Wunsch nach grös­se­rer ETF-Pa­let­te

An­la­ge­klas­sen Ak­ti­en und Roh­stof­fe sind ge­mäss Um­fra­ge am po­pu­lärs­ten – Ver­wir­rung um Rol­le von ETF im Blitz-Crash

Finanz und Wirtschaft - - DERIVATE - PE­TER MAN­HART

KExo­ten füh­ren Feld an otier­te In­dex­fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, ETF) ste­hen un­ver­än­dert hoch in der An­le­ger­gunst. Ge­mäss ei­ner un­ter rund 200 pro­fes­sio­nel­len In­ves­to­ren durch­ge­führ­ten Um­fra­ge des ED­HEC-Risk-In­sti­tuts hat der Markt an Rei­fe ge­won­nen. Und zwar nicht nur in Be­zug auf die Ver­brei­tung, son­dern auch auf den Um­gang. Das Ge­schäft mit ETF wird aus­ge­klü­gel­ter. In dem Zu­sam­men­hang wer­den et­wa der aus­ser­börs­li­che Han­del und die Wert­schrif­ten­lei­he (Se­cu­ri­ties Len­ding) er­wähnt.

Als Be­leg ein paar Zah­len: 90% der Be­frag­ten sind mit mehr als zwei Drit­teln der an­ge­bo­te­nen ETF zu­frie­den – vor al­lem den Pro­duk­ten, die sich auf Ak­ti­en be­zie­hen, so­wie auf Staats­an­lei­hen und den Sek­tor In­fra­struk­tur. Am po­pu­lärs­ten sind die An­la­ge­klas­sen Ak­ti­en (96%) und Roh­stof­fe (80%). Die in ver­gan­ge­nen Stu­di­en fest­ge­stell­te Un­zu­frie­den­heit mit Ob­li­ga­tio­nen-, Hedge-Funds-und Im­mo­bi­li­enETF ist nicht mehr evi­dent. Wie er­wähnt hat die Be­deu­tung des aus­ser­börs­li­chen Han­dels zu­ge­nom­men: 2010 wi­ckel­ten 12% der Be­frag­ten ent­spre­chen­de Ge­schäf­te ab, 2009 wa­ren es 6%.

Swaps wer­den be­lieb­ter

Die dies­jäh­ri­ge Er­he­bung zeigt, dass die be­vor­zug­te Re­pli­ka­ti­ons­art die voll­stän­di­ge bleibt – sprich, dem ETF sind eins zu eins die Ti­tel des je­wei­li­gen In­dex hin­ter­legt. Die Kon­struk­ti­on mit Swap ge­winnt aber an Be­liebt­heit. Ei­ni­ge Ba­sis­wer­te kön­nen so erst er­schlos­sen wer­den, und auch in Be­zug auf die Ab­wei­chung von der Kurs­ent­wick­lung des Re­fe­ren­z­in­dex ( Tracking Er­ror) hat die Re­pli­ka­ti­ons­art Vor­zü­ge. Der Preis da­für ist die In­k­auf­nah­me ei­nes Ge­gen­par­tei­ri­si­kos von ma­xi­mal 10% der in­ves­tier­ten Sum­me.

Emit­ten­ten über­si­chern des­halb in der Re­gel die Fonds. Wie es um die hin­ter­leg­ten Si­cher­hei­ten (Col­la­te­ral) be­stellt ist, dar­über soll­te Aus­kunft ver­langt wer­den, wenn dies An­bie­ter nicht von selbst ge­wäh­ren. Schliess­lich muss das Col­la­te­ral im Ex­trem­fall tau­gen und nicht in Schön­wet­ter­pe­ri­oden. Ei­ne Über­si­che­rung mit min­der­wer­ti­gen Pa­pie­ren ist kein Ga­rant für voll­stän­di­gen Ka­pi­tal­schutz, falls In­sti­tu­te kol­la­bie­ren und sich an den Fi­nanz­märk­ten Pa­nik breit­macht. Doch es gilt nicht zu dra­ma­ti­sie­ren – ETF sind ge­schütz­te Son­der­ver­mö­gen, und ein Gau, wie ihn Leh­man-Zer­ti­fi­ka­te-Be­sit­zer er- lebt ha­ben, droht nicht. Ein an­de­rer Be­fund der Um­fra­ge ist, dass der Ri­si­ko­ap­pe­tit wächst. Ei­ne Mehr­heit wünscht sich ei­ne brei­te­re Pa­let­te an Schwel­len­län­derak­ti­en­in­di­zes als Ba­sis­wer­te (52%), aber auch An­lei­hen aus die­sen Re­gio­nen (37%) stos­sen auf In­ter­es­se, eben­so wie hoch­ver­zins­li­che Bonds (34%). Des Wei­tern ste­hen Wäh­rungs-und Hedge-Fund­sETF auf der Wun­sch­lis­te.

Es scheint, als flös­sen im Land ETF Milch und Ho­nig. Das ra­san­te Wachs­tum im letz­ten Jahr­zehnt, das An­la­ge­ar­gu­ment Di­ver­si­fi­ka­ti­on und die tie­fen Kos­ten ha­ben der Pro­dukt­ka­te­go­rie vie­le An­hän­ger be­schert. Doch im Zu­sam­men­hang mit dem Blitz-Crash vom 6. Mai ge­ben ei­ni­ge Kom­men­ta­to­ren ge­he­bel­ten und in­ver­sen ETF in­di­rekt ei­ne Mit­schuld. Im Blog Al­pha­vil­le der «Fi­nan­ci­al Ti­mes» wird die The­se dis­ku­tiert. Den Ball ins Rol­len ge­bracht hat Tho­mas Pe­terf­fy von In­ter- ac­tive Bro­kers. Er sag­te den ame­ri­ka­ni­schen Re­gu­la­to­ren in ei­ner öf­fent­li­chen An­hö­rung, dass ETF-Ar­bi­tra­ge­stra­te­gi­en ein Grund für die Kurs­ka­prio­len sei­en.

Hoch­fre­quen­tes Zu­brot

Hoch­fre­quenz­han­dels­pro­gram­me er­kun­den und schlies­sen un­ter an­de­rem Preis­dif­fe­ren­zen zwi­schen ETF und den Ak­ti­en, auf die sie sich be­zie­hen – in ers­ter Li­nie, um ei­ne fai­re Preis­stel­lung zu ge­währ­leis­ten. Ist die Ar­bi­tra­ge­stra­te­gie er­folg­reich, wer­den die je­wei­li­gen Ak­ti­en auch dann ver­kauft, wenn sie nur noch 1 Rp. wert sind – schliess­lich wird da­bei ein Zu­brot ver­dient. Das Kor­rek­tiv Mensch fehlt, Pro­gram­me han­deln emo­ti­ons­los und oh­ne grös­se­re Zu­sam­men­hän­ge zu ver­ste­hen. Zu den ETF, die sich in den zwan­zig Mi­nu­ten auf­fäl­lig ver­hiel­ten, zäh­len zwei drei­fach in­vers ge­he­bel­te Pro­duk­te.

Um die Fra­ge nach der Rol­le die­ser Pro­duk­te im Blitz-Crash zu be­ant­wor­ten, wä­re Ein­blick in die Zu­sam­men­set­zung der je­wei­li­gen Fonds in der ent­schei­den­den Pe­ri­ode not­wen­dig. Doch sie wird je­weils erst am Fol­ge­tag ver­öf­fent­licht – pri­vi­le­gier­te In­ves­to­ren ha­ben je­doch für gu­tes Geld je­der­zeit Zu­gang zu die­sen In­for­ma­tio­nen. So­mit ist ver­ständ­lich, dass ge­unkt wird, hier be­rei­che­re sich ei­ne klei­ne Kas­te durch die vor­han­de­ne In­for­ma­ti­ons­asym­me­trie.

Seit je­her hat die ETF-Bran­che mit dem Ar­gu­ment Trans­pa­renz ge­wor­ben. Durch die vie­len neu­en An­bie­ter und Pro­duk­te wird die­se zum Teil ver­wäs­sert. Für In­ves­to­ren gilt um­so mehr: Au­gen auf!

UBS hat noch nichts zu mel­den

Ko­tier­te In­dex­fonds bil­den ei­nen In­dex mög­lichst ge­nau ab – han­del­te es sich bei der Pro­dukt­ka­te­go­rie um ei­ne Sport­art, wä­re es wohl Synchronschwimmen.

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