Macht­po­ker um Ge­no­lier

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - EB IN­TER­VIEW: FRAN­ZIS­KA PFIS­TER

Die Macht­ver­hält­nis­se un­ter den Ak­tio­nä­ren der Spi­tal­grup­pe Ge­no­lier ha­ben sich ver­scho­ben. Der an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung vom 9. Ju­ni ab­ge­setz­te ehe­ma­li­ge Ver­wal­tungs­rat und CEO An­toi­ne Hu­bert hat nach ei­ge­nen An­ga­ben sei­ne Be­tei­li­gung an der Ge­sell­schaft, wie zu­vor an­ge­kün­digt, von 15 auf über 25% er­höht; 22,57% sind stimm­be­rech­tigt. Hu­bert wehrt sich ge­gen sei­nen Raus­wurf und for­dert die mög­lichst ra­sche Ein­be­ru­fung ei­ner aus­ser­or­dent­li­chen Ge­ne­ral­ver­samm­lung. Die neue Ge­no­lier-Spit­ze will aber erst die Er­geb­nis­se ei­ner Un­ter­su­chung ab­war­ten, die die Ge­schäfts­füh­rung von Hu­bert be­leuch­ten soll.

Mit den zu­sätz­li­chen Stim­men stei­gen Hu­berts Chan­cen, den Ver­wal­tungs­rat wie­der­um neu zu be­set­zen. Ihm ste­hen je­doch ver­schie­de­ne Gross­ak­tio­nä­re ge­gen­über, die zu­letzt Be­tei­li­gun­gen von ins­ge­samt rund 28% ge­mel­det hat­ten. Ge­gen sie hat die Über­nah­me­kom­mis­si­on ein Ver­wal­tungs­ver­fah­ren er­öff­net. Es soll klä­ren, ob die Ak­tio­nä­re Lin­coln Va­le, Michael Schro­eder, Alain Fa­ba­rez und Jai­me Ro­sell den üb­ri­gen Teil­ha­bern ein Kauf­an­ge­bot un­ter­brei­ten müs­sen. Ge­no­lier sieht kei­ne An­halts­punk­te für ei­ne An­ge­bots­pflicht.

Die der­zei­ti­ge Si­tua­ti­on ist für al­le Be­tei­lig­ten un­be­frie­di­gend. Zu hof­fen bleibt, dass die Un­ter­su­chung bald ab­ge­schlos­sen sein wird und kla­re Ver­hält­nis­se ge­schaf­fen wer­den. Ein Kauf der Ge­no­lier-Ak­ti­en scheint uns mit Blick auf das Ge­zer­re um die Macht im Un­ter­neh­men un­at­trak­tiv. Steht ein Da­tum für die Ge­ne­ral­ver­samm­lung fest, dürf­ten wohl bald bei­de Sei­ten Vor­schlä­ge zur Neu­be­set­zung des Gre­mi­ums un­ter­brei­ten. Wir ra­ten, das Ge­sche­hen vo­r­erst von der Sei­ten­li­nie zu be­ob­ach­ten.

Wie rasch Ge­winn­span­nen von mehr als 30% ero­die­ren, er­le­ben ge­ra­de die Den­talim­plan­tat­her­stel­ler. Bin­nen fünf Jah­ren hat sich die Ebit-Mar­ge der Schwei­zer An­bie­ter um rund 10 Pro­zent­punk­te ver­engt. Wie kann Ba­chem dem ent­ge­hen? Wir wer­den im­mer ge­wis­se Mar­gen­schwan­kun­gen ha­ben. Das Pro­jekt­ge­schäft birgt Un­si­cher­hei­ten, ge­ra­de was Markt­zu­las­sun­gen an­geht. Aber bis­lang wäh­len wir Auf­trä­ge nicht nach dem Mar­gen­bei­trag aus. Statt­des­sen ver­su­chen wir, ver­nünf­ti­ge Prei­se aus­zu­han­deln.

Mit Lon­za er­starkt ein Wett­be­wer­ber, der Ih­nen durch­aus ge­fähr­lich wer­den könn­te. Lon­z­as Pep­tid­ge­schäft hat 2009 erst­mals schwar­ze Zah­len ge­schrie­ben. Ja, das ist ein star­ker Kon­kur­rent. Lon­za rückt al­ler­dings nur spär­li­che In­for­ma­tio­nen zum Pep­tid­ge­schäft her­aus, ex­ak­te Zah­len ken­nen wir nicht. Ihr Fo­kus liegt auf grös­se­ren Ent­wick­lungs­pro­jek­ten – mit ent­spre­chend hö­he­rem Aus­fall­ri­si­ko. 60% un­se­res Um­sat­zes stam­men da­ge­gen von ge­ne­ri­schen Wirk­stof­fen. Den­noch ha­ben wir bei­de ge­wis­se Auf­trä­ge, wel­che die Kun­den aus­ge­setzt ha­ben.

Phar­main­dus­trie und Auf­trags­her­stel­ler kau­fen ei­nen im­mer grös­se­ren Teil der Wirk­stof­fe güns­tig in Asi­en ein. Ein Trend auch für die Pep­ti­de? Noch nicht so stark, nein. Wir ex­por­tie­ren un­se­re Pro­duk­te gut nach In­di­en. Swiss- Ma­de-Ge­ne­ri­ka kom­men an. Uns in­ter­es­siert Asi­en vor al­lem als Ab­satz­markt, wir su­chen lo­ka­le Part­ner. Dort ei­nen Pro­duk­ti­ons­stand­ort zu er­öff­nen, er­ach­ten wir als ver­früht. Zu­mal der Preis­vor­teil schwin­det: Die Lohn­kos­ten in Chi­na stei­gen ra­pi­de.

Kön­nen Sie bei kon­ven­tio­nel­len Ge­ne­ri­ka preis­lich mit asia­ti­schen An­bie­tern mit­hal­ten? Bei ein­zel­nen Pro­duk­ten schon. Vor­aus­set­zung ist, dass wir über ef­fi­zi­en­te Her­stel­lungs­pro­zes­se und ei­ne gu­te Markt­stel­lung ver­fü­gen. Haupt­säch­lich lie­fern wir aber Pep­tid­ge­ne­ri­ka nach Asi­en.

Nach wel­chen Kri­te­ri­en wäh­len Sie Nach­ah­mer­pro­duk­te aus? Wir set­zen auf klei­ne­re frei wer­den­de Wirk­stof­fe mit jähr­li­chen Wirk­stoff­ver­käu- fen im ein-oder zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich. Dort ist die Kon­kur­renz nicht so drü­ckend. Ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um bil­det die Fra­ge: Kön­nen wir Pro­zes­se ent­wi­ckeln, mit de­nen wir nach Pa­ten­t­ab­lauf kon­kur­renz­fä­hig sind?

For­mu­liert wer­den Ih­re Wirk­stof­fe durch die Kun­den. Wä­re ein Ein­stieg in die Ga­le­nik ei­ne Op­ti­on für Ba­chem? Ei­ni­ge Schwei­zer Fein­che­mie­an­bie­ter prü­fen das. Für Ba­chem ist das auch ei­ne Op­ti­on. Ent­schie­den ist aber noch nichts. Wir müss­ten da­zu wohl ein Un­ter­neh­men kau­fen. Die tech­ni­schen Hür­den sind sehr hoch, ge­ra­de bei den Pep­ti­den. Ein at­trak­ti­ves Ge­schäft bil­den De­pot­for­mu­lie­run­gen. Die Her­stel­lung ist äus­serst an­spruchs­voll und lässt sich nicht so leicht ko­pie­ren. Die Tech­ni­ken sind pa­tent­ge­schützt. Das ist mit ein Grund, war­um die Prei­se von Pep­ti­den auch nach Ablauf des Wirk­stoff­pa­tents re­la­tiv sta­bil blei­ben.

Ge­ne­rell ist das Um­feld in der Auf­trags­her­stel­lung schwie­rig. Al­le An­bie­ter lei­den dar­un­ter, dass die Kun­den Be­stel­lun­gen auf­schie­ben oder stor­nie­ren. Wann wächst der Markt wie­der? Wir ha­ben uns die­ses Jahr mehr Dy­na­mik er­hofft. Das Ge­schäft zieht zwar je­den Mo­nat et­was an, be­son­ders die zy­kli­schen Be­rei­che: das Ka­ta­log­ge­schäft und die Kun­den­syn­the­se. Noch zö­gern die Kun­den aber, die La­ger auf­zu­fül­len. Der Markt wird ver­mut­lich nur be­schei­den wach­sen. Die Er­war­tun­gen in der Bran­che wer­den par­al­lel zu den ver­zö­ger­ten Be­stel­lun­gen hin­aus­ge­scho­ben. Aber ei­ne Trend­wen­de zeich­net sich ab, für 2011 er­war­ten wir mehr Wachs­tum.

Wie hoch ist denn Ih­re Aus­las­tung? In den USA be­trägt sie zwei Drit­tel, in der Schweiz et­wa 85%. Be­stimmt wird die Aus­las­tungs­ra­te durch das Port­fo­lio: Auf ei­ner An­la­ge nur ein Pro­dukt her­zu­stel­len, bringt ei­nen hö­he­ren Er­trag, als wenn es zehn sind.

Weil ein wich­ti­ger Kun­de be­stell­te Pro­duk­te nicht ab­nahm, setz­te Ba­chem ver­gan­ge­nes Jahr in Nord­ame­ri­ka 16% we­ni­ger um. Ha­ben Sie die­se Pro­ble­me ge­löst?

Li­mi­tie­ren die ge­rin­gen Pep­tid­men­gen in Kos­me­ti­ka nicht den mög­li­chen Er­trag? Nein, in Me­di­ka­men­ten sind auch nur klei­ne Men­gen ent­hal­ten. Wei­sen muss sich, wie viel die Kun­den zu zah­len be­reit sind, wenn der­einst grös­se­re Men­gen sol­cher Er­zeug­nis­se her­ge­stellt wer­den.

Schwie­ri­ge Zei­ten schaf­fen Ge­le­gen­hei­ten. Der üp­pi­ge Ei­gen­fi­nan­zie­rungs­grad von 79% er­laubt Ba­chem, güns­tig Über­nah­men vor­zu­neh­men. Aus­schlies­sen wür­de ich Zu­käu­fe nicht, aber sie ste­hen nicht im Fo­kus. In un­se­ren Ge­bie­ten sind wir zwar an ei­ner Um­satz­er­wei­te­rung in­ter­es­siert, aber kein Kon­kur­rent er­reicht un­se­re Mar­ge. Da müss­ten wir viel Ar­beit rein­ste­cken. Rei­zen wür­den uns höchs­tens neue Fel­der: Oli­go­nu­cleo­ti­de (DNA-re­pli­zie­ren­de En­zy­me) oder Koh­len­hy­dra­te. Nur weil die Kauf­prei­se et­was zu­rück­ge­kom­men sind, wol­len wir uns aber kei­nen Druck ma­chen.

CEO Rolf Ny­feler will die ho­he Mar­ge trotz schär­fe­rer Kon­kur­renz hal­ten.

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