Schwä­che bleibt Pro­gramm

Ab­ga­ben auf brei­ter Front – Fi­nanz­wer­te und Zy­kli­ker ge­ben am stärks­ten nach – Sa­ra­sin klet­tern

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - FRAN­ZIS­KA PFIS­TER UND MO­NI­CA HEGG­LIN

Die Ve­r­un­si­che­rung wächst. Im­mer mehr Markt­teil­neh­mer be­arg­wöh­nen die kon­junk­tu­rel­le La­ge. Die Furcht vor ei­nem «Dou­ble Dip», ei­nem Rück­fall in die über­wun­den ge­glaub­te Re­zes­si­on, wächst. Zu­sätz­lich ge­schürt wird die­se Angst durch die ho­he Staats­ver­schul­dung di­ver­ser In­dus­trie­na­tio­nen bzw. die Tat­sa­che, dass ei­ne gros­se An­zahl Ban­ken sehr vie­le ris­kan­te An­lei­hen sol­cher Staa­ten in den Bü­chern ha­ben. Das mün­det in ei­ne Dau­erschwä­che des Eu­ros, der am Di­ens­tag un­ter die Mar­ke von 1.32 zum Fran­ken tauch­te – ein neu­es All­zeit­tief.

Ge­rät­selt wird am Markt dar­über, wie stark Chi­nas Wirt­schaft noch wächst. Da­ne­ben bremst die wach­sen­de Ge­wiss­heit, dass die US-Fi­nanz­markt­re­form die Ge­win­ne der Ban­ken mar­kant be­schnei­den wird (vgl. Sei­te 23). Seit Wo­chen­be­ginn fiel der Swiss Mar­ket In­dex SMI 2,1% auf 6411,45. Da­mit ku­mu­lie­ren sich die Ver­lus­te im lau­fen­den Quar­tal auf 11%. Nichts deu­tet dar­auf hin, dass ein Stim­mungs­um­schwung be­vor­steht. Auch zum Start ins drit­te Quar­tal dro­hen Ab­ga­ben.

UBS, CS auf dem Prüf­stand

Neue Be­fürch­tun­gen über die Ge­sund­heit der eu­ro­päi­schen Ban­ken be­las­te­ten am Di­ens­tag die Schwei­zer Sek­tor­wer­te. Hin­ter­grund wa­ren Re­fi­nan­zie­rungs­ängs­te, die sich in ei­ner wei­te­ren An­span­nung des In­ter­ban­ken­markts in Zu­sam­men­hang mit dem Aus­lau­fen ei­nes Jah­res­ten­ders der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank zeig­ten. UBS (–4,7%) ver­lo­ren eben­so wie Cre­dit Suis­se Group (–3,1%).

Kurz vor dem En­de des zwei­ten Quar­tals pas­sen die Ana­lys­ten ih­re Schät­zun­gen an. Die Tur­naround-Sto­ry UBS wird an­ge­sichts der schwie­ri­gen La­ge an den Fi­nanz­märk­ten we­ni­ger ver­heis­sungs­voll. Mor­gan St­an­ley rech­net mit ei­nem Rück­gang des Vor­steu­er­ge­winns im In­vest­ment Ban­king von CS und UBS um 40% zum Vor­quar­tal. Be­son­ders im Fall CS wird sich zei­gen, ob das Ge­schäfts­mo­dell tat­säch­lich zu ei­ner ge­rin­ge­ren Vo­la­ti­li­tät im Ge­winn führt. Ge­mäss den ers­ten Zah­len des Markt­for­schungs­un­ter­neh­mens Dea­lo­gic konn­te CS ih­re Ge­win­ne in der glo­ba­len M&A-Rang­lis­te hal­ten.

Dank Über­nah­me­spe­ku­la­tio­nen wa­ren Sa­ra­sin (+2,6%) auf der Ge­win­ner­sei­te (vgl. Sei­te 13). Soll­te es zu ei­nem Ver­kauf kom­men, wä­re Ju­li­us Bär ( Ti­tel –5,2%%) si­cher sehr in­ter­es­siert.

Bes­ser weg als die Ban­ken ka­men die Ver­si­che­run­gen. Von den gross­ka­pi­ta­li­sier­ten Wer­ten am bes­ten hiel­ten sich Zu­rich Fi­nan­ci­al (–1,1%). Das welt­wei­te Prä­mi­en­vo­lu­men in der Bran­che sei im Jahr 2009 in­fla­ti­ons­be­rei­nigt um 1,1% auf 4066 Mrd.$ zu­rück­ge­gan­gen, da­ge­gen hät­ten sich Pro­fi­ta­bi­li­tät und Ka­pi­tal­aus­stat­tung deut­lich ver­bes­sert, er­gab ei­ne Stu­die von Swiss Re. Dank der Er­ho­lung der glo­ba­len Wirt­schaft dürf­ten im lau­fen­den Jahr die Prä­mi­en wie­der stei­gen, heisst es.

ABB un­ter Druck

Un­ter den In­dus­trie­wer­ten ge­rie­ten ABB (–4,4%) am Di­ens­tag über­durch­schnitt­lich un­ter Druck. Zu den für Zy­kli­ker be­las­ten­den pes­si­mis­ti­sche­ren Ein­schät­zun­gen der Welt­kon­junk­tur kam spe­zi­fisch hin­zu, dass der Fi­nanz­markt ei­nen teu­ren Über­nah­me­kampf um die bri­ti­sche Chlo­ri­de be­fürch­tet. An der Lon­do­ner Bör­se sind Ak­qui­si­tio­nen in der Re­gel kost­spie­lig. Die ame­ri­ka­ni­sche Emer­son hat­te am Di­ens­tag an­ge­kün­digt, den Chlo­ri­de-Ak­tio­nä­ren rund 15% mehr zu bie­ten als ABB (vgl. Sei­te 11).

ABB hat ge­mäss bri­ti­schen Über­nah­me­vor­schrif­ten bis Don­ners­tag­vor­mit­tag Zeit, Stel­lung zu neh­men, al­so Emer­son zu «top­pen» oder die Trans­ak­ti­on ad ac­ta zu le­gen. Zu den Ängs­ten der An­le­ger, die hoch­li­qui­de ABB könn­te für Chlo­ri­de zu tief in die Ta­sche grei­fen, hat sich CFO Mi­chel De­ma­ré schon vor­beu­gend ge­äus­sert: «Wer nun Be­den­ken hat, wir könn­ten uns in ei­nen Preis­kampf stür­zen: Wir ken­nen un­se­re Gren­zen und blei­ben dis­zi­pli­niert» (vgl. FuW vom Sams­tag).

Auch an­de­re Zy­kli­ker schwäch­ten sich ab, weil die An­le­ger ver­mehrt in we­ni­ger kon­junk­tur­an­fäl­li­ge Sek­to­ren um­schich­te­ten. So rutsch­ten Rie­ter (–4,3%) eben­so ab wie die Lu­xus­gü­ter­wer­te Ri­che­mont (–3,3%) und Swatch Group (Inh. –3,2%). Im Fall von Swatch Group kam die Nach­richt vom über­ra­schen­den Hin­schied des Grün­ders und VR-Prä­si­den­ten Nicolas G. Hay­ek hin­zu (vgl. Sei­te 2).

Aci­no geht leer aus

Den Siech­gang fort­ge­setzt ha­ben Aci­no (–0,9%). Der Ab­schlag zum Buch­wert ver­grös­ser­te sich. Die Han­dels­vo­lu­men knick­ten seit dem Früh­jahr ein, we­gen der Ent­täu­schung um den Rück­ruf des Blut­ver­dün­ners Clo­pi­do­grel. Be­son­ders US-Ak­tio­nä­re zo­gen sich zu­rück, ist aus Händ­ler­krei­sen zu hö­ren. Die gröss­te deut­sche Kran­ken­kas­se AOK gab am Di­ens­tag die Part­ner der jüngs­ten Ra­batt­run­de be­kannt. Aci­no ging leer aus, den Zu­schlag für Clo­pi­do­grel er­hielt in al­len fünf Ge­bie­ten Tad Phar­ma, ei­ne Toch­ter­ge­sell­schaft der slo­we­ni­schen Ge­ne­ri­ka­grup­pe Kr­ka.

Ein her­ber Schlag für Aci­no, kon­trol­lier­ten die Bas­ler doch En­de Jahr 42% des deut­schen Markts für den Wirk­stoff. Ab Ok­to­ber droht ein Um­satz­ein­bruch. Das Ma­nage­ment war am Di­ens­tag­abend für ei­nen Kom­men­tar nicht er­reich­bar.

Die Ak­ti­en der Den­talim­plan­tat­her­stel­ler No­bel Bio­ca­re (–4,6%) und St­raumann (–2,5%) ga­ben Ter­rain ab. Am Markt wird über ein schwa­ches zwei­tes Quar­tal im US-Ge­schäft ge­mut­masst. Das steht in Kon­trast zum leicht hö­he­ren Quar­tals­um­satz im Heim­markt, den US-Kon­kur­rent Bio­met An­fang Wo­che vor­leg­te.

Ent­ge­gen dem Markt­trend zo­gen die Mi­ni­caps Ac­cu Oer­li­kon 0,8% an. Grund sind Ver­schie­bun­gen im Ak­tio­na­ri­at. Neu kon­sti­tu­ier­te sich die Grup­pe um Ver­wal­tungs­rat Hans-Ul­rich Greu­tert, Guy Sa­ra­sin und Be­da Wiet­lis­bach. Die­se kon­trol­liert durch den Ein­be­zug der Stim­men der Pen­si­ons­kas­se von Ac­cu Oer­li­kon nun 59% (statt 51), wie den Mel­dun­gen der SIX zu ent­neh­men ist. Da­ne­ben bau­te Beat Käh­li sei­ne Be­tei­li­gung kürz­lich auf 15% aus. Der In­ves­tor tat sich im Ja­nu­ar mit Al­ber­to Ro­ma­ne­schi zu­sam­men. Käh­li mel­de­te im Ju­ni 2009 ei­nen An­teil von 5% und er­höh­te ihn seit­her.

Die Ak­ti­en der Spi­tal­grup­pe Ge­no­lier klet­ter­ten 8,3%. Der Ver­wal­tungs­rat und ab­ge­setz­te CEO An­toi­ne Hu­bert hat nach ei­ge­nen An­ga­ben die Be­tei­li­gung von 15 auf mehr als 25% er­höht (vgl. Sei­te 14).

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