Spa­ni­ens Elek­tri­zi­täts­sek­tor be­fin­det sich in Auf­ruhr

Re­gie­rung und Op­po­si­ti­on wol­len das be­ste­hen­de Ener­gie­mo­dell ei­ner Über­prü­fung un­ter­zie­hen – Wert­schrif­ten­häu­ser kap­pen die Kurs­zie­le

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - AE,

Der spa­ni­schen Elek­tri­zi­täts­in­dus­trie droht nach den ge­plan­ten Ein­schnit­ten für die För­de­rung grü­ner Ener­gie­quel­len neue Un­ge­mach: An­ge­sichts der Fi­nan­zie­rungs­pro­ble­me mit dem be­ste­hen­den Ener­gie­mo­dell ha­ben die so­zia­lis­ti­sche Re­gie­rung und der kon­ser­va­ti­ve Par­ti­do Po­pu­lar (PP) als gröss­te Op­po­si­ti­ons­par­tei be­schlos­sen, die für 1. Ju­li ge­plan­te Er­hö­hung der Strom­ta­ri­fe um 3 bis 5% zu strei­chen. Statt­des­sen wol­len sie das ge­sam­te Mo­dell mit sei­nen ho­hen Kos­ten über­prü­fen, wo­mit die bis­he­ri­ge Ener­gie­po­li­tik der So­zia­lis­ten – För­de­rung grü­ner Ener­gi­en und hei­mi­scher St­ein­koh­le mit gross­zü­gi­gen Sub­ven­tio­nen, lang­sa­me Ab­kehr vom we­sent­lich bil­li­ge­ren Atom­strom – of­fen in Fra­ge ge­stellt ist.

Der Ta­rif­stopp folgt auf die Plä­ne, die För­der­gel­der für er­neu­er­ba­re Ener­gi­en, vor al­lem die So­lar­ener­gie, um et­wa 30% zu kür­zen. Die Un­si­cher­heit in der ge­sam- ten Ener­gie­bran­che wird nach Mei­nung von Ana­lys­ten bis min­des­tens Ok­to­ber an­hal­ten, bis bei­de Par­tei­en Leit­li­ni­en für ein neu­es Mo­dell vor­le­gen wer­den.

Hef­ti­ge Kurs­re­ak­ti­on

Der über­ra­schen­de Ta­rif-Coup führ­te in ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on am Don­ners­tag und Frei­tag zu mas­si­ven Ab­ga­ben in Strom­wer­ten: So ver­lo­ren Iber­dro­la 7%, Red Eléctri­ca gar 10%. Die Ti­tel des So­lar­an­la­gen­bau­ers Aben­goa und des Wind­tur­bi­nen­fa­bri­kan­ten Ga­me­sa sind oh­ne­hin durch die herr­schen­de Un­si­cher­heit rund um die grü­nen Ener­gi­en seit ge­rau­mer Zeit hef­ti­gen Kurs­schwan­kun­gen aus­ge­setzt.

Fi­nanz­ana­lys­ten re­agier­ten post­wen­dend mit ei­ner Re­vi­si­on ih­rer Schät­zun­gen. So­cié­té Gé­né­ra­le kürz­te die Kurs­zie­le der spa­ni­schen Strom­wer­te im Durch­schnitt um 15%. UBS stuf­te die Kauf­emp- feh­lung für Iber­dro­la auf Neu­tral zu­rück und stutz­te das Kurs­ziel um 33% auf 5€. «Das Ri­si­ko in Spa­ni­en hat sich nach der Ent­schei­dung, den ge­sam­ten Ener­gier­ah- men zu über­prü­fen, ver­grös­sert», be­fin­det das ja­pa­ni­sche Haus No­mu­ra. «Es scheint rat­sam zu sein, Un­ter­neh­men mit gros­ser Ab­hän­gig­keit von re­gu­la­to­ri­schen Un­wäg­bar­kei­ten wie Iber­dro­la, Gas Na­tu­ral, En­de­sa oder EDP zu mei­den.»

Ta­rif­de­fi­zit ver­grös­sert sich

Mit dem Preis­stopp dürf­te sich das seit Jah­ren herr­schen­de Ta­rif­de­fi­zit – die Kluft zwi­schen Er­zeu­ger­prei­sen und den staat­lich dik­tier­ten und da­mit künst­lich nied­rig ge­hal­te­nen Ta­ri­fen – von bis­her 14 Mrd.€ ver­grös­sern. Ex­per­ten spre­chen be­reits von 20 Mrd.€ bis En­de 2010. Da­bei stimmt es nicht mehr, dass Spa­ni­ens Strom­prei­se bil­li­ger sind als im rest­li­chen Eu­ro­pa. Seit 2004 stie­gen sie um mehr als 40%. 2009 kos­te­te ei­ne KwH 0,129€, wo­mit Spa­ni­en zu den zehn teu­ers­ten Län­dern Eu­ro­pas ge­hör­te. Das Ein­nah­me­de­fi­zit, das letz­ten En­des die Ver- brau­cher über hö­he­re Rech­nun­gen zah­len, dür­fen sich die Kon­zer­ne über ver­brief­te Rech­te am Markt be­schaf­fen. Ei­ne ers­te Emis­si­on die­ser ver­brief­ten Strom­rech­te war in Kür­ze ge­plant, doch die Si­tua­ti­on an den Märk­ten könn­te dem Vor­ha­ben ei­nen Strich durch die Rech­nung ma­chen.

Die grü­nen Ener­gi­en ih­rer­seits kos­te­ten den Staat im Jahr 2009 gut 6 Mrd.€ an För­der­gel­dern, die Hälf­te da­von ent­fiel auf Fo­to­vol­ta­ik-An­la­gen als der­zeit teu­ers­te Er­zeu­ger­tech­nik. Der So­lar­strom deckt bis­her al­ler­dings nur 2% des Strom­be­darfs ab. Die gross­zü­gi­gen Ein­spei­sungs­ge­büh­ren von bis zu 0,50 € je KwH ha­ben Spa­ni­ens Ener­gie­wirt­schaft ver­än­dert. Die Wind­ener­gie deckt 20% des Be­darfs und ist die gröss­te grü­ne Ener­gie­quel­le. Der Atom­strom steu­ert 21% zur Er­zeu­gung bei, die Was­ser­kraft­wer­ke 24%, gas­be­heiz­te Strom­kraft­wer­ke 18%, die Koh­le knapp 4%.

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