Wie der Yuan die Bör­sen be­wegt

Als Chi­na letzt­mals auf­wer­te­te, ha­ben Emer­ging Mark­tes und die Fest­land­bör­se Schang­hai die west­li­chen Märk­te ab­ge­hängt

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - THO­MAS PENTSY

OEin Blick zu­rück

bgleich im Kern mehr oder we­ni­ger un­ver­bind­lich und oh­ne kla­re An­ga­be, in wel­chem Aus­mass und in wel­chem Tem­po Chi­na ei­ne Auf­wer­tung des Yu­ans tat­säch­lich zu­lässt, dürf­te sich Pe­kings Ent­schluss, die Dol­lar­an­bin­dung der Lan­des­wäh­rung zu lö­sen und statt­des­sen den Wech­sel­kurs­me­cha­nis­mus ge­gen­über ei­nem Wäh­rungs­korb zu fle­xi­bi­li­sie­ren, als kurs­sti­mu­lie­ren­der Ka­ta­ly­sa­tor für Asi­ens Ak­ti­en­märk­te er­wei­sen. Durch ei­nen fes­te­ren Yuan wer­den zum ei­nen die glo­ba­len ma­kro­öko­no­mi­schen Un­gleich­ge­wich­te ein Stück weit ab­ge­baut. Zum an­de­ren trägt ei­ne Yuanauf­wer­tung da­zu bei, die Kauf­kraft chi­ne­si­scher Kon­su­men­ten zu stär­ken. In ei­ner Zeit, in der um­fang­rei­che Spar­pa­ke­te in Eu­ro­pa das Wachs­tums­po­ten­zi­al des Al­ten Kon­ti­nents be­schnei­den und in den USA die Kon­junk­tur­er­ho­lung holp­rig ver­läuft, kön­nen die Welt­wirt­schaft und Chi­nas asia­ti­sche Han­dels­part­ner ei­nen sol­chen Nach­fra­gesti­mu­lus sei­tens chi­ne­si­scher Kon­su­men­ten gut ge­brau­chen.

Tiefere Ri­si­ko­prä­mie

Die Ab­kop­pe­lung vom Dol­lar­peg re­spek­ti­ve die Fort­set­zung der Wäh­rungs­re­form in Chi­na ver­rin­gert eben­so das Ri­si­ko von pro­tek­tio­nis­ti­schen Straf­ak­tio­nen des USKon­gres­ses an die Adres­se Pe­kings bei­spiels­wei­se durch Straf­zöl­le. Sie dürf­te da­zu bei­steu­ern, dass Washington wohl Ab­stand da­von neh­men wird, die Volks­re­pu­blik als Wäh­rungs­ma­ni­pu­la­tor zu brand­mar­ken. Ein sol­cher Ver­zicht wie­der­um könn­te hel­fen, die Ri­si­ko­prä­mi­en für Ak­ti­en­an­la­gen in den Emer­ging Mar­kets (Em­Ma) zu re­du­zie­ren. Ge­zeigt hat sich das an­satz­wei­se be­reits zu Wo­chen­be­ginn, als die asia­ti­schen Bör­sen nach Chi­nas Yu­an­si­gnal die gröss­ten Ta­ges­ge­win­ne seit gut zwei Mo­na­ten ver­zeich­ne­ten, oder dar­in, dass die asia­ti­schen Ak­ti­en­märk­te im Em­Ma-An­la­ge­s­pek­trum – ge­mes­sen an den MSCI-Län­der­indi­zes – im Mo­nat Ju­ni am bes­ten ab­ge­schnit­ten ha­ben.

Die Wie­der­auf­nah­me der Wäh­rungs­re­form nach gut 23-mo­na­ti­ger fi­xer Wech­sel­kurs­an­bin­dung an den Dol­lar ist aus­ser­dem ein In­diz für zwei Ent­wick­lun­gen: Die chi­ne­si­sche Re­gie­rung hat Ver­trau­en in die Ro­bust­heit des Kon­junk­tur­er­ho­lung im Reich der Mit­te ge­fasst, und sie stuft die Nach­fra­ge aus dem Aus­land als aus­rei­chend ein, um im An­schluss an die Welt­wirt­schafts-und Fi­nanz­markt­kri­se den er­for­der­li­chen Struk­tur­an­pas­sungs­pro­zess – weg vom ex­port­las­ti­gen Wirt­schafts­mo­dell und hin zu ei­ner mehr bin­nen­markt­ori­en­tier­ten Wirt­schaft – zu for­cie­ren. An den chi­ne­si­schen Fest­land­bör­sen ge­hör­ten Kon­sum­ak­ti­en in der ab­ge­lau­fe­nen Han­dels­wo­che denn auch zu den gröss­ten Ge­win­nern. Ob­schon Ge­schich­te sich nie wie­der­holt, mit­un­ter – um den US-Schrift­stel­ler Mark Twain zu zi­tie­ren – reimt sie sich. Ein Blick zu­rück in die Ver­gan­gen­heit kann da­her oft hel­fen, Bör­sen­re­ak­tio­nen und Kurs­mus­ter bes­ser zu ver­ste­hen und in­fol­ge­des­sen An­la­ge­stra­te­gi­en zu über­den­ken so­wie sich ent­spre­chend neu zu po­si­tio­nie­ren. Nach­dem Pe­king am 21. Ju­li 2005 den Yuan zum Dol­lar hat­te auf­wer­ten las­sen, no­tier­te bei­spiels­wei­se der MSCI Chi­na ei­nen Mo­nat spä­ter 13% hö­her. Der MSCI Emer­ging Mar­kets ge­wann in die­ser Zeit­span­ne 6% und der MSCI Welt­in­dex 2%. Auf Bran­chen­ebe­ne im MSCI-In­de­x­uni­ver­sum pro­fi­tier­ten in den Schwel­len­märk­ten die In­dus­trie­zwei­ge Ener­gie, Ba­sis­ma­te­ria­li­en und Fi­nanz am kräf­tigs­ten. In ei­ner Län­der­be­trach­tung zo­gen die Barometer für Russ­land, Chi­na, Bra­si­li­en und Süd­ko­rea am meis­ten an.

Über die ge­sam­te Zeit­span­ne der Auf­wer­tung von Ju­li 2005 bis Ju­li 2008, in der der Yuan zum Dol­lar rund 21% ge­wann, ent­wi­ckel­ten sich die Emer­ging Mar­kets bes­ser als die Bör­sen der west­li­chen In­dus­trie­staa­ten. Im asia­tisch-pa­zi­fi­schen Wirt­schafts­raum führ­te da­bei Chi­na (+133%) vor In­do­ne­si­en (+104%) und In­di­en (+83%) die Rang­lis­te der ge­winn­träch­tigs­ten Ak­ti­en­märk­te an.

Ähn­lich be­wer­tet

Kei­ne Auf­wärts­be­we­gung, sei die An­triebs­kraft auch noch so stark, ver­läuft in­des grad­li­nig. Nach der ers­ten An­fangs­eu­pho­rie über die Auf­wer­tung des Yu­ans kor­ri­gier­te der MSCI Chi­na im Sep­tem­ber und Ok­to­ber 2005 deut­lich und schnitt da­bei ab­so­lut wie re­la­tiv ge­gen­über dem MSCI Emer­ging Mar­kets bis En­de 2005 un­ter­durch­schnitt­lich ab. Erst als sich in In­ves­to­ren­krei­sen die Ein­sicht durch­setz­te, dass Pe­king den Yuan zum Dol­lar zwar gra­du­ell und in klei­nen Schrit­ten, aber kon­ti­nu­ier­lich über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum hin­weg hö­her führt, dis­tan­zier­te der MSCI Chi­na die üb­ri­gen Emer­ging Mar­kets. Dies hat­te zur Fol­ge, dass über gut zwei Jah­re hin­weg in Chinaak­ti­en ei­ne ste­ti­ge Neu­be­wer­tung bis zum All­zeit­höchst En­de Ok­to­ber 2007 statt­fand.

Wenn­gleich heu­er die Aus­gangs­la­ge an den Welt­märk­ten we­gen des Ent­schul­dungs­pro­zes­ses im Wes­ten ei­ne an­de­re ist als da­mals, so ist zu­min­dest aus Sicht der Ak­ti­en­be­wer­tun­gen die Si­tua­ti­on ver­gleich­bar. Auf Ba­sis der Ge­winn­pro­gno­sen für die nächs­ten zwölf Mo­na­te weist der MSCI Chi­na ein Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 12,1 ge­gen­über 11 im Ju­li 2005 auf. Für den MSCI Emer­ging Mar­kets er­rech­net sich ein KGV von 10,7 im Ver­gleich zu 10,3 vor gut fünf Jah­ren. Dass nun in den nächs­ten zwei, drei Jah­ren ähn­lich ho­he Kurs­ge­win­ne win­ken wie nach der Yuanauf­wer­tung im Ju­li 2005, ist nicht zu er­war­ten. Zu viel­schich­tig sind die Pro­ble­me der Welt­wirt­schaft. Da­her dürf­te auch das Tem­po der Yuanauf­wer­tung dies­mal ge­rin­ger aus­fal­len. Die Chan­cen sind in­des in­takt, dass sich Chi­nas und Asi­ens Ak­ti­en­märk­te er­neut bes­ser ent­wi­ckeln als die eta­blier­ten Bör­sen­plät­ze.

Die Nan­jing Road in Schang­hai ist ei­ne der gröss­ten Ein­kaufs­stras­sen. Ein fes­te­rer Yuan stärkt die Kauf­kraft von Chi­nas Kon­su­men­ten.

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