Al­con-Ger­an­gel

Schwei­zer Fu­si­ons­ko­ry­phäe un­ter­stützt un­ab­hän­gi­ge Al­con-VR

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - ANDRE­AS MEI­ER

Im Zwist zwi­schen den un­ab­hän­gi­gen Ver­wal­tungs­rä­ten von Al­con und No­var­tis um die Über­nah­me­kon­di­tio­nen ha­ben die Al­con-VR ge­punk­tet: Sie er­hal­ten Sup­port vom ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten der Über­nah­me­kom­mis­si­on H. C. von der Cro­ne.

Lan­ge Zeit herrsch­te in Be­zug auf die um­strit­te­ne Über­nah­me von Al­con durch No­var­tis Funk­stil­le. Doch jetzt scheint dem op­po­si­tio­nel­len Aus­schuss der un­ab­hän­gi­gen Al­con-Ver­wal­tungs­rä­te ein Coup ge­lun­gen zu sein. Der re­nom­mier­te Über­nah­me­spe­zia­list Hans Cas­par von der Cro­ne, ehe­ma­li­ger Prä­si­dent der Über­nah­me­kom­mis­si­on, stützt in ei­nem Gut­ach­ten die un­ab­hän­gi­gen Al­con-Ver­wal­tungs­rä­te. Dem­nach brau­che es zur Fu­si­on zwin­gend die Zu­stim­mung die­ser Ver­wal­tungs­rä­te. Sie aber for­dern bes­se­re Kon­di­tio­nen von No­var­tis.

Vor­teil für Al­con-Ak­tio­nä­re

Zur Er­in­ne­rung: An­fang Ja­nu­ar hat der Bas­ler Kon­zern die Aus­übung der 2008 ver­ein­bar­ten Kauf­op­ti­on für ei­ne 52%-Be­tei­li­gung an Al­con aus dem Be­sitz von Nest­lé an­ge­kün­digt. 25% hat­te No­var­tis schon im Früh­ling 2008 er­wor­ben. Auch die rest­li­chen 23%, die sich im Pu­bli­kum be­fin­den und an der Nyse ge­han­delt wer­den, will No­var­tis kau­fen, um da­nach Al­con in den Kon­zern zu in­te­grie­ren.

Da­für wähl­te No­var­tis das Pro­ze­de­re ei­ner Fu­si­on nach Schwei­zer Recht (was des­halb mög­lich ist, weil Al­con ju­ris­tisch ei­ne Schwei­zer Ge­sell­schaft ist). Das hat aus Sicht von No­var­tis den Vor­teil, dass die Bas­ler den Pu­bli­kums­ak­tio­nä­ren nicht et­wa ei­ne Kauf­of­fer­te un­ter­brei­ten müs­sen, die die­se an­neh­men oder auch ab­leh­nen kön­nen (was die Über­nah­me kom­pli­zie­ren könn­te). Viel­mehr kann ein Zwangs­um­tausch von Al­con-in No­var­tisTi­tel durch­ge­setzt wer­den, so­bald die Fu­si­on ein­mal vom Al­con-Ver­wal­tungs­rat und von der Al­con-GV ge­neh­migt wor­den ist – so lau­ten die ge­setz­li­chen Vor­ga­ben. Und ei­ne sol­che Ge­neh­mi­gung schien bloss ei­ne Form­sa­che: Wenn No­var­tis erst ein­mal 77% al­ler Ti­tel be­sitzt und auch der Ver­wal­tungs­rat mehr­heit­lich von No­var­tis­leu­ten be­setzt ist, schien die Zu­stim­mung zur Fu­si­on ge­ritzt.

No­var­tis über­rum­pelt?

Doch schon im Ja­nu­ar form­te sich Wi­der­stand. Der Aus­schuss der un­ab­hän­gi­gen Ver­wal­tungs­rä­te, der die In­ter­es­sen der Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re ver­tritt, mo­nier­te so­wohl das Tausch­ver­hält­nis (für ei­ne Al­con-Ak­tie of­fe­riert No­var­tis 2,8 No­var­tisAk­ti­en) als auch das recht­li­che Vor­ge­hen. Die un­ab­hän­gi­gen Ver­wal­tungs­rä­te stell­ten sich auf den Stan­dpunkt, dass die No­var­tis-VR beim Ent­scheid über die Fu­si­on we­gen In­ter­es­sen­kon­flikts in den Aus­stand tre­ten soll­ten. So ist es auch in ei­nem 2008 vom Al­con-VR ab­ge­seg­ne­ten Or­ga­ni­sa­ti­ons­re­gle­ment fest­ge­hal­ten.

Al­ler­dings sind In­ter­es­sen­kon­fli­ke im Schwei­zer Ak­ti­en­recht und im Ob­li­ga­tio­nen­recht nicht ex­pli­zit ge­re­gelt. Im OR heisst es nur, der VR müs­se «sei­ne Auf­ga­ben mit al­ler Sorg­falt er­fül­len und die In­ter­es­sen der Ge­sell­schaft in gu­ten Treu­en wah­ren».

Doch nun hat ein Mei­nungs­füh­rer in Sa­chen Fu­si­ons­recht, Pro­fes­sor Hans Cas­par von der Cro­ne, in ei­nem am Mon­tag ver­öf­fent­lich­ten 22-sei­ti­gen Gut­ach­ten die Po­si­ti­on der un­ab­hän­gi­gen Ver­wal­tungs­rä­te un­ter­stützt. Sei­ner Mei­nung nach kann der Ge­s­amt-VR von Al­con ei­nen Fu­si­ons­ver­trag (ein sol­cher ist ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben) nur dann ab­schlies­sen, wenn er zu­vor vom Ko­mi­tee der un­ab­hän­gi­gen VR gut­ge­heis­sen wor­den ist. Auch kön­ne das Al­con-Re­gle­ment nach­träg­lich nicht ab­ge­än­dert wer­den; da­zu bräuch­te es eben­falls die Ein­wil­li­gung der un­ab­hän­gi­gen Al­con-VR.

Wie No­var­tis die neue Si­tua­ti­on ein­schätzt, war nicht in Er­fah­rung zu brin­gen. Ei­ne An­fra­ge von «Fi­nanz und Wirt­schaft» blieb bis Di­ens­tag­abend un­be­ant­wor­tet. No­var­tis, so scheint es, wur­de durch von der Cro­nes Gut­ach­ten über­rum­pelt und steckt nun in der De­fen­si­ve.

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