Ge­schont wird nie­mand

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND -

Spit­ze Zun­gen be­haup­ten, der bri­ti­sche Schatz­kanz­ler Ge­or­ge Os­bor­ne ha­be sein Spar­pro­gramm mit Ab­sicht zu Be­ginn der Fussball-WM an­ge­kün­digt. Noch ist für die eng­li­sche Elf – die Mann­schaf­ten der eben­falls zum Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich zäh­len­den Re­gio­nen Wa­les, Schott­land und Nord­ir­land qua­li­fi­zier­ten sich nicht für Süd­afri­ka – al­les of­fen. Ab­ge­rech­net wird das nächs­te Mal am Sonn­tag nach dem Ach­tel­fi­nal­spiel ge­gen Deutsch­land. Soll­te En­g­land aus­schei­den, dürf­te die Dis­kus­si­on um die Haus­halt­kon­so­li­die­rung schnell ins Blick­feld der Bri­ten rü­cken. Os­bor­ne er­hielt die­se Wo­che zwar Ap­plaus an den Fi­nanz­märk­ten, doch die Be­völ­ke­rung muss er für sein Vor­ha­ben erst noch ge­win­nen.

Was dem 39-jäh­ri­gen und da­mit seit 1886 jüngs­ten Fi­nanz­mi­nis­ter Gross­bri­tan­ni­ens vor­schwebt, ist aus­ge­spro­chen ehr­gei­zig. Os­bor­ne will den un­ter der lin­ken Vor­gän­ger­re­gie­rung aus dem Ru­der ge­lau­fe­nen bri­ti­schen Staats­haus­halt vor al­lem durch Aus­ga­ben­kür­zun­gen um jähr­lich 113 Mrd.£ (knapp 190 Mrd. Fr.) kon­so­li­die­ren. Das ent­spricht zu rund 6% dem bri­ti­schen Volks­ein­kom­men (vgl. ne­ben­ste­hen­den Ar­ti­kel). Un­be­hel­ligt dürf­te auf der In­sel nie­mand da­von­kom­men. Die rund 6 Mio. Staats­an­ge­stell­ten müs­sen sich auf Null­run­den beim Lohn, bei Pen­si­ons­kür­zun­gen und Ent­las­sun­gen ein­stel­len. Per­so­nen mit klei­nem Ein­kom­men droht die Aus­zah­lung ge­rin­ge­rer Miet­zu­schüs­se, Be­zü­gern von In­va­li­di­täts­ren­ten ei­ne stren­ge­re Über­prü­fung ih­res Ge­sund­heits­zu­stands. Wohl­ha­ben­de­re (ab ei­nem Jah­res­ein­kom­men von 37500 £) müs­sen mit ei­ner von 18 auf 28% er­höh­ten Ka­pi­tal­ge­winn­steu­er fer­tig­wer­den. Aus­ser­dem wird – für al­le – die Mehr­wert­steu­er er­höht. Ob die Bri­ten das al­les wi­der­spruchs­los hin­neh­men, ist zwei­fel­haft. Os­bor­ne und Pre­mier­mi­nis­ter Da­vid Ca­me­ron wer­den mit hef­ti­gen Pro­tes­ten und wohl auch mit Streiks um­ge­hen müs­sen. Ge­schickt ist, dass sie ihr Aus­te­ri­täts­pro­gramm zu Be­ginn der ma­xi­mal fünf­jäh­ri­gen Le­gis­la­tur­pe­ri­ode auf­ge­legt ha­ben. Da­mit bleibt ih­nen Zeit, Här­te zu de­mons­trie­ren, oh­ne auf die nächs­ten Wah­len zu schie­len. Kein Nach­teil muss auch sein, dass die bri­ti­schen Kon­ser­va­ti­ven ei­ne Ko­ali­ti­on mit den Li­be­ral­de­mo­kra­ten ein­ge­gan­gen sind. Da­mit sind die Spar­plä­ne im po­li­ti­schen Spek­trum breit ab­ge­stützt. So oder so wird die Fit­ness­kur der zweit­gröss­ten eu­ro­päi­schen Volks­wirt­schaft aber zu ei­nem Test­fall für Eu­ro­pa. Ver­läuft sie er­folg­reich, wer­den an­de­re Hoch­steu­er­län­der wie Frank­reich und Ita­li­en eben­falls für we­ni­ger Staat und mehr Pri­vat­in­itia­ti­ve sor­gen müs­sen.

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