Hey Char­lie!

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - FH

Schö­ne neue Mar­ken­welt. Ob Je­ans, Schu­he oder Shirts: Prangt auf Klei­dungs­stü­cken ein tren­di­ges Si­g­net, grei­fen Kon­su­men­ten ger­ne auch mal tie­fer in den Geld­beu­tel. Dass vie­le der kost­spie­li­gen Pro­duk­te häu­fig aus den glei­chen Qu­el­len wie die bil­li­gen No-Na­mes stam­men, wird ge­flis­sent­lich igno­riert.

Ganz auf die Nut­zung von Mar­ken­rech­ten hat sich Ico­nix Brand Group (Nas­daq Icon, 15.09 $ am Mon­tag, 1,1 Mrd.$ Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung) spe­zia­li­siert. Das Ge­schäfts­mo­dell des in New York do­mi­zi­lier­ten Kon­zerns ist sim­pel: Erst wer­den die Rech­te be­kann­ter Mar­ken er­wor­ben, dann an De­tail­händ­ler wie Wal-Mart Sto­res oder Tar­get wei­ter­li­zen­ziert. Das Ri­si­ko der Pro­duk­ti­on, La­ger­hal­tung und Dis­tri­bu­ti­on wird auf die­se Wei­se voll­stän­dig auf die Ver­trags­part­ner ab­ge­wälzt.

Neil Co­le, noch im­mer am­tie­ren­der CEO, grün­de­te das Un­ter­neh­men 1992. Kurz dar­auf wur­de die Klei­der­mar­ke Can­die’s über­nom­men, die der Ge­sell­schaft fort­an den Na­men gab. Über die kom­men­den Jah­re ka­men kon­ti­nu­ier­lich wei­te­re Brands da­zu. Gleich­zei­tig ver­schob sich der Fo­kus im­mer stär­ker auf die rei­ne Mar­ken­ver­wal­tung. Der Ent­wick­lung wur­de 2005 mit dem Na­mens­wech­sel in Ico­nix Brand Group Rech­nung ge­tra­gen.

Zur­zeit be­sitzt Ico­nix kom­plet­te oder par­ti­el­le Rech­te an über zwan­zig Mar­ken – et­wa an den Sport­ar­ti­keln von Star­ter oder ur­ba­nen Klei­der­li­ni­en wie Ecko Un­li­mi­ted oder Ro­ca­we­ar. Nun hat Co­le erst­mals den an­ge­stamm­ten Mo­de­be­reich ver­las­sen: Für 175 Mio.$ über­nahm Ico­nix vor kur­zem ei­ne 80%-Mehr­heits­be­tei­li­gung an den Rech­ten der er­folg­rei­chen Co­mic­se­rie Pea­nuts. Die glo­ba­len Er­trä­ge mit Fan­ar­ti­keln von Char­lie Brown und Co. sind al­les an­de­re als «Pea­nuts»: Rund 1200 Li­zenz­ver­ein­ba­run­gen ge­ne­rie­ren ei­nen Um­satz von rund 2 Mrd.$ pro Jahr – von de­nen bis zu 10% an Li­zenz­ge­büh­ren bei Ico­nix ver­blei­ben dürf­ten. Ab­ge­bro­chen wur­den hin­ge­gen die mo­na­te­lan­gen Ver­hand­lun­gen mit Play­boy En­ter­pri­ses um die Mar­ken­rech­te des be­kann­ten Her­ren­ma­ga­zins. Co­le er­klär­te den Rück­zug da­mit, ei­ni­ge Ge­schäfts­fel­der von Play­boy hät­ten nicht zum ei­ge­nen Image ge­passt: «Mei­ne Frau ist mit Sno­o­py deut­lich glück­li­cher.»

Für 2010 rech­nen die Ana­lys­ten im Schnitt mit ei­nem Ge­winn pro Ak­tie von 1.37 $. Da­mit wei­sen Ico­nix ein Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 11 auf – an­ge­sichts des Leis­tungs­aus­wei­ses des Ma­nage­ments und der (auch or­ga­ni­schen) Wachs­tums­chan­cen ei­ne at­trak­ti­ve Be­wer­tung. Ein En­ga­ge­ment birgt al­ler­dings auch Ge­fah­ren: In den nächs­ten Jah­ren lau­fen ein­träg­li­che Li­zenz­ver­ein­ba­run­gen aus, die neu aus­ge­han­delt wer­den müs­sen. Zu­dem stel­len die US-De­tail­händ­ler Wal-Mart Sto­res, Tar­get, Kohl’s und Kmart – die zur­zeit rund 50% zum Um­satz bei­steu­ern – ein Klum­pen­ri­si­ko dar.

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