Si­che­re An­la­gen ge­sucht

IN­TER­NA­TIO­NA­LE AN­LEI­HEN G-20-Staa­ten wol­len Schul­den ab­bau­en – US-Tre­a­su­ry-Ren­di­ten auf Tiefst

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - JEAN­NE RICHENBERGER

HEZB-Ten­der läuft aus

ohe Zie­le ha­ben sich die zwan­zig gröss­ten Volks­wirt­schaf­ten, die G-20, für die Staats­ver­schul­dung ge­steckt: Am Tref­fen in To­ron­to ha­ben sie am Wo­che­n­en­de be­schlos­sen, Richt­li­ni­en zum De­fi­zit­ab­bau in die Schluss­er­klä­rung auf­zu­neh­men. Die In­dus­trie­staa­ten wol­len ih­re De­fi­zi­te bis 2013 hal­bie­ren und in sechs Jah­ren mit der Sen­kung ih­rer Schul­den­quo­te be­gin­nen. Gleich­zei­tig warn­ten die USA je­doch, zu früh mit der Fis­kal­kon­so­li­die­rung zu star­ten – denn so kön­ne die Er­ho­lung ge­bremst wer­den, die Ge­fahr ei­nes Dou­ble-Dip er­hö­he sich. Fis­kal­kon­so­li­die­rung be­deu­tet ge­rin­ge­re Nach­fra­ge der öf­fent­li­chen Hand. Das muss durch kräf­ti­ge­re pri­va­te oder aus­län­di­sche Nach­fra­ge kom­pen­siert wer­den, sonst droht ein Wachs­tum­s­ein­bruch.

Er­war­tungs­ge­mäss kei­nen Kon­sens fand die be­son­ders von Deutsch­land, Gross­bri­tan­ni­en und Frank­reich por­tier­te Ban­ken­steu­er. Ei­nig wa­ren sich je­doch die Re­gie­run­gen der G-20 in Be­zug auf die Ei­gen­mit­tel­an­for­de­run­gen für Ban­ken: Die Quo­te ( Tier-1-Ra­tio) muss künf­tig dop­pelt so hoch sein. Be­reits ge­han­delt hat das ame­ri­ka­ni­sche Par­la­ment, das ei­ne um­fas­sen­de Fi­nanz­markt­re­form be­schlos­sen hat (vgl. Sei­te 23). In der lau­fen­den Wo­che das wich­tigs­te Er­eig­nis ist am Don­ners­tag das Aus­lau­fen des Ein­jah­res­ten­ders der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) über 442 Mrd.€. Das In­stru­ment war im Ju­ni 2009 lan­ciert wor­den, um die an­ge­spann­ten Geld­märk­te bzw. die Fi­nanz­in­sti­tu­te mit Mit­teln zu ver­sor­gen. Die EZB weist der­zeit ei­ne Über­schuss­li­qui­di­tät des Eu­ro­sys­tems von 310 Mrd.€ aus, rund 200 Mrd. mehr als vor der Fi­nanz­kri­se.

Ex­per­ten von Uni­credit er­war­ten ei­nen Vo­lu­men­über­trag (Roll­over) des aus­lau­fen­den Ten­ders in ei­nen Drei­mo­nats­ten­der in der Hö­he von 250 bis 350 Mrd. €. Dem ef­fek­tiv ge­roll­ten Vo­lu­men wird ei­ne ho­he Aus­sa­ge­kraft in Be­zug auf die Ver­fas­sung der eu­ro­päi­schen Ban­ken­land­schaft bei­ge­mes­sen: Da die Markt­ren­di­ten deut- lich un­ter den von der EZB für den Drei­mo­nats­ten­der of­fe­rier­ten 1% lie­gen, wer­den sich le­dig­lich In­sti­tu­te mit be­schränk­tem Zu­gang zu Li­qui­di­tät auf die­se Wei­se re­fi­nan­zie­ren.

Dem­ent­spre­chend wird ein ho­hes Vo­lu­men Druck auf die Eu­ri­bor-Kur­ve aus­üben, denn die Be­deu­tung des Ge­gen­par­tei­ri­si­kos näh­me wie­der zu. Pro­fi­tie­ren wür­den hin­ge­gen deut­sche Bun­des­an­lei­hen als An­la­ge des si­che­ren Ha­fens. Ein klei­ne­rer Über­trag des Ten­ders hin­ge­gen wür­de die Sät­ze des Over­night In­de­xed Swap (OIS) und Eu­ri­bor er­hö­hen, da we­ni­ger Li­qui­di­tät im Markt vor­han­den wä­re. Eben­so wür­den si­che­re An­la­gen we­ni­ger ge­sucht, was die Ren­di­ten der Bun­des­an­lei­hen stei­gen lies­se.

Apro­pos Bunds: Im zwei­ten Halb­jahr wird die deut­sche Fi­nanz­agen­tur we­ni­ger An­lei­hen emit­tie­ren als En­de 2009 an­ge­kün­digt. Das Vo­lu­men des drit­ten Quar­tals wird von 46 auf 44 Mrd.€ re­du­ziert, und im vier­ten Quar­tal wer­den le­dig­lich noch 43 statt 46 Mrd.€ be­ge­ben. Ge­samt­haft nimmt das Schatz­amt so­mit 5 Mrd.€ we­ni­ger auf als ge­plant. Hier­zu wer­den so­wohl Neu­emis­sio­nen als auch Auf­sto­ckun­gen stor­niert.

Die wich­tigs­te Än­de­rung be­trifft den ul­tra­l­an­gen Lauf­zeit­be­reich. Da wer­den ge­plan­te Vo­lu­men­er­hö­hun­gen von aus­ste­hen­den dreis­sig­jäh­ri­gen Pa­pie­ren aus­ge­setzt und durch ei­ne Neu­emis­si­on mit Fäl­lig­keit 2042 er­setzt. In ei­nem ers­ten Schritt sol­len mit dem Ul­tra­l­ang­läu­fer 4 Mrd.€ auf­ge­nom­men wer­den. Zu­rück in die Ver­gan­gen­heit: In den ver­gan­ge­nen sechs Mo­na­ten hat die Eu­ro­zo­ne Staats­an­lei­hen über 568 Mrd.€ emit­tiert – rund 5 Mrd. we­ni­ger als in der Vor­jah­res­pe­ri­ode. Noch En­de April hat­te ge­gen­über dem Vor­jahr ein Vor­sprung be­stan­den. Grund der rück­läu­fi­gen Emis­si­ons­tä­tig­keit ist Grie­chen­land. Nach der Emis­si­on über 8,4 Mrd.€ im ers­ten Quar­tal nimmt die Re­pu­blik am Markt kein Geld mehr auf. 2009 hat­te Hel­las noch 62,5 Mrd.€ be­ge­ben. Zu­dem hat die grie­chi­sche Re­gie­rung an­ge­kün­digt, im Ju­li fäl­li­ge Pa­pie­re mit drei-, sechs-und zwölf­mo­na­ti­ger Lauf­zeit zu rol­len. Das ge­plan­te Ge­samt­vo­lu­men be­trägt 3,5 Mrd. €. Die Auk­tio­nen wer­den am 13. und 20. Ju­li er­war­tet.

Hel­las fällt aus Ibo­xx

Der­zeit ren­tie­ren zehn­jäh­ri­ge grie­chi­sche Staats­an­lei­hen 10,54%, An­fang Mai hat­ten sie mit 12,42% ein Re­kord­hoch er­reicht (vgl. Gra­fik un­ten). Nun droht von an­de­rer Sei­te ein er­neu­ter Ren­di­te­an­stieg: Am Mitt­woch fällt Grie­chen­land of­fi­zi­ell aus dem An­lei­hen­in­dex Ibo­xx.

Grund ist die von den Ra­tin­ga­gen­tu­ren vor­ge­nom­me­ne Her­ab­stu­fung in den spe­ku­la­ti­ven Be­reich. Der In­dex­an­bie­ter Mar­kit wird die grie­chi­schen Staats­an­lei­hen je­doch in ei­nem neu ge­schaf­fe­nen Mar­kit Ibo­xx Eu­ro Greece Bench­mark aus­wei­sen. Wie gross der dar­aus re­sul­tie­ren­de Ab­ga­be­druck wird, ist schwer ab­zu­schät­zen. Die In­dexan­pas­sung war den Markt­teil­neh­mern schon län­ger be­kannt.

Auf der an­de­ren Sei­te des At­lan­tiks ver­zeich­ne­ten US-Tre­a­su­ries mit zwei­jäh­ri­ger Lauf­zeit ein All­zeit­tief, die Ren­di­te fiel auf 0,5857%. Der letz­te Re­kord war am 17. De­zem­ber 2008 auf 0,6044% er­reicht wor­den. Da­mals hat­te die ame­ri­ka­ni­sche No­ten­bank den Leit­satz auf das heu­ti­ge Tief­zins­ni­veau von 0 bis 0,25% re­du­ziert. Der jüngs­te Ein­bruch ist – ana­log zur tie­fe­ren Ren­di­te von deut­schen Staats­an­lei­hen – mit der Ri­si­ko­aver­si­on der Markt­teil­neh­mer zu er­klä­ren. Si­che­re An­la­gen wa­ren in den ver­gan­ge­nen Ta­gen ge­sucht, und für Ob­li­ga­tio­nen gilt: Je grös­ser die Nach­fra­ge, des­to hö­her ist der Preis und des­to tie­fer die Ren­di­te.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.