«Strom­kon­sum steigt wie­der»

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - MAR­TIN STEI­GER

Herr Stei­ger, aus der Wirt­schaft kom­men Wo­che für Wo­che bes­se­re Nach­rich­ten. Zeigt sich das im Strom­ver­brauch? Der Strom­zäh­ler ist ei­ner der bes­ten In­di­ka­to­ren für die wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­on. In un­se­rem süd­deut­schen Netz­ge­biet stel­len wir klar fest, dass der Ver­brauch der Ge­schäfts-und In­dus­trie­kun­den an­ge­zo­gen hat. So hat sich der Ab­satz in den ers­ten fünf Mo­na­ten ge­mes­sen am Vor­jah­res­zeit­raum um 6 bis 8% ver­bes­sert. Al­ler­dings hat­ten wir von Ja­nu­ar bis En­de Mai 2009 ein Mi­nus von 14% ver­zeich­net.

Wie sieht es denn nach Sek­to­ren aus? Der Ver­brauch hat vor al­lem bei den Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rern zu­ge­nom­men, wo sich die Aus­las­tung deut­lich er­höht hat und schon fast wie­der eu­pho­ri­sche Stim­mung herrscht. We­ni­ger stark ist der An­stieg in Bran­chen wie Li­fe Sci­en­ces, Phar­ma und Ba­si­sche­mie, die nicht so hef­tig vom Ab­schwung er­fasst wor­den sind. Zu­dem sind ein­zel­ne Un­ter­neh­men noch im­mer nicht auf Er­ho­lungs­kurs. Das hat aber häu­fig mit in­di­vi­du­el­len Pro­ble­men zu tun.

Wie steht es um Kun­den wie Al­can, Lon­za oder DSM, die von der Toch­ter Enal­pin im Wal­lis ver­sorgt wer­den? Bei un­se­ren gröss­ten In­dus­trie­kun­den im Wal­lis hat sich in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten noch kei­ne gros­se Ve­rän­de­rung im Strom­ver­brauch ma­ni­fes­tiert, zu­mal auch der Rück­gang we­ni­ger dras­tisch war.

Was hat die Kon­junk­tur­be­le­bung für Aus­wir­kun­gen auf den Strom­preis? Dass die Nach­fra­ge ge­stie­gen ist, wirkt sti­mu­lie­rend, und seit April ten­die­ren die Strom­prei­se an der Ener­gie­bör­se EEX in Leip­zig et­was fes­ter. An­ders als in der Ver­gan­gen­heit re­agie­ren sie bis­lang aber we­ni­ger sen­si­bel auf den Auf­schwung. Das hat wahr­schein­lich mit po­li­ti­schen Un­si­cher­hei­ten zu tun, wie Fra­gen um die Kern­ener­gie in Deutsch­land. Schwie­rig zu be­ur­tei­len ist auch, in­wie­weit Ak­teu­re aus dem Fi­nanz­sek­tor an den Strom­bör­sen mit­mi­schen. Sie hat­ten sich in der Kri­se aus dem Markt zu­rück­ge­zo­gen, was mit­un­ter ein Grund für den Ein­bruch der Elek­tri­zi­täts­prei­se war. Gut mög­lich, dass sie nun wie­der ein­stei­gen und er­neut Freu­de an die­sem Ge­schäft ent­wi­ckeln.

Was heisst das für das Er­geb­nis? Im Ge­schäft mit Un­ter­neh­menskun­den sind die Mar­gen ge­ne­rell tie­fer als in der Ver­sor­gung der Haus­hal­te. Auch wer­den Men­ge und Preis so­fort zu Bör­sen­prei­sen glatt­ge­stellt, wenn wir ei­nen Ver­trag mit ei­nem Gross­kun­den ab­schlies­sen. Das re­du­ziert das Ri­si­ko. Ve­rän­de­run­gen am Markt wir­ken sich aber erst mit ein bis an­dert­halb Jah­ren Ver­zö­ge­rung auf das

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