Der Um­bruch kann auch ei­ne Chan­ce sein

Kon­so­li­die­rung un­ter Ver­mö­gens­ver­wal­tern nicht ab­ge­schlos­sen – Spe­ku­la­tio­nen um Sa­ra­sin – Eu­ro(pa)-Schwä­che gibt Im­pul­se – Jetzt auf Ver­mö­gens­ver­wal­ter set­zen

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - THO­MAS WYSS

Die bes­ten Kauf­ge­le­gen­hei­ten bie­ten sich dem An­le­ger, wenn die Per­spek­ti­ven für ei­ne Bran­che oder für ein Un­ter­neh­men als düs­ter er­ach­tet wer­den. Das war schon im­mer so. So ge­se­hen kann es sich loh­nen, jetzt die Ak­ti­en von Schwei­zer Ver­mö­gens­ver­wal­tern zu kau­fen. Das Bank­kun­den­ge­heim­nis wur­de zwar für tot er­klärt, doch Tot­ge­sag­te le­ben be­kannt­lich län­ger. Die jüngs­ten Zuflüs­se aus der Eu­ro­zo­ne zei­gen, dass die Schweiz ge­ra­de in schwie­ri­gen Zei­ten nichts von ih­rer At­trak­ti­vi­tät ein­ge­büsst hat. Das wird ver­hin­dern, dass es zum Exo­dus von Aus­land­ban­ken kommt. Das ei­ne oder an­de­re In­sti­tut wird sich gleich­wohl aus der Schweiz zu­rück­zie­hen – was hie­si­gen In­sti­tu­ten er­laubt, güns­tig ein­zu­kau­fen.

En­de letz­ter Wo­che mach­ten Ge­rüch­te die Run­de, die nie­der­län­di­sche Ra­bo­b­ank wol­le ih­re Mehr­heits­be­tei­li­gung am Schwei­zer Ver­mö­gens­ver­wal­ter Sa­ra­sin ver­kau­fen – ver­han­delt wer­de mit Ju­li­us Bär. Die Spe­ku­la­tio­nen ha­ben sich bis­lang zwar nicht kon­kre­ti­siert, was die The­se stützt, dass der De­al in ei­nem ers­ten An­lauf ge­schei­tert ist. Dass sich Ra­bo­b­ank eher frü­her als spä­ter von Sa­ra­sin tren­nen will, ist je­doch ein of­fe­nes Ge­heim­nis. Und dass Ju­li­us Bär zu­kau­fen will und auf­grund der ei­ge­nen fi­nan­zi­el­len Si­tua­ti­on es auch kann, ist eben­falls klar.

Mehr oder we­ni­ger Chuz­pe

Am Fall Ra­bo­b­ank/Sa­ra­sin/Ju­li­us Bär las­sen sich wich­ti­ge Trends in der Bran­che bes­tens il­lus­trie­ren. Zu­erst ein­mal ist of­fen­sicht­lich, dass das in­ter­na­tio­na­le Sä­bel­ras­seln ge­gen die Schweiz und das Schwei­zer Bank­kun­den­ge­heim­nis Fol­gen zei­tigt, wie der Fi­nanz­platz Schweiz im Aus­land wahr­ge­nom­men wird.

Bis­he­ri­ge und neue Kun­den (sie­he Zuf­luss von Gel­dern aus der Eu­ro­zo­ne) las­sen sich zwar nicht so schnell aus der Ru­he brin­gen. Wer in sei­nem Le­ben ein Ver­mö­gen an­ge­häuft hat, ver­fügt über zu viel Chuz­pe, als dass er sich leicht ver­ängs­ti­gen lässt. Sei­ner Bank und sei­nem Be­ra­ter kön­nen sol­che Ve­rän­de­run­gen je­doch mehr Ein­druck ma­chen.

Die Ra­bo­b­ank ge­hört ganz of­fen­sicht­lich in die­se Ka­te­go­rie. Die nie­der­län­di­sche Land­wirt­schafts­bank ach­tet sehr ge­nau auf die ei­ge­ne Re­pu­ta­ti­on und un­ter­nimmt al­les, um das kost­ba­re Triple-A-Ra­ting zu er­hal­ten. Das Sa­ra­sin-Pa­ket, in den gol­de­nen Jah­ren des Pri­va­te Ban­king ge­kauft, passt nicht mehr recht ins Porte­feuille – ob­wohl die Sa­ra­sin-Ver­ant­wort­li-

Schweiz bleibt be­lieb­te Steu­er­oa­se chen im­mer wie­der be­to­nen, wie nach­hal­tig das Ge­schäfts­mo­dell und wie ge­ring der An­teil un­ver­steu­er­ter Kun­den­ver­mö­gen sei. We­nig ist Ra­bo­b­ank nicht we­nig ge­nug. Das Fass zum Über­lau­fen brach­te im Früh­ling wohl die Af­fä­re um die Neue Zürcher Bank (NZB). Zu­erst nö­tig­te Ra­bo­b­ank die Bas­ler, auf die ge­plan­te Über­nah­me der NZB zu ver­zich­ten. Nun er­ach­ten sie es wohl als ge­schick­ter, Sa­ra­sin ganz ab­zu­stos­sen.

(Zu) tie­fe Prei­se

Al­lein ste­hen die Nie­der­län­der da­mit nicht. Auch an­de­re gros­se In­sti­tu­te, die sich teil­wei­se in Staats­be­sitz be­fin­den, he­gen oder bes­ser heg­ten auf dem Hö­he­punkt der Kri­se Rück­zugs­plä­ne. Zum gros­sen Exo­dus ist es bis­lang je­doch noch nicht ge­kom­men.

Das stellt für Al­f­re­do Gy­si, Prä­si­dent des Ver­bands der Aus­lands­ban­ken in der Schweiz, kei­ne Über­ra­schung dar. «Wir be­zwei­feln, dass wir im wei­te­ren Ver­lauf des Jah­res vie­le Markt­aus­trit­te er­le­ben wer­den», sag­te er an der Prä­sen­ta­ti­on des Jah­res­be­richts. Kurz­fris­tig wür­den nur die­je­ni­gen Haupt­ak­tio­nä­re ih­re Bank ver­kau­fen, die aus fi­nan­zi­el­len Grün­den da­zu ge­zwun­gen sei­en. «Be­vor sich die neu­en Rah­men­be­din­gun­gen ab­zeich­nen, ist der Ver­kauf ei­ner Bank wirt­schaft­lich nicht ge­recht­fer­tigt.» Mit an­de­ren Wor­ten: Der­zeit sind die Prei­se zu nied­rig.

In die­sem Kon­text ist auch zu se­hen, dass Mit­spie­ler wie Ju­li­us Bär und Von­to­bel nach Ak­qui­si­ti­ons­mög­lich­kei­ten Aus­schau hal­ten – und in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten auch fün­dig wur­den. Von­to­bel über­nahm die Com­merz­bank (Schweiz) und stei­ger­te die Kun­den­ver­mö­gen mit ei­nem Schlag 20%.

Ju­li­us Bär si­cher­te sich ING (Schweiz), und für CEO Bo­ris Col­lar­di sind wei­te­re Ak­qui­si­tio­nen ein The­ma. Dass der jun­ge CEO von Ju­li­us Bär Sa­ra­sin ge­nau un­ter die Lu­pe nahm, liegt auf der Hand. Sei­ne An­sprü­che sind je­doch hoch, und ge­gen­über die­ser Zei­tung um­schrieb er un­längst sei­nen Traum­de­al: «Su­per­bank, gros­ses Sy­ner­gie­po­ten­zi­al und Kauf­preis un­ter 2% der ver­wal­te­ten Ver­mö­gen.»

Für den An­le­ger ist ent­schei­dend, dass Ju­li­us Bär Käu­fe von Schwei­zer Ver­mö­gens­ver­wal­tern über­haupt in Be­tracht zieht. Wenn Leu­te mit gros­ser Nä­he zum Schwei­zer Markt (wie Ju­li­us Bär) von Leu­ten mit et­was mehr Dis­tanz (ING, Ra­bo­b­ank) Ban­ken kau­fen (wol­len), ist das ein deut­li­ches Zei­chen. Denn trotz des weit ver­brei­te­ten Weh­kla­gens über den Fi­nanz­platz Schweiz soll­te nicht ver­ges­sen wer­den, dass die­ser

Sa­ra­sin ers­tens nach wie vor über ei­ne star­ke Po­si­ti­on und zwei­tens ge­ra­de in Asi­en und Latein­ame­ri­ka über viel Po­ten­zi­al ver­fügt (vgl. Ta­bel­le). Do­mi­nant ist das Eu­ro­pa­ge­schäft, und auf den ers­ten Blick kön­nen die­se Gel­der nur schrump­fen.

Feu­er­pau­se

Die ver­gan­ge­nen Wo­chen ha­ben al­ler­dings ge­zeigt, dass die Eu­ro(pa)-Kri­se für Schwei­zer Ver­mö­gens­ver­wal­ter ein Se­gen ist. Ver­un­si­cher­te Eu­ro­pä­er zie­hen es vor, ih­re (ver­steu­er­ten und de­kla­rier­ten) Gel­der in der Schweiz und vor al­lem im stär­ke­ren Schwei­zer Fran­ken in Si­cher­heit zu brin­gen – oh­ne dass die Heim­län­der da­ge­gen op­po­nier­ten. Mit gu­tem Grund: Sie ha­ben jetzt an­de­re und grös­se­re Pro­ble­me. Über­haupt, das mach­te der G-20Gip­fel in Ka­na­da deut­lich, ist das The­ma «Be­kämp­fung der Steu­er­flucht» in­ter­na­tio­nal der­zeit nicht mehr do­mi­nant.

Trotz die­ser of­fen­sicht­li­chen oder min­des­tens zwi­schen­zeit­li­chen Ent­span­nung scheint in den Bör­sen­kur­sen der Schwei­zer Ver­mö­gens­ver­wal­ter noch im­mer ein düs­te­res Sze­na­rio (mit ei­nem schrump­fen­den und in­ter­na­tio­nal mit Pro­ble­men kämp­fen­den Fi­nanz­platz) ent­hal­ten zu sein. Kommt es we­ni­ger schlimm als be­fürch­tet oder bes­ser als er­hofft, sind Kurs­ge­win­ne die lo­gi­sche Kon­se­quenz.

Über­be­wer­tet sind die Ti­tel kei­nes­falls. Am teu­ers­ten sind Sa­ra­sin, zwei­fel­los Fol­ge der Über­nah­me­fan­ta­sie. Ju­li­us Bär und Von­to­bel soll­ten in ei­nem et­was bes­se­ren Um­feld pro­fi­tie­ren. Dass sie sich nach Ak­qui­si­tio­nen um­se­hen, drückt al­ler­dings auf die Kur­se. Am meis­ten Auf­wärts­po­ten­zi­al ha­ben wohl EFG In­ter­na­tio­nal. Die Grie­chen­lan­dk­ri­se las­tet, nach An­sicht des Un­ter­neh­mens völ­lig zu Un­recht, auf dem Ak­ti­en­kurs. Ei­ne Wen­de zum Bes­se­ren könn­te des­halb nicht oh­ne Fol­gen blei­ben.

soll zum Ver­kauf ste­hen. Mehr­heits­ak­tio­när Ra­bo­b­ank mag wohl nicht mehr.

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