Ski­fa­bri­kant in Som­mer­lau­ne

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - CG

Wer mit Skis von Stöck­li den Berg hin­un­ter­kurvt, ist bes­tens aus­ge­rüs­tet. Das be­le­gen al­lein schon die fünf Me­dail­len, die mit den Hig­htech-Lat­ten an den Olym­pi­schen Win­ter­spie­len in Van­cou­ver ein­ge­fah­ren wur­den. Be­son­ders der obers­te Po­dest­platz von Ski­cros­sCham­pi­on Mi­ke Mül­ler ist bes­te Wer­bung für den klei­nen Fa­mi­li­en­be­trieb aus der Zen­tral­schweiz. An­ge­fan­gen hat­te al­les vor 75 Jah­ren, als Grün­der Jo­sef Stöck­li in der el­ter­li­chen Zim­me­rei im lu­zer­ni­schen Wol­hu­sen als Ne­ben­ver­dienst da­mit be­gann, Skis aus mas­si­vem Eschen­holz zu fer­ti­gen.

Noch heu­te wer­den die Qua­li­täts­bret­ter von Hand her­ge­stellt. Dass sie mitt­ler­wei­le welt­weit zu den Top­mar­ken zäh­len, ist vor al­lem das Ver­dienst von Be­ni Stöck­li se­ni­or. Er hat das Ge­schäft sei­nes Va­ters zu ei­ner klei­nen, aber fei­nen Sport­han­dels­ket­te mit über 55 Mio. Fr. Jah­res­um­satz aus­ge­baut. In mehr als dreis­sig Län­der wird ex­por­tiert, wo­bei nicht we­nig Wa­re über den gros­sen Teich in die USA geht. Ein wich­ti­ger Schritt war der Bei­tritt in den Swiss Ski Pool 1996. Als of­fi­zi­el­ler Aus­rüs­ter des Schwei­zer Ka­ders trat Stöck­li von da an in der ers­ten Li­ga des Renn­sports auf und er­lang­te dank Fah­rern wie Urs Kä­lin schnell in­ter­na­tio­na­les Re­nom­mee. Heu­te wird der letz­te ver­blie­be­ne Schwei­zer Ski­her­stel­ler in drit­ter Ge­ne­ra­ti­on ge­führt. Vor gut zwei Jah­ren hat Be­ni Stöck­li ju­ni­or die ope­ra­ti­ve Lei­tung des Un­ter­neh­mens mit mehr als 220 Be­schäf­tig­ten über­nom­men. Im Ge­gen­satz zu sei­nem Va­ter, der wei­ter­hin als VR-Prä­si­dent am­tet und sich um den Renn­sport küm­mert, war für ihn schon früh klar, dass er ein­mal ins Fa­mi­li­en­ge­schäft ein­tre­ten wür­de. Be­reits als Kind war er in der Frei­zeit ent­we­der auf dem Fuss­ball­platz oder im el­ter­li­chen Ge­schäft an­zu­tref­fen, wo er auch wäh­rend der Fe­ri­en mit an­pack­te.

Um sich für sei­ne Zu­kunft op­ti­mal zu rüs­ten, stu­dier­te der un­kom­pli­zier­te Lu­zer­ner Be­triebs­wirt­schaft und sam­mel­te prak­ti­sche Er­fah­rung in ver­schie­de­nen mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men. Weil er sich aber den­noch nicht ganz si­cher war, ob die Zu­sam­men­ar­beit mit dem Va­ter auch wirk­lich funk­tio­nie­ren wür­de, hielt er sich ei­ne Op­ti­on of­fen und ab­sol­vier­te ein Zu­satz­stu­di­um in Wirt­schafts­in­for­ma­tik. Der neue Chef ver­folgt mit Stöck­li ei­nen ehr­gei­zi­gen Ex­pan­si­ons­kurs. Zwar sol­len mit ei­ner Jah­res­pro­duk­ti­on von ge­ra­de ein­mal 50000 Skis wei­ter­hin Über­ka­pa­zi­tä­ten ver­mie­den und ei­ne lu­kra­ti­ve Markt­ni­sche zwi­schen Bran­chen­rie­sen wie Ros­si­gnol oder Ato­mic be­setzt wer­den. Um das Ta­ges­ge­schäft aber we­ni­ger ab­hän­gig von den Lau­nen des Wet­ters zu ma­chen, will der 41-jäh­ri­ge Fa­mi­li­en­va­ter die Mar­ke Stöck­li ge­ne­rell im Be­reich Out­door­sport eta­blie­ren. Ziel ist es da­bei, noch stär­ker ins Som­mer­ge­schäft vor­zu­drin­gen, da­mit sich die Ein­nah­men gleich­mäs­si­ger über das Jahr ver­tei­len. Neu er­fin­den muss sich Stöck­li da­zu nicht, stellt das Un­ter­neh­men doch be­reits heu­te ei­ge­ne Fahr­rä­der her und ver­treibt ein brei­tes Sor­ti­ment an Som­mer­sport­ar­ti­keln. Es braucht je­doch mehr Nä­he zu den Kun­den, um wei­ter­hin mit erst­klas­si­gem Ser­vice zu punk­ten. Das Netz an ei­ge­nen Fi­lia­len wird in den kom­men­den Jah­ren des­halb Schritt für Schritt über die gan­ze Schweiz aus­ge­wei­tet, denn schliess­lich hat Topqua­li­tät wei­ter­hin ers­te Prio­ri­tät.

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