Und wie­der schmerzt der Yen

TOKIO Ab­wärts mit tie­fen Vo­lu­men – Seitenblick nach Chi­na – Ar­beits­lo­sig­keit leicht ge­stie­gen

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN EUROPA/ÜBERSEE - FuW

Der Wo­chen­be­ginn ver­lief für die An­le­ger in Ja­pan ent­täu­schend. Der Nik­kei-225-In­dex gab seit Frei­tag 1,7% auf 9570.67 nach. Im spä­ten Han­del am Di­ens­tag sank der Fu­ture in Sin­ga­pur so­gar auf die 9500-Gren­ze. Die Grün­de lie­gen er­neut nicht auf der In­sel, son­dern eher bei Kon­junk­tur­mel­dun­gen aus Chi­na und aus den USA, die auf ei­ne eher schlep­pen­de Er­ho­lung der Welt­wirt­schaft hin­deu­ten.

Der In­dex der Früh­in­di­ka­to­ren in Chi­na des For­schungs­in­sti­tuts Con­fe­rence Bo­ard für April, der am 15. Ju­ni noch +1,7% no­tiert hat­te, wur­de auf +0,3% nach un­ten re­vi­diert. Das lös­te ei­ne Ab­ga­be­wel­le in Schang­hai aus, die sich auf die an­de­ren Bör­sen über­trug. Da­zu ka­men et­was tie­fer als er­war­te­te Da­ten zu den Kon­sum­aus­ga­ben in den USA und For­de­run­gen des G20-Gip­fels vom Wo­che­n­en­de nach Steu­ern auf Fi­nanz­trans­ak­tio­nen.

In Ja­pan selbst blie­ben die Ma­kro­da­ten im Rah­men der Er­war­tun­gen, wa­ren aber eben­falls we­nig be­rau­schend: Die Ar­beits­lo­sen­quo­te im Mai er­höh­te sich um 0,1 auf 5,2%. Die In­dus­trie­pro­duk­ti­on im April sank um 0,1%. Die Aus­ga­ben der Haus­hal­te im In­land san­ken um 0,7% im Ver­gleich zum Vor­jah­res­mo­nat und be­stä­ti­gen die an­hal­ten­de De­fla­ti­on im In­sel­reich. Der neu­en Re­gie­rung Kan, die sich am 11. Ju­li in den Ober­haus­wah­len dem ers­ten Wäh­ler­vo­tum stel­len muss, bläst al­so be­reits Ge­gen­wind ent­ge­gen. Letz­ten Um­fra­gen zu­fol­ge liegt die Zu­stim­mungs­ra­te für die Re­gie­rung Kan bei 48% oder 2% un­ter dem Vor­wo­chen­wert.

Die an­ge­kün­dig­ten Spar­mass­nah­men wer­den von Wirt­schafts­ex­per­ten in der mo­men­ta­nen Pha­se scharf kri­ti­siert, da sie die zar­te Wirt­schafts­er­ho­lung im Keim er­sti­cken könn­ten. Die vier­tel­jähr­li­che Tank­an-Um­fra­ge un­ter den Un­ter­neh­men wird am 1. Ju­li laut Pro­gno­sen zum ers­ten Mal seit drei Jah­ren wie­der ei­ne Er­hö­hung der In­ves­ti­ti­ons­aus­ga­ben zei­gen.

Be­las­tet wur­de der Ak­ti­en­markt be­son­ders durch ei­nen schar­fen An­stieg des Yens, der ei­ne Flucht aus kon­junk­tur­sen­si­ti­ven Wäh­run­gen wie aus­tra­li­scher Dol­lar und Eu­ro spie­gelt. Zum Eu­ro stieg er auf ein Acht­jah­res­hoch von 108.50 Yen/€. Zum Dol­lar leg­te er et­wa 2% auf 88.5 Yen zu.

We­nig über­ra­schend wa­ren die Ex­port­wer­te die gröss­ten Ver­lie­rer. Tele­com­ak­ti­en schwam­men ge­gen den Trend und pro­fi­tier­ten von der er­war­te­ten sta­bi­len Markt­la­ge im In­land. Be­son­ders Soft­bank er­freut sich star­ker Nach­fra­ge für das neue App­le-iPho­ne-4 und den i-Pad. Vom i-Pho­ne 3G wur­den be­reits über zwei Mil­lio­nen Stück in Ja­pan ab­ge­setzt, trotz oft kri­ti­sier­ter Netz­wer­k­qua­li­tät ge­gen­über Markt­lea­der NTT Do­Co­Mo. Der Ab­satz steigt auf­grund be­lieb­ter Ap­pli­ka­tio­nen.

Die Ren­di­te der zehn­jäh­ri­gen Staats­an­lei­hen fiel mit 1,11% auf ein Sie­ben­jah­res­tief. An­le­ger su­chen qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Pa­pie­re und schre­cken auf­grund der neu­es­ten Kon­junk­tur­da­ten vor ri­si­ko­be­haf­te­ten In­ves­ti­tio­nen zu­rück. Der star­ke Yen lockt aus­ser­dem wei­ter­hin Aus­län­der in ja­pa­ni­sche Re­gie­rungs­pa­pie­re.

Der Han­dels­kon­zern Mitsui Bus­san wur­de als ei­nes von 87 an­ge­klag­ten Un­ter­neh­men in Ge­richts­pro­zes­sen zur Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko ge­nannt. Mitsui hält et­wa 8% an der Öl­platt­form.

Tei­jin hat ei­nen lang­fris­ti­gen Ver­trag von fünf­zehn Jah­ren mit dem Air­bus­her­stel­ler Eads über die Lie­fe­rung von syn­the­ti­schem Fi­ber für den Flug­zeug­bau ab­ge­schlos­sen.

Ma­schi­nen­bau­er Ko­matsu plant in sämt­li­chen sech­zehn chi­ne­si­schen Toch­ter­un­ter­neh­men lo­ka­le Mit­ar­bei­ter als Ma­na­ger ein­zu­set­zen und ver­sucht da­mit, Streiks zu ver­mei­den. Hon­da und To­yo­ta wa­ren in den letz­ten Wo­chen von Streiks ih­rer Zu­lie­fer­un­ter­neh­men in Chi­na be­trof­fen. Die Streiks wa­ren auch auf man­geln­des Ver­ständ­nis der ja­pa­ni­schen Ma­na­ger für die lo­ka­len Mit­ar­bei­ter zu­rück­zu­füh­ren.

Das küh­le Wet­ter im Früh­ling hat den Ge­trän­ke­pro­du­zen­ten Asahi Bre­we­ries be­las­tet. «Nik­kei News» er­war­tet im ers­ten Ge­schäfts­halb­jahr ei­nen Um­satz von 670 Mrd. Yen – d. h. et­wa in Hö­he des Vor­jah­res, aber 20 Mrd. Yen we­ni­ger als vom Un­ter­neh­men pro­gnos­ti­ziert. Der ope­ra­ti­ve Ge­winn soll 22,5 Mrd. Yen oder rund 5% über Vor­jahr be­tra­gen, al­ler­dings schätz­ten Ana­lys­ten 24 Mrd. Yen.

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