SNB will nicht mehr in­ter­ve­nie­ren

DE­VI­SEN Wäh­rungs­re­ser­ven füh­ren zu Un­be­ha­gen – Fran­ken wird den Markt­kräf­ten über­las­sen

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - UR­SI­NA KUBLI,

Der Fran­ken mar­kiert zum Eu­ro na­he­zu täg­lich neu­en Re­kord­stand. Am Di­ens­tag durch­brach das Wäh­rungs­paar die Mar­ke von 1.32 Fr./€. Auch zum Dol­lar und da­mit den Wäh­run­gen der Schwel­len­län­der hat die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta im ver­gan­ge­nen Mo­nat deut­lich zu­ge­legt: Der Gre­en­back ist im Ju­ni ge­gen­über dem Fran­ken von 1,155 Fr./$ auf das jet­zi­ge Kurs­ni­veau von 1,085 Fr./$ ge­sun­ken.

Da­mit ver­schlech­tert sich die preis­li­che Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Schwei­zer Ex­port­in­dus­trie. Das Aus­mass der Fran­ken­auf­wer­tung dürf­te der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB) Sor­ge be­rei­ten – den­noch ist vo­r­erst mit kei­ner De­vi­sen­markt­in­ter­ven­ti­on zu rech­nen. Am Mon­tag wie­der­hol­te SNB-Di­rek­to­ri­ums­mit­glied Je­an-Pier­re Dan­t­hi­ne, dass die De­fla­ti­ons­ge­fahr in der Schweiz weit­ge­hend ver­schwun­den sei. Die Angst vor ei­ner De­fla­ti­on war bis an­hin die ein­zi­ge Be­grün­dung der Na­tio­nal­bank, den Auf­wärts­trend des Fran­kens zu brem­sen.

Kei­ne De­fla­ti­ons­ge­fahr mehr

Be­reits in der geld­po­li­ti­schen La­ge­be­ur­tei­lung am 17. Ju­ni schränk­te die SNB ih­re In­ter­ven­ti­ons­dro­hun­gen stark ein. In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten hat­te die No­ten­bank ge­warnt, dass sie ei­ner «über­mäs­si­gen Auf­wer­tung des Fran­kens ge­gen­über dem Eu­ro ent­schie­den ent­ge­gen­wir­ken wer­de». Nun will die SNB nur noch «al­le not­wen­di­gen Mass­nah­men er­grei­fen, wenn die Ab­wärts­ri­si­ken im Zu­sam­men­hang mit der eu­ro­päi­schen Schul­den­kri­se ein­tre­ten und über ei­ne Fran­ken­auf­wer­tung zu er­neu­ten De­fla­ti­ons­ge­fah­ren füh­ren soll­ten». Of­fen­bar stemmt sich die SNB nicht wie bis­her ge­gen ei­ne wei­te­re Auf­wer­tung der hel­ve­ti­schen Va­lu­ta. Das zeugt von ei­nem stär­ke­ren Ver­trau­en in die Schwei­zer Wirt­schaft. Für 2010 rech­net die SNB mit ei­nem rea­len Wachs­tum des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) von 2%. Da­mit ist die vor­an­ge­gan­ge­ne Pro­gno­se 0,5 Pro­zent­punk­te nach oben kor­ri­giert wor­den. Die SNB räumt zwar ein, dass sich der star­ke Fran­ken brem­send auf Schwei­zer Wa­ren­aus­fuh­ren aus­wir­ke. Doch die Ex­port­ak­ti­vi­tät wer­de durch die wach­sen­de Aus­land­nach­fra­ge ge­stützt.

Es ist zu früh, be­reits das En­de der De­fla­ti­ons­ge­fahr be­kannt­zu­ge­ben. Der wirk­li­che Grund für die kräf­ti­ge Aus­sa­ge dürf­te ein stei­gen­des Un­be­ha­gen der SNB im Zu­sam­men­hang mit dem hef­ti­gen An­stieg der Fremd­wäh­rungs­re­ser­ven sein. Seit Be­ginn der Ein­grif­fe sind die Re­ser­ven 193 Mrd. Fr. ge­stie­gen. Sie ha­ben sich so­mit ver­fünf­facht und hal­ten ei­nen An­teil von 77% an der ge­sam­ten SNB-Bi­lanz. Im Mai wa­ren na­he­zu 80 Mrd. Fr. nö­tig – rund 15% des BIP –, um den Eu­ro-Ab­wärts­trend zu brem­sen.

Die Ein­grif­fe droh­ten, ein Fass oh­ne Bo­den zu wer­den. Auch be­deu­tet der Fremd­wäh­rungs­be­stand ein be­acht­li­ches Wäh­rungs­ri­si­ko, da sich sein Wert bei ei­ner wei­te­ren Eu­ro­ab­schwä­chung min­dert. Zu­dem ver­weist die SNB auf die ho­he Schuld­ner­kon­zen­tra­ti­on, da sich die An­la­gen auf ei­ni­ge we­ni­ge gros­se Län­der kon­zen­trie­ren. Die Ri­si­ken woll­te die Na­tio­nal­bank nicht noch wei­ter er­hö­hen.

Was be­deu­tet das für die zu­künf­ti­ge Ent­wick­lung der hel­ve­ti­schen Va­lu­ta? Zum Jah­res­en­de dürf­te der Fran­ken noch et­was fes­ter ten­die­ren. Die Ein­grif­fe der SNB ha­ben im ver­gan­ge­nen Jahr für ein asym­me- tri­sches Ri­si­ko ge­sorgt. Über­lässt die No­ten­bank die Wäh­rung den frei­en Markt­kräf­ten, ist das Auf­wärts­po­ten­zi­al nicht mehr be­grenzt. Das könn­te vie­le An­le­ger ver­an­las­sen, Fremd­wäh­rungs­po­si­tio­nen in den Fran­ken zu ver­schie­ben. Auch das kon­junk­tu­rel­le Um­feld spricht für ei­nen fes­te­ren Fran­ken. Wir er­war­ten, dass der glo­ba­le Wachs­tums­schub im zwei­ten Halb­jahr 2010 aus­läuft. In die­sem Um­feld bleibt die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta als si­che­rer Ha­fen ge­fragt.

Neu­er Ein­griff auf 1.25 Fr./€?

Wird der Fran­ken nun un­ge­bremst in die Hö­he schies­sen? Der Fran­ken-Eu­ro-Wech­sel­kurs wird nicht ins Bo­den­lo­se fal­len. Dank um­fas­sen­dem Ret­tungs­schirm der Eu­ro­päi­schen Uni­on und dem In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds hat sich die aku­te Pa­nik vor ei­nem Aus­ein­an­der­bre­chen der Eu­ro­zo­ne ge­legt, die Ge­mein­schafts­wäh­rung hat sich zum Dol­lar sta­bi­li­siert. Mit stei­gen­dem Ver­trau­en in die Ge­mein­schafts­wäh­rung wird auch der Fran­ken­auf­wer­tungs­druck nach­las­sen.

Zu­dem hält sich die SNB für den Ernst­fall nach wie vor ei­ne Hin­ter­tü­re zu wei­te­ren De­vi­sen­markt­in­ter­ven­tio­nen of­fen. Droht die Fran­ken­stär­ke das wirt­schaft­li­che Wachs­tum der Schweiz ab­zu­wür­gen, wird sie nicht zö­gern, er­neut in die Ge­scheh­nis­se am De­vi­sen­markt ein­zu­grei­fen. Auf­grund des ho­hen Fremd­wäh­rungs­be­stan­des und der ent­spre­chen­den Bi­lanz­ri­si­ken er­war­ten wir je­doch, dass die SNB erst wie­der auf ei­nem Fran­ken-Eu­ro­Kurs von 1.25 Fr./€ im Markt ak­tiv wür­de.

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