Ta­bak­kon­zer­ne at­men durch

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - FH

Ein Ge­richts­ent­scheid hat zu Wo­chen­be­ginn den Ak­ti­en von Al­tria (Marl­bo­ro), Reynolds Ame­ri­can (Ca­mel) und Lo­ril­lard (Kent) Schub ver­lie­hen: Am Mon­tag gab der obers­te US-Ge­richts­hof be­kannt, den ge­gen die Ta­bak­kon­zer­ne ge­rich­te­ten Ein­spruch des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums zu­rück­zu­wei­sen. Da­mit bleibt das Ur­teil von 2005 un­an­ge­tas­tet, das es dem Staat ver­un­mög­licht, auf die his­to­ri­schen Ge­win­ne der Ta­bak­in­dus­trie zu­rück­zu­grei­fen. Erst­mals hat­te im Jahr 1999 die Cl­in­ton-Administration ei­ne Kla­ge ein­ge­reicht – mit dem Ziel, bis zu 280 Mrd.$ der seit 1953 «un­recht­mäs­sig» er­ziel­ten Un­ter­neh­mens­ge­win­ne ab­zu­schöp­fen. Im Zu­ge des ei­gent­li­chen Ver­fah­rens, das 2004 un­ter Prä­si­dent Bush be­gon­nen hat­te, wur­den die For­de­run­gen al­ler­dings auf 14 Mrd.$ für An­ti­rau­cher­kam­pa­gnen ab­ge­schwächt.

«Es ist ein über­ra­schen­des und für die Ta­bak­in­dus­trie er­freu­li­ches Ver­dikt», kom­men­tier­te Da­vid Adel­man, Ana­lyst von Mor­gan St­an­ley, den Ent­scheid. Dass die Bör­sen nicht mit dem Ur­teil ge­rech­net hat­ten, un­ter­strich die Kurs­re­ak­ti­on. Die Ak­ti­en der drei Kon­zer­ne avan­cier­ten am Mon­tag – in ei­nem sta­bi­len Ge­samt­markt – zwi­schen 2,5 und 4%. Auch die An­lei­hen­märk­te re­agier­ten po­si­tiv: Die Ab­si­che­rungs­prä­mi­en auf Bonds der Zi­ga­ret­ten­mul­tis gin­gen deut­lich zu­rück.

Gleich­zei­tig wies der obers­te Ge­richts­hof aber auch ei­nen Ap­pell der Ta­bak­in­dus­trie zu­rück. Sie hat­te die Auf­he­bung des Ur­teils ge­for­dert, wo­nach die Zi­ga­ret­ten­her­stel­ler fünf­zig Jah­re lang die Kon­su­men­ten be­wusst über die schäd­li­che Wir­kung des Rau­chens ge­täuscht hät­ten. Kla­gen blei­ben al­so wei­ter­hin mög­lich.

Trotz­dem sind aus An­le­ger­sicht die Bran­chen­ver­tre­ter dank ho­her Di­vi­den­den at­trak­tiv: Al­tria ren­tie­ren 2010 laut Schät­zun­gen 6,9%, Reynolds Ame­ri­can 6,7%. Zu­dem wer­den bei­de Kon­zer­ne mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 2010 von 11 güns­tig be­wer­tet. Noch at­trak­ti­ver er­schei­nen (trotz ei­nem KGV von 12) Phi­lip Mor­ris In­ter­na­tio­nal: Die 2008 aus Al­tria aus­ge­glie­der­te Ge­sell­schaft mit ope­ra­ti­vem Sitz in Lau­sanne dürf­te von ih­rer gu­ten Po­si­tio­nie­rung in wachs­tums­träch­ti­gen Schwel­len­märk­ten pro­fi­tie­ren.

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