Asi­ens Re­gie­run­gen be­kämp­fen das Spe­ku­la­ti­ons­fie­ber

Rück­läu­fi­ge Im­mo­bi­li­en­trans­ak­tio­nen in Chi­na – Im­mo­bi­li­en­skan­dal in Hong­kong – Süd­ko­rea und In­do­ne­si­en stem­men sich ge­gen Vo­la­ti­li­tät am De­vi­sen­markt

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - EH,

Die Re­gie­run­gen der asia­ti­schen Schwel­len­län­der ha­ben der Über­hit­zung der Im­mo­bi­li­en­märk­te mit der Ein­füh­rung im­mer schär­fe­rer ad­mi­nis­tra­ti­ver Mass­nah­men den Kampf an­ge­sagt. In Süd­ko­rea und In­do­ne­si­en wie­der­um ver­sucht die Zen­tral­re­gie­rung – ähn­lich wie be­reits in Thai­land, Tai­wan und Ma­lay­sia – die Vo­la­ti­li­tät am De­vi­sen­markt durch die Ein­schrän­kung kurz­fris­ti­ger spe­ku­la­ti­ver Trans­ak­tio­nen zu ver­rin­gern. Da­bei ist be­mer­kens­wert, dass in Asi­en trotz des ra­san­ten Wirt­schafts­wachs­tums, tie­fer Ar­beits­lo­sig­keit und ei­ner an­zie­hen­den Teue­rung bis­her kaum an der Zins­schrau­be ge­dreht wur­de.

Da­ge­gen wur­den die Ge­schäfts­ban­ken von Tai­wan über Chi­na und Hong­kong bis nach Sin­ga­pur von staat­li­chen Stel­len an­ge­wie­sen, in der Fi­nan­zie­rung von Im­mo­bi­li­en­käu­fen re­strik­ti­ver mit der Kre­dit­ver­ga­be um­zu­ge­hen. Auch wur­de durch die Frei­ga­be von zu­sätz­li­chem Bau­land das An­ge­bot er­heb­lich ver­grös­sert. Bis­her ha­ben die­se Mass­nah­me aber we­nig Wir­kung ge­zeigt. In Pe­king stie­gen die Bo­den­prei­se im Mai 12,4% ge­gen­über dem Vor­jahr, nach­dem sie im April mit 12,8% so stark ge­klet­tert wa­ren wie noch nie.

Sta­bi­li­tät ge­fähr­det

In Hong­kong wur­de an ei­ner Land­auk­ti­on An­fang Ju­ni der höchs­te Preis seit der asia­ti­schen Fi­nanz­markt­kri­se von 1997/98 er­zielt. Auch in Sin­ga­pur geht der Im­mo­bi- li­en­boom un­ge­bremst wei­ter. Ra­vi Meinon, Staats­se­kre­tär im Han­dels­mi­nis­te­ri­um, warn­te da­bei un­längst vor ei­ner ex­zes­si­ven In­fla­ti­on der Sach­wer­te. Die Asia­ti­sche Ent­wick­lungs­bank und die Welt­bank wei­sen eben­falls dar­auf hin, dass Asi­ens über­hitz­te Im­mo­bi­li­en­märk­te ei­ne Ge­fahr für die wirt­schaft­li­che Sta­bi­li­tät der Re­gi­on dar­stel­len.

Hand­kehrum gibt es In­di­zi­en, dass der Boom sei­nen Hö­he­punkt über­schrit­ten hat. In Chi­na stei­gen die Im­mo­bi­li­en­prei­se zwar wei­ter. Aber in Pe­king, Guang­zhou oder Schang­hai lag die An­zahl Im­mo­bi­li­en­trans­ak­tio­nen im Mai 70% un­ter dem Vor­jah­res­wert. Auch in Hong­kong könn­te sich we­gen ei­nes im­mer wei­te­re Krei­se zie­hen­den Skan­dals ein En­de des Im­mo­bi­li­en­booms ab­zeich­nen. Im ver­gan­ge­nen Ok­to­ber sorg­te die An­kün­di- gung ei­nes Woh­nungs­ver­kaufs in Hong­kong welt­weit für Auf­se­hen. An bes­ter Wohn­la­ge soll ein dop­pel­stö­cki­ges Lu­xus­ap­par­te­ment für 88000 HK-$ (11300$) pro Qua­drat­fuss ei­nen neu­en Be­sit­zer ge­fun­den ha­ben. Das wä­re der welt­weit höchs­te je be­zahl­te Preis für ei­ne Wohn­im­mo­bi­lie ge­we­sen. Nun hat sich aber her­aus­ge­stellt, dass der Ver­kauf an ei­ne an­ony­me Stif­tung mit Sitz auf den Bri­tish Vir­gin Is­lands nie ab­ge­schlos­sen wur­de. 20 von 24 Wohn­ein­hei­ten in die­sem Neu­bau sind trotz ur­sprüng­lich an­de­rer An­ga­ben des Ver­käu­fers wei­ter auf dem Markt.

Hen­der­son in der Kri­tik

Jetzt ist im Hong­kon­ger Par­la­ment der Ruf nach mehr Trans­pa­renz für Trans­ak­tio­nen am Im­mo­bi­li­en­markt laut ge­wor­den. Ver- lie­rer sind be­reits die Ak­tio­nä­re von Hen­der­son Land, ei­nem der gröss­ten Hong­kon­ger Im­mo­bi­li­en­kon­zer­ne, der auf der ver­meint­lich re­kord­teu­ren Woh­nung sit­zen ge­blie­ben ist. Der Ti­tel ha­ben seit Jah­res­be­ginn 18,3% ein­ge­büsst.

Der­weil ver­su­chen die Zen­tral­ban­ken in In­do­ne­si­en und Süd­ko­rea, die ho­he Vo­la­ti­li­tät am De­vi­sen­markt ein­zu­däm­men. So will Süd­ko­rea bei­spiels­wei­se kurz­fris­ti­ge De­vi­sen­ge­schäf­te ein­schrän­ken. Nach­dem im Mai ein Schiff der süd­ko­rea­ni­schen Ma­ri­ne durch ei­nen an­geb­lich nord­ko­rea­ni­schen Tor­pe­do­an­griff ver­senkt wor­den war, kam es kurz­fris­tig zu mas­si­ven Ver­käu­fen der Lan­des­wäh­rung Won. In­do­ne­si­en wie­der­um stemmt sich mit di­ver­sen Mass­nah­men ge­gen ei­ne wei­te­re Auf­wer­tung der Lan­des­wäh­rung Ru­piah.

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