Ver­trau­ens­ver­lust be­las­tet

US-Kon­su­men­ten­ver­trau­en fällt un­er­war­tet stark – Ent­täu­schen­de Zah­len von Bar­nes & No­ble

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - FRANK HEI­NI­GER

Auch in Wal­ls­treet sind die glo­ba­len Kon­junk­tur­sor­gen deut­lich spür­bar: In ei­nem von Ner­vo­si­tät ge­präg­ten Han­del gab am Di­ens­tag der S&P-500-In­dex zu Be­ginn über 2,5% nach. Be­las­tend wirk­ten Nach­rich­ten aus Asi­en: Ja­pan gab be­kannt, die Ex­por­te und die Haus­halts­ein­kom­men sei­en ge­fal­len und die Ar­beits­lo­sen­ra­te un­er­war­tet ge­stie­gen. Zu­dem wur­de der vom Con­fe­rence Bo­ard er­ho­be­ne Früh­in­di­ka­tor für Chi­na von ei­nem Plus von 1,7 auf 0,3% re­vi­diert. We­nig trug auch der Eu­ro­raum zur Ent­span­nung bei. Be­reits am Don­ners­tag müs­sen die eu­ro­päi­schen Gross­ban­ken die Ka­pi­tal­hil­fen von 442 Mrd.€ zu­rück­zah­len, die sie vor ei­nem Jahr von der Zen­tral­bank EZB er­hal­ten ha­ben.

Doch die USA müs­sen zu­erst vor der ei­ge­nen Tür keh­ren – wie ak­tu­el­le Zah­len zum Ver­brau­cher­ver­trau­en un­ter­strei­chen. So ist im Ju­ni das vom New Yor­ker Con­fe­rence Bo­ard er­ho­be­ne US-Kon­su­men­ten­ver­trau­en deut­lich von 62,7 auf 52,9 ge­fal­len. Ana­lys­ten hat­ten im Schnitt le­dig­lich ei­nen Rück­gang auf 62,5 er­war­tet. «Erst wenn sich das Job­wachs­tum be­schleu­nigt, dürf­te auch das Ver­tau­en wie­der zu­le­gen», kom­men­tier­te die Stu­di­en­lei­te­rin Lynn Fran­co die Er­geb­nis­se.

Gu­te Zah­len ent­fal­te­ten an­ge­sichts der ge­ball­ten Ne­ga­tiv­mel­dun­gen kei­ne Wir­kung: Ge­mäss Han­dels­mi­nis­te­ri­um hat die US-Be­völ­ke­rung ih­re Kon­sum­aus­ga­ben im Mai ge­gen­über dem Vor­mo­nat um 0,2% er­höht. Ana­lys­ten hat­ten im Schnitt ei­ne Stei­ge­rung von 0,1% er­war­tet. Auch die Haus­prei­se nah­men im April erst­mals nach sie­ben Mo­na­ten zu: Der am Di­ens­tag pu­bli­zier­te S&P-Ca­se-Shil­lerIn­dex stieg um 0,8%. An­ge­sichts des En­de April aus­ge­lau­fe­nen Un­ter­stüt­zungs­pro­gramms ist die­ser Wert mit gros­ser Vor­sicht zu ge­nies­sen. Ak­tu­el­le­re In­di­ka­to­ren für den Mai – et­wa der Ver­kauf neu­er Ei­gen­hei­me – wa­ren ein­ge­bro­chen.

Hay­ward bleibt am Ru­der

Ei­nen Er­folg ver­buch­ten zu Wo­chen­be­ginn die Ta­bak­kon­zer­ne Al­tria (20.34 $, +3,7%), Reynolds Ame­ri­can (53.45 $, +3,2%) und Lo­ril­lard (73.54 $, +0,9%). Der obers­te Ge­richts­hof der USA mach­te pu­blik, den Ap­pell des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums zu­rück­ge­wie­sen zu ha­ben. Da­mit bleibt ein Ent­scheid aus dem Jahr 2005 be­ste­hen, der es den staat­li­chen Be­hör­den ver­un­mög­licht, auf die his­to­ri­schen Ge­win­ne der Ta­bak­in­dus­trie zu­rück­zu­grei­fen. Die Ak­ti­en der Un­ter­neh­men leg­ten zwi­schen 2,5 und 4% zu (vgl. «Spot­light» rechts).

Die kost­spie­li­ge For­cie­rung elek­tro­ni­scher Le­se­me­di­en hat die Ge­schäfts­zah­len von Bar­nes & No­ble (16.41 $, +2,9%) be­las­tet. Im ab­ge­lau­fe­nen Quar­tal er­litt die US-Buch­han­dels­ket­te ei­nen un­er­war­tet deut­li­chen Ver­lust von 32 Mio. $ re­spek­ti­ve 0.58 $ pro Ak­tie. Un­ter Aus­schluss

In­di­zes New York von Son­der­ef­fek­ten be­trägt der Fehl­be­trag gar 0.89 $ per Va­lor. Die Bör­se quit­tier­te die Re­sul­ta­te mit Kurs­ab­schlä­gen von 10%.

Der bri­ti­sche Ener­gi­e­mul­ti BP er­klär­te zu Wo­chen­be­ginn, die Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko ha­be bis­lang Kos­ten von rund 2,7 Mrd.$ ver­ur­sacht. Gleich­zei­tig de­men­tier­te er Ge­rüch­te, der viel ge­schol­te­ne CEO To­ny Hay­ward tre­te von sei­nem Pos­ten zu­rück.

Die auf Tief­see­boh­run­gen spe­zia­li­sier­te No­ble Corp (30$, +5,4%) über­nimmt für rund 2,2 Mrd.$ den pri­vat ge­hal­te­nen Kon­kur­ren­ten Fron­tier Dril­ling. Der De­al soll im kom­men­den Mo­nat ab­ge­schlos­sen wer­den. Gleich­zei­tig gab No­ble be­kannt, mit Roy­al Dutch Shell ein Ab­kom­men ge­trof­fen zu ha­ben. An­ge­sichts des Tief­see­bohr­mo­ra­to­ri­ums der US-Re­gie­rung sei der Ener­gi­e­mul­ti er­mäch­tigt, die Ge­büh­ren für die von No­ble im Golf von Me­xi­ko be­trie­be­nen Platt­for­men zu sen­ken.

Trotz gu­ten Quar­tals­zah­len ver­lo­ren am Di­ens­tag die Ti­tel des Chip­kon­zerns Mi­cron Tech­no­lo­gy (10.02 $, +4,2%) 13% an Wert. Das Ma­nage­ment er­klär­te, im lau­fen­den Quar­tal nur ein mi­ni­mes Ab­satz­wachs­tum der Dram-Spei­cher­chips zu er­war­ten. Ana­lys­ten hat­ten auf Avan­cen im zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich ge­setzt.

Die Geld­ma­schi­ne App­le (268.30 $, –0,3%) läuft und läuft. Seit dem of­fi­zi­el­len Ver­kaufs­start ver­gan­ge­nen Don­ners­tag wur­den vom neu­en iPho­ne 4 rund 1,7 Mio. Stück ab­ge­setzt. Das Vor­gän­ger­mo­dell hat­te sich am ers­ten Wo­che­n­en­de nach Lan­cie­rung le­dig­lich 1 Mio. Mal ver­kauft.

Der In­dus­trie­kon­zern Emer­son Electric (44.85 $, +0,6%) hat sei­ne Über­nah­me­of­fer­te an die bri­ti­sche Chlo­ri­de Group auf 375 p pro Ak­tie er­höht und da­mit das Kon­kur­renz­an­ge­bot von ABB (325 p) über­trumpft (vgl. Sei­te 11). Chlo­ri­de ist auf Sys­te­me zur un­ter­bre­chungs­frei­en Strom­ver­sor­gung (USV) spe­zia­li­siert.

Von ei­nem Ur­teil des obers­ten Ge­richts­hofs pro­fi­tie­ren die Waf­fen­her­stel­ler Sturm Ru­ger (15.39 $, +4%) und Smith & Wes­son (4.33 $, +6,1%). Das Ge­richt hat ent­schie­den, das in der Ver­fas­sung fi­xier­te Recht auf den Be­sitz und das Tra­gen von Waf­fen gel­te auf na­tio­na­ler Ebe­ne. Lo­ka­le oder bun­des­staat­li­che Waf­fen­ver­bo­te sind künf­tig nicht mehr mög­lich.

Ers­ter Han­dels­tag von Tes­la

Am Di­ens­tag hat der Elek­tro­au­to­bau­er Tes­la Mo­tors den Bör­sen­gang voll­zo­gen. Dank re­ger Nach­fra­ge konn­ten die Ka­li­for­ni­er den Aus­ga­be­preis kurz­fris­tig von 14 bis 16 auf 17$ an­he­ben. Da­mit steigt das Emis­si­ons­vo­lu­men auf 226 Mio. $.

Ein er­folg­rei­ches IPO hat auch Fa­b­ri­net (10.76 $, +7,6%) hin­ge­legt: Die Va­lo­ren des Auf­trags­fer­ti­gers für op­ti­sche Prä­zi­si­ons­kom­po­nen­ten schlos­sen am ers­ten Han­dels­tag deut­lich im Plus. Al­ler­dings wur­de der Emis­si­ons­preis vor dem Bör­sen­gang um ein Drit­tel nach un­ten kor­ri­giert.

Air Chi­na hat beim US-Flug­zeug­bau­er Bo­eing (67.30 $, –0,2%) ei­nen Gross­auf­trag pla­ziert: Die chi­ne­si­sche Air­line or­dert zwan­zig Gross­raum­flug­zeu­ge des Typs 777 im Wert von 1,4 Mrd.$. Gleich­zei­tig wur­den Ge­rüch­te laut, die staat­li­che Du­bai Ae­ro­s­pace En­ter­pri­se wol­le die Be­stel­lung von 220 Flug­zeu­gen von Bo­eing und Ri­va­le Air­bus neu aus­han­deln.

Im Be­richts­zeit­raum von Don­ners­tag bis Mon­tag ver­lor der Dow Jo­nes In­dus­tri­al 0,1% auf 10138,52. Der tech­no­lo­gie­las­ti­ge Nas­daq-Com­po­si­te-In­dex avan­cier­te 0,1% auf 2220,65. Am Ob­li­ga­tio­nen­markt sank die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Tre­a­su­ry No­tes um 9 Ba­sis­punk­te auf 3,03%.

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