völ­ke­rung im Rü­cken zu ge­win­nen. Seit An­fang Jahr do­mi­nie­ren im Kon­gress De­fi­zit­sor­gen die Ab­stim­mungs­re­sul­ta­te. Oba­ma hat nur rund ein Vier­tel sei­nes be­an­trag­ten zwei­ten Kon­junk­tur­pa­kets über 266 Mrd.$ durch­ge­bracht.

Selbst wenn das Par­la­ment die Sti­mu­lus­pro­gram­me wie er­hofft ver­ab­schie­det, könn­te das Ab­wä­gen zwi­schen De­fi­zit und Kon­junk­tur­be­le­bung für Oba­ma und sein Ka­bi­nett zum Draht­seil­akt wer­den. Wenn der Prä­si­dent das De­fi­zit nicht in den Griff be­kommt, wer­den die De­mo­kra­ten das bei den Kon­gress­wah­len im No­vem­ber zu spü­ren be­kom­men, und wenn die Ar­beits­lo­sig­keit hoch bleibt, eben­falls.

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