Zu gros­sem Dank ver­pflich­tet

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK - PE­TER SCHUPP­LI

Be­ra­ter, In­ves­tor, Un­ter­neh­mer, En­tre­pre­neur, Vi­sio­när, Mä­zen, Pa­tron, Kri­ti­ker – all das und vie­les mehr ver­kör­per­te Nicolas G. Hay­ek, der am Mon­tag un­er­war­tet in sei­nem Bü­ro ver­starb. Wir zie­hen mit gros­ser Hoch­ach­tung den Hut vor dem, was er für die Schwei­zer Uh­ren­in­dus­trie und da­mit für un­ser gan­zes Land, für die Re­gi­on Biel und weit dar­über hin­aus ge­leis­tet hat. Der Schweiz wür­de es gut tun, wenn es mehr Ak­teu­re mit der Zu­ver­sicht, Ener­gie, Krea­ti­vi­tät so­wie dem Mut und Ta­ten­drang ei­nes Nicolas G. Hay­ek gä­be.

Über den müt­ter­li­cher­seits aus dem Li­ba­non, vä­ter­li­cher­seits aus den USA stam­men­den Hay­ek sen. war lan­ge Zeit we­nig be­kannt. Erst in den Acht­zi­ger­jah­ren wur­de ei­ne brei­te­re Öf­fent­lich­keit auf die Be­ra­tungs­fir­ma Hay­ek En­gi­nee­ring auf­merk­sam. Ei­ne kri­ti­sche Ex­per­ti­se zur um­strit­te­nen Pan­zer­be­schaf­fung der Schwei­zer Ar­mee trug den Na­men Hay­ek ins öf­fent­li­che Be­wusst­sein. Da­bei war sei­ne Be­ra­tungs­fir­ma mit 350 Be­schäf­tig­ten al­les an­de­re als ein Bran­chen­winz­ling, wie die Kun­den­lis­te mit Na­men wie Al­fa Ro­meo, BMW, Bosch, AEG, Flick, Hit­a­chi, In­tern. Har­ves­ter, Eter­nit und die von Bru­der Sam ge­ma­nag­te Ge­trän­ke­grup­pe Si­bra usw. be­legt.

Es war denn auch die Be­ra­tungs­tä­tig­keit, die Hay­ek zur Uh­ren­in­dus­trie führ­te. Sei­ne Ana­ly­se der not­lei­den­den Uh­ren­kon­zer­ne Asuag und SSIH brach­ten ihn zur Er­kennt­nis, dass hier enor­mes Po­ten­zi­al an Er­fah­rung und Know­how brach­lag. Mit fes­ter Über­zeu­gung und Ri­si­ko­be­reit­schaft stieg er ein – be­glei­tet von ei­ner Hand­voll wei­te­rer In­ves­to­ren –, fu­sio­nier­te die bei­den Kon­kur­ren­ten zur SMH (spä­ter in Swatch Group um­be­nannt). Es war der Be­ginn ei­ner in der Ge­schich­te der Schweiz ein­ma­li­gen Ret­tung ei­ner gan­zen In­dus­trie mit­samt de­ren Zu­lie­fe­rern. Die Ent­wick­lung und Lan­cie­rung der Plas­tik­uhr Swatch spiel­te da­bei ei­ne ent­schei­den­de Rol­le: Hay­eks Ant­wort auf die Bil­lig­kon­kur­renz aus Ja­pan schlug ein und lei­te­te die Re­nais­sance der Uhr «Swiss ma­de» ein. Es ist Hay­eks Ver­dienst, dass der Na­me Swatch Group welt­weit für Schwei­zer Qua­li­tät und Krea­ti­vi­tät steht. Uh­ren­mar­ken wie Ome­ga, Rado, Lon­gi­nes, Tis­sot, Blancpain, Bre­guet usw. hat er mit In­no­va­ti­on, Mar­ke­ting­ge­schick und Be­harr­lich­keit zu neu­er Blü­te ge­führt, hat im In-und Aus­land ver­ges­se­ne Mar­ken er­wor­ben und wie­der­be­lebt.

Sein Geist, sei­ne Kraft le­ben in der zwei­ten und drit­ten Ge­ne­ra­ti­on wei­ter. Die Be­geg­nun­gen mit ihm blei­ben un­ver­gess­lich. So lie­bens­wür­dig und auf­ge­stellt er stets war, so hat­te er doch auch ei­ne emp­find­li­che Sei­te. Wer zum Bei­spiel sei­ne Di­vi­den­den­po­li­tik als zu knaus­rig be­zeich­ne­te, den konn­te er schon mal mit ei­ner län­ge­ren «Ich-bin­nicht-zu-spre­chen»-Stra­fe be­le­gen. War die­se «ab­ge­ses­sen», stand er aber wie­der je­der­zeit für ein Ge­spräch zur Ver­fü­gung. Er hin­ter­lässt ein gros­ses Er­be.

Chef­re­dak­tor zum Hin­schied ei­nes gros­sen Schwei­zers

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