Kli­ma­wan­del be­ein­flusst auch die Steu­ern

Mit der An­pas­sung ge­setz­li­cher Rah­men­be­din­gun­gen ha­ben die Re­gie­run­gen ei­nen gros­sen Ein­fluss auf den Kli­ma­schutz – Ge­schäfts­ab­läu­fe än­dern

Finanz und Wirtschaft - - PODIUM - NI­K­LAUS HO­NAU­ER UND SA­PHI­RA DI COSTAN­ZO

Mitt­ler­wei­le ist auch den Un­ter­neh­men be­wusst ge­wor­den, dass der Kli­ma­wan­del ein The­ma ist, mit dem sie sich in­ten­siv aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Ei­ne von Pri­ce­wa­ter­hou­seCo­o­pers kürz­lich in fünf­zehn Län­dern durch­ge­führ­te Um­fra­ge zeigt, dass die meis­ten Un­ter­neh­men da­mit rech­nen, ih­re her­kömm­li­chen Ge­schäfts­ab­läu­fe in den nächs­ten zwei bis drei Jah­ren än­dern zu müs­sen. Ein Vier­tel da­von er­war­tet, dass die­se Um­stel­lun­gen ein­schnei­dend sein wer­den.

Schwei­zer Um­welt­ab­ga­ben

Auch die Schweiz kennt be­reits ver­schie­de­ne Ar­ten von Um­welt­ab­ga­ben. Es sind dies un­ter an­de­rem die leis­tungs­ab­hän­gi­ge Schwer­ver­kehrs­ab­ga­be (LSVA), Ab­ga­ben auf flüch­ti­ge Koh­len­was­ser­stof­fe ( VOC), Mi­ne­ral­öl­steu­ern, Mo­tor­fahr­zeug­steu­ern, va­ria­ble Heizöl-und Treib­stoff­abga­ben, vor­ge­zo­ge­ne Re­cy­cling­ge­büh­ren auf Glas­fla­schen, Ver­pa­ckun­gen und Bat­te­ri­en, vor­ge­zo­ge­ne Re­cy­cling­ge­büh­ren für elek­tro­ni­sche und elek­tri­sche Ge­rä­te so­wie Ent­sor­gungs­ge­büh­ren für Pri­vat-und In­dus­trie­ab­fall.

An­fang 2008 hat die Schweiz zu­dem ei­ne CO2-Ab­ga­be auf fos­si­le Brenn­stof­fe wie et­wa Heizöl, Erd­gas oder Koh­le ein­ge­führt. Treib­stof­fe (Ben­zin, Die­sel) sind da­von (noch) nicht be­trof­fen. Die Um­set­zung der Schwei­zer CO2-Ge­setz­ge­bung ba­siert auf dem Kyo­to-Pro­to­koll, das die Schweiz und 181 an­de­re In­dus­trie­na­tio­nen ra­ti­fi­ziert ha­ben.

Die CO2-Ab­ga­be soll spar­sa­mes Ver­hal­ten för­dern. Sie stellt des­halb kei­ne Steu­er im ei­gent­li­chen Sin­ne, son­dern ei­ne Len­kungs­ab­ga­be dar. Die Ein­nah­men der Ab­ga­be wer­den den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern über die Kran­ken­kas­sen und den Un­ter­neh­men pro­por­tio­nal zur Lohn­sum­me zu­rück­ver­teilt. Ur­sprüng­lich hät­te die Rück­ver­tei­lung zwei Jah­re nach der Er­he­bung samt Zin­sen an die Be­völ­ke­rung und die Wirt­schaft statt­fin­den sol­len.

Die Wirt­schafts­kri­se be­wog den Bun­des­rat am 11. Sep­tem­ber 2009 je­doch da­zu, den Er­trag der CO2-Ab­ga­be aus den Jah­ren 2008, 2009 und 2010 – to­tal rund 860 Mio. Fr. – im Jahr 2010 früh­zei­tig zu­rück­zu­ver­tei­len. Da­mit die Rück­ver­tei­lung oh­ne Un­ter­bruch wei­ter­geht, hat der Bun­des­rat ent­schie­den, ab 2011 das Geld aus der CO2-Ab­ga­be je­weils be­reits im Er­he­bungs­jahr zu ver­tei­len.

Da­mit auch en­er­gie­in­ten­si­ve Un­ter­neh­men und Gros­se­mit­ten­ten in­ter­na­tio- nal wett­be­werbs­fä­hig blei­ben, ha­ben Un­ter­neh­men die Mög­lich­keit, sich von der CO2-Ab­ga­be be­frei­en zu las­sen. Da­zu müs­sen sie sich ge­gen­über dem Bund zu ei­ner Be­gren­zung ih­rer CO2-Emis­sio­nen ver­pflich­ten. Den von der CO2-Ab­ga­be be­frei­ten Ge­sell­schaf­ten wer­den die be­zahl­ten Ab­ga­ben von der Ober­zoll­di­rek­ti­on auf Ge­such hin er­stat­tet. Bei der Rück­ver­tei­lung über die AHV-Aus­gleichs­kas­sen wer­den die­se Un­ter­neh­men je­doch nicht be­rück­sich­tigt. Das Bun­des­amt für Um­welt (Ba­fu) teilt den von der CO2-Ab­ga­be be­frei­ten Ge­sell­schaf­ten im Rah­men des na­tio­na­len Emis­si­ons­han­dels­sys­tems Emis­si­ons­rech­te zu. Die Men­ge rich­tet sich nach dem mit dem Bund ver­ein­bar­ten Be­gren­zungs­ziel.

Emis­si­ons­han­dels­re­gis­ter

Das Emis­si­ons­han­dels­re­gis­ter wur­de vom Amt für Um­welt, Ver­kehr Ener­gie und Kom­mu­ni­ka­ti­on (Uvek) ein­ge­führt. Es ist ein na­tio­na­les Buch­hal­tungs­sys­tem und er­laubt den Kauf und Ver­kauf von Emis­si­ons­rech­ten in­ner­halb der Schweiz. Bis zum Jahr 2013 er­hofft sich der Bun­des­rat ein bi­la­te­ra­les Ab­kom­men mit der EU, mit der Ab­sicht, Schwei­zer Emis­si­ons­rech­te den eu­ro­päi­schen Emis­si­ons­rech­ten gleich­stel­len zu kön­nen.

Ana­log den EU-Län­dern stell­te der Han­del mit Emis­si­ons­rech­ten in der Schweiz bis­her aus Sicht der Mehr­wert­steu­er (MwSt.) ei­ne zum Nor­mal­satz steu­er­ba­re Di­enst­leis­tung dar. Der Ort der Di­enst­leis­tung rich­te­te sich nach dem Emp­fän­ger­prin­zip.

Emis­si­ons­recht­han­del

Dies führ­te im grenz­über­schrei­ten­den Han­del da­zu, dass der Ver­kauf ei­nes Emis­si­ons­rechts (so­weit der grenz­über­schrei­ten­de Han­del über­haupt mög­lich war) an ein aus­län­di­sches Un­ter­neh­men in der Schweiz von der Mehr­wert­steu­er be­freit war. Der Er­werb ei­nes aus­län­di­schen Zer­ti­fi­kats in­des war als Be­zug ei­ner Di­enst­leis­tung von Un­ter­neh­men mit Sitz im Aus­land zu de­kla­rie­ren.

Ge­mäss ei­ner Pra­xis­mit­tei­lung der Eidg. Steu­er­ver­wal­tung, die in Kür­ze pu­bli­ziert wer­den soll, ist der Han­del mit Emis­si­ons­rech­ten in der Schweiz neu von der Mehr­wert­steu­er aus­ge­nom­men. Das hat zur Fol­ge, dass der Um­satz aus dem Han­del mit Emis­sio­nen künf­tig nicht mehr der MwSt. un­ter­liegt – gleich­zei­tig je­doch der Ab­zug der da­mit in Ver­bin­dung ste­hen­den Vor­steu­ern nicht mehr gel­tend ge­macht wer­den kann. Die Erst­zu­tei­lung der Emis­si­ons­rech­te durch das Ba­fu (bzw. Gut­schrift auf dem in­di­vi­du­el­len Be­trei­ber­kon­to beim na­tio­na­len Emis­si­ons­han­dels­re­gis­ter) ist aus Sicht der MwSt. ei­ne ho­heit­li­che Tä­tig­keit des Bun­des.

Die di­rekt­steu­er­li­che Be­hand­lung der Emis­si­ons­rech­te ist eng ver­knüpft mit der bi­lan­zi­el­len Ab­wick­lung. Die CO2-Ab­ga­be muss auch von den be­frei­ten Un­ter­neh­men lau­fend auf dem Ein­kauf der Brenn­stof­fe be­zahlt wer­den. Da im Fol­ge­jahr die Rück­er­stat­tung der be­zahl­ten CO2Ab­ga­be be­an­tragt wer­den kann, kann die­se eben­falls er­folgs­neu­tral be­han­delt wer­den. Ent­we­der wird der Brenn­stoff­auf­wand lau­fend um die Ab­ga­be re­du­ziert, oder die Rück­er­stat­tung wird per En­de Jahr tran­si­to­risch ak­ti­viert.

Die Schweiz kennt be­reits ver­schie­de­ne Ar­ten von Um­welt­ab­ga­ben. Sie ha­ben in den letz­ten Jah­ren ver­mehrt an Be­deu­tung ge­won­nen, spe­zi­ell mit der Ein­füh­rung der CO2-Ab­ga­be 2008. Wei­te­re Ent­wick­lun­gen in die­sem Be­reich wer­den fol­gen. Zu­dem ist mit Span­nung zu er­war­ten, wie sich der in­ter­na­tio­na­le und der na­tio­na­le Han­del mit Emis­si­ons­rech­ten in Zu­kunft ent­wi­ckeln wer­den. Dr. Ni­k­laus Ho­nau­er, Part­ner Mehr­wert­steu­er­be­ra­tung, Sa­phi­ra Di Costan­zo, Con­sul­tant Mehr­wert­steu­er­be­ra­tung, Pri­ce­wa­ter­hou­seCo­o­pers.

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