Gold ist als ei­ser­ne Re­ser­ve be­liebt

EDEL­ME­TAL­LE Vom si­che­ren Ha­fen in Rich­tung Welt­wäh­rung – Zen­tral­ban­ken ver­kau­fen kein Gold mehr

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - ELI­SA­BETH TES­TER

Gold als Welt­wäh­rung hat be­reits der bri­ti­sche Schrift­stel­ler H. G. Wells in Be­tracht ge­zo­gen. Sei­ne be­rühm­tes­ten und von Hol­ly­wood mehr­fach ver­film­ten Bü­cher sind «Der Krieg der Wel­ten» und «Die Zeit­ma­schi­ne». Sein bes­tes Werk dürf­te aber das 1905 ver­fass­te «A Mo­dern Uto­pia» sein. In Uto­pi­en gibt es ei­ne wohl­wol­len­de Welt­re­gie­rung, al­le Men­schen sind gleich­be­rech­tigt und spre­chen die glei­che Spra­che. Wells lehnt Gold als Welt­wäh­rung schliess­lich ab, weil es zu an­fäl­lig für Ab­wer­tun­gen sei, da zum Bei­spiel neue Fun­de auf­tre­ten kön­nen. An die Stel­le von Gold setzt Wells – mit Blick auf die to­ta­le Elek­tri­fi­zie­rung des Pla­ne­ten – ei­ne Ener­gie­wäh­rung. Geld, oder ein Äqui­va­lent für Geld, ist für sei­ne uto­pi­sche Wirt­schaft je­doch un­ab­ding­bar. In Tho­mas Mo­res «Uto­pia» hin­ge­gen – dem 400 Jah­re frü­her ge­schrie­be­nen Ur­sprungs­ro­man des gan­zen Gen­res – war Geld über­flüs­sig, und Gold wur­de nicht ge­schätzt.

Heu­te scheint die Idee der Ener­gie­wäh­rung in­ter­es­san­ter und ak­tu­el­ler denn je:

Die wich­tigs­ten Fu­tures auf Roh­stof­fe und Edel­me­tal­le Wells hat wohl kaum die to­ta­le Ab­hän­gig­keit (nicht nur der US-Wirt­schaft) von Erd­öl und an­de­ren Ener­gie­quel­len vor­aus­se­hen kön­nen. In den Be­reich der denk­ba­ren Welt­wäh­run­gen ist je­doch das von ihm ver­wor­fe­ne Gold ge­rückt. Sei­ne Be­liebt­heit nahm die­ser Ta­ge er­neut zu, was sich am Mon­tag um­ge­hend in neu­en Höchst­prei­sen nie­der­schlug. Der welt­gröss­te phy­sisch hin­ter­leg­te Gold­fonds (ETF) Spi­der um­fasst in­zwi­schen ein Ver­mö­gen von 52 Mrd. $ (1316 Ton­nen Gold), die Gold-ETF der Zürcher Kan­to­nal­bank ZKB ha­ben ein Fonds­vo­lu­men von fast 5,5 Mrd. Fr. (nur Fran­ken­tran­chen). Der Zuf­luss in Gold-ETF ist nach dem Rück­gang im ers­ten Quar­tal er­neut sehr hoch.

Und was ma­chen die Zen­tral­ban­ken? Ge­mäss den Sta­tis­ti­ken des World Gold Coun­cil, des Bran­chen­ver­bands der Gold­för­de­rer, ha­ben die No­ten­ban­ken Eu­ro­pas im lau­fen­den Quar­tal 2010 ne­ben klei­nen Men­gen zur Münz­prä­gung kein Gold ver­kauft. Un­ter dem drit­ten Gold­ab­kom­men (CBGA III), das seit dem letz­ten Sep­tem­ber in Kraft ist und den Ver­kauf von 400 Ton­nen pro Jahr er­laubt, wur­den bis­lang erst 1,8 Ton­nen ver­kauft. Ein­zig der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds hat seit Fe­bru­ar 38,7 Ton­nen Gold ver­äus­sert.

Der Wil­le west­li­cher No­ten­ban­ken, sich von ih­ren Gold­re­ser­ven zu tren­nen, ist viel klei­ner als auch schon. Im Ge­gen­teil, es wird man­cher­orts über ei­ne Gold­auf­sto­ckung und die Zu­sam­men­set­zung der De­vi­sen­re­ser­ven dis­ku­tiert.

Am meis­ten Gold ha­ben im ver­gan­ge­nen Quar­tal die rus­si­sche Zen­tral­bank (26,6 Ton­nen) und die No­ten­bank der Phil­ip­pi­nen (9,5 Ton­nen) ge­kauft. Sau­di-Ara­bi­en ist mit neu ins­ge­samt 322,9 Ton­nen Gold vom 24. auf den 16. Platz der Lis­te der gröss­ten Gold­be­sit­zer vor­ge­rückt, dies je­doch auf­grund sta­tis­ti­scher An­pas­sun­gen der Gold­kon­ten.

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