Swatch Group steht auf fes­ter Ba­sis

MAN SPRICHT VON dem Uh­ren­kon­zern nach dem Tod sei­nes Grün­ders, Pa­trons und Haupt­ak­tio­närs Nicolas G. Hay­ek

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK - WOLF­GANG GAM­MA

K on­ti­nui­tät und das im Sin­ne von kon­ti­nu­ier­lich vor­wärts und kon­ti­nu­ier­lich krea­tiv: Un­ter die­sen Prä­mis­sen wird der Uh­ren-und Elek­tro­nik­kon­zern Swatch Group nach dem Hin­schied ih­res Grün­ders Nicolas G. Hay­ek sich fort­ent­wi­ckeln. Sehr gu­te Markt­po­si­tio­nen, ein pro­fun­des tech­ni­sches Know­how, das die Ge­sell­schaft auch in der jüngs­ten Kri­sen­zeit kaum an­tas­te­te, und ei­ne so­li­de Fi­nan­zie­rung ma­chen die Swatch Group aus.

Das Er­be auf die­ser Ba­sis wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, da­zu sind die in Ver­wal­tungs­rat und Ge­schäfts­lei­tung sit­zen­den Fa­mi­li­en­mit­glie­der auf­ge­ru­fen und – vor al­lem – auch fä­hig. Sohn Nick (55) ist seit 2003 Vor­sit­zen­der der Ge­schäfts­lei­tung und seit April Mit­glied des Ver­wal­tungs­rats. Sei­ne Schwes­ter Nay­la ge­hört eben­falls dem Ver­wal­tungs­rat an und ist dort Vi­ze­prä­si­den­tin (wie auch Pe­ter Gross, der be­reits Ver­wal­tungs­rat der Swatch-Vor­gän­ger­ge­sell­schaf­ten SSIH und Asuag war). Als Ver­tre­ter der drit­ten Ge­ne­ra­ti­on sitzt Marc A. Hay­ek (Sohn von Nay­la) in der Kon­zern­lei­tung. Der 39-Jäh­ri­ge führt die Ge­schäf­te der Lu­xus­mar­ke Blancpain.

Wachs­tums­pha­se hilft

Über­ra­schen­de per­so­nel­le No­mi­na­tio­nen sind nicht zu er­war­ten. Nick Hay­ek dürf­te das Ver­wal­tungs­rats­prä­si­di­um über­neh­men, vo­r­erst vi­el­leicht im Dop­pel­man­dat mit der ope­ra­ti­ven Lei­tung. Marc Alexander Hay­ek, seit 2001 in der Grup­pe, dürf­te frü­her oder spä­ter als CEO nach­rü­cken. Neu zu be­set­zen ist zu­dem die Lei­tung der vom Ver­stor­be­nen ge­führ­ten Pres­ti­ge­mar­ke Bre­guet.

Das Un­ter­neh­men kann den Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sel in ei­ner Pha­se des Wachs­tums voll­zie­hen. Ein Stra­te­gie­wech­sel ist nicht nö­tig. Die Ge­schäfts­ent­wick­lung der ers­ten vier Mo­na­te ver­spricht viel für das Ge­samt­jahr, das ge­mäss frü­he­ren An­ga­ben ein Re­kord­jahr wer­den soll. Ei­ne zwei­stel­li­ge Um­satz­zu­nah­me bil­det da­zu ei­ne gu­te Grund­la­ge. Zu­dem ver­lief die Uh­ren­und Schmuck­mes­se Ba­sel­world er­folg­reich, was die Auf­trags­bü­cher mar­kant an­schwel­len liess. Hält das Tem­po an, könn­ten 6 Mrd. Fr. Um­satz (Lang­frist­ziel sind 8 Mrd.) die un­ters­te Mar­ke dar­stel­len. Be­stä­tigt sich der Trend zur Jah­res­mit­te, könn­te ei­ne Er­hö­hung un­se­rer Ge­winn­schät­zung von 17 Fr. je In­ha­ber­ak­tie not­wen­dig sein.

Ei­ne bes­se­re Aus­las­tung der 2009 be­wusst kaum re­du­zier­ten Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten müss­te ei­ne deut­li­che Mar­gen­stei­ge­rung brin­gen. Kon­zern­weit wer­den 20% Ebit-Mar­ge an­ge­strebt (nach ei­nem ge­rin­ger als be­fürch­te­ten Rück­gang auf 17,6% im Vor­jahr). Im Kern­seg­ment Uh­ren be­trug die Mar­ge im ver­gan­ge­nen Jahr 19,2% (15,4% im ers­ten Halb­jahr, 22% im zwei­ten, wor­aus sich die Nach­fra­ge­stei­ge­rung ge­gen En­de Jahr ab­le­sen lässt).

Brei­tes Port­fo­lio

Zu­gu­te kommt Swatch Group, dass sie mit ih­ren 19 Mar­ken in al­len Preis­seg­men­ten prä­sent ist. In kon­junk­tu­rell schwä­che­ren Jah­ren wie 2009 ist das ein nicht zu un­ter­schät­zen­der Plus­punkt. Sinkt die Nach­fra­ge nach Pres­ti­ge­mar­ken wie Bre­guet, Blancpain oder Glas­hüt­te Ori­gi­nal, kön­nen zu­sätz­li­che Käu­fer mit­tel­prei­si­ger Mar­ken wie Lon­gi­nes, Tis­sot oder Rado den Ge­schäfts­rück­gang mil­dern.

Der Kon­zern hat zu­dem früh­zei­tig er­kannt, wo die Mu­sik spielt. In Asi­en wur­de das ei­ge­ne Ver­triebs­netz trotz Re­zes­si­on aus­ge­baut. Spe­zi­ell im Mil­li­ar­den­markt Chi­na wird kräf­tig in­ves­tiert. Die bes­tens ein­ge­führ­te Mar­ke Ome­ga und die neu­en Lä­den an pro­mi­nen­tes­ter La­ge in Schang­hai (im frü­he­ren Peace Ho­tel) bil­den be­son­de­re Trümp­fe. Grund­sätz­lich be­vor­zugt Swatch Group ei­ne Stär­kung des ei­ge­nen Fi­li­al­net­zes, weil das ei­ne hö­he­re Wert­schöp­fung und ei­ne bes­se­re Kon­trol­le er­mög­licht. Be­tei­li­gun­gen an der chi­ne­si­schen La­den­ket­te Heng­de­li und an Rivoli in der Golf­re­gi­on, ei­nem wei­te­ren wich­ti­gen Wachs­tums­markt, run­den das En­ga­ge­ment ab. Wie der Ver­trieb im wie­der er­star­ken­den US-Markt er­wei­tert wer­den soll, ge­hört zu den an­zu­pa­cken­den Auf­ga­ben. Ei­ne wei­te­re ist die Mar­gen­stei­ge­rung im Be­reich elek­tro­ni­sche Sys­te­me, der in der Re­zes­si­on arg ge­lit­ten hat.

Ak­ti­en nicht aus­ge­reizt

Ei­ne Än­de­rung in der Ei­gen­tü­mer­struk­tur ist un­wahr­schein­lich. Nicolas G. Hay­ek kon­trol­lier­te über ei­nen Pool fast 41% der Stim­men. Die­sen aus­ein­an­der­zu­di­vi­die­ren, kann nicht im In­ter­es­se der Fa­mi­lie sein. Das ist auch nicht zu be­fürch­ten, klappt doch die Zu­sam­men­ar­beit in den Kon­zern­gre­mi­en. Denk­bar ist, dass Swatch Group zu ei­ner et­was ak­tio­närs­freund­li­che­ren Aus­schüt­tungs­po­li­tik fin­det.

Die In­ha­ber­ak­ti­en (Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 18 für 2010, ba­sie­rend auf un­se­rer de­fen­si­ven Schät­zung) ha­ben das Po­ten­zi­al wie an­de­re Wer­te der Lu­xus­gü­ter­bran­che (vgl. Sei­te 25) nicht aus­ge­schöpft. Der Kurs­rück­gang vom Di­ens­tag ist nicht dem Ver­lust des Vor­den­kers zu­zu­schrei­ben, son­dern der Schwä­che der asia­ti­schen Bör­sen, die auf Hin­wei­sen zu kon­junk­tu­rel­len Brems­spu­ren in Chi­na fuss­te.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.