Zwei Bei­spie­le aus der Wirt­schafts­ge­schich­te

Finanz und Wirtschaft - - PODIUM - CF

Wa­ren die Au­to­ren in Sys­te­men oh­ne Co­py­right wirk­lich der­art schlecht ge­stellt? Die Wirt­schafts­pro­fes­so­ren Mi­che­le Boldrin und Da­vid K. Le­vi­ne – bei­de von der Washington Uni­ver­si­ty in St. Lou­is, sind die­ser Fra­ge nach­ge­gan­gen. Im 19. Jahr­hun­dert hat­te je­der ame­ri­ka­ni­sche Ver­le­ger das Recht, ein aus­län­di­sches Buch nach­zu­dru­cken, oh­ne dem Au­tor auch nur ei­nen Cent zu be­zah­len – ei­ne haar­sträu­ben­de Sa­che nach heu­ti­gen Mass­stä­ben. Aber die bri­ti­schen Au­to­ren wa­ren kei­nes­wegs Ver­lie­rer.

Die ame­ri­ka­ni­schen Ver­le­ger wa­ren in­ter­es­siert, mit den Ver­fas­sern Ab­kom­men zu schlies­sen. Schliess­lich galt es, den Be­darf ei­nes le­se­hung­ri­gen Pu­bli­kums zu stil­len. So kam es, dass vie­le bri­ti­sche Au­to­ren zu­erst in den USA ver­öf­fent­lich­ten. Die USVer­le­ger woll­ten ein Buch mög­lichst schnell und kos­ten­güns­tig ei­nem gros­sen Pu­bli­kum zu­gäng­lich zu ma­chen. Und dies so rasch und bil­lig, dass die Chan­ce für an­de­re Ver­le­ger, mit Ko­pi­en in den Markt ein­zu­drin­gen, ge­ring war. Nicht sel­ten ver­dien­ten so die bri­ti­schen Au­to­ren im un­ge­schütz­ten USMarkt mehr an ih­ren Bü­chern als im durch Co­py­rights ab­ge­si­cher­ten hei­mi­schen.

Nun kann ar­gu­men­tiert wer­den, es hand­le sich hier um die schö­nen Küns­te, die ja für die Mensch­heit nicht über­le­bens­wich­tig sei­en. Ganz an­ders se­he es aus, wenn es um in­dus­tri­el­le Gü­ter und Di­enst­leis­tun­gen ge­he. Dort sind aber die Fol­gen ge­rin­ge­rer In­no­va­ti­ons­kraft auf­grund der Schaf­fung von Mo­no­pol­stel­lun­gen durch Pa­ten­te und Co­py­rights ge­samt­ge­sell­schaft­lich noch viel ver­hee­ren­der. Ein wei­te­res von den bei­den Au­to­ren be­leuch­te­tes Bei­spiel ist die Dampf­ma­schi­ne von Ja­mes Watt. Watt pa­ten­tier­te 1768 sei­ne Ma­schi­ne. Bis 1775 pro­du­zier­te er nicht. In die­sem Jahr ge­lang es ihm, mit Hil­fe ei­nes rei­chen In­dus­tri­el­len im bri­ti­schen Par­la­ment ei­ne Ver­län­ge­rung sei­nes Pa­tents bis 1800 durch­zu­drü­cken. In den Jah­ren bis 1800 war Watt v. a. da­mit be­schäf­tigt, Kon­kur­ren­ten mit al­ler Här­te des Pa­tent­rechts zu be­kämp­fen. Das war von Er­folg ge­krönt. Bis 1800 wur­den pro Jahr für 750 Pfer­de­stär­ken Dampf­ma­schi­nen in den Di­enst ge­stellt. Kaum war Watts Pa­tent ab­ge­lau­fen, än­der­te sich das Bild schlag­ar­tig. Es wur­den nun pro Jahr für 4000 Pfer­de­stär­ken Ma­schi­nen auf­ge­stellt, mit ent­spre­chen­den Pro­duk­ti­vi­täts­ge­win­nen. Gleich­zei­tig ver­fünf­fach­te sich die Brenn­stoff­ver­brauchs­ef­fi­zi­enz der Ma­schi­nen in den Jah­ren 1810 bis 1835.

Das Pa­tent von Ja­mes Watt hat­te nicht nur den tech­ni­schen, den wirt­schaft­li­chen und den so­zia­len Fort­schritt be­hin­dert, son­dern auch Watts In­no­va­ti­ons­kraft. Er ver­brach­te viel Zeit mit recht­li­chen Strei­te­rei­en. Zeit, die er bes­ser in die Wei­ter­ent­wick­lung sei­ner Ma­schi­nen in­ves­tiert hät­te.

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