Zu­neh­mend en­ge­re Sym­bio­se

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND -

Mit dem Eco­no­mic Co­ope­ra­ti­on Frame­work Agree­ment zwi­schen Chi­na und Tai­wan wird jetzt for­mal be­sie­gelt, was seit Jah­ren Rea­li­tät ist. Chi­na und das seit En­de des chi­ne­si­schen Bür­ger­kriegs 1949 fak­tisch un­ab­hän­gi­ge Tai­wan mö­gen sich zwar in den letz­ten sech­zig Jah­ren über wei­te Stre­cken po­li­tisch spin­ne­feind ge­we­sen sein, doch wirt­schaft­lich gin­gen die bei­den Chi­nas seit Be­ginn der wirt­schaft­li­chen Öff­nung der Volks­re­pu­blik vor dreis­sig Jah­ren ei­ne im­mer en­ge­re Sym­bio­se ein.

Es war vor al­lem tai­wa­ne­si­sches (und Hong­kon­ger) Ka­pi­tal, das ab 1979 in den Küs­ten­re­gio­nen Süd­chi­nas ex­port­ori­en­tier­te Ar­beits­plät­ze schuf. Heu­te le­ben über ei­ne Mil­li­on Tai­wa­ne­sen auf dem Fest­land, und tai­wa­ne­si­sche Un­ter­neh­men ha­ben da weit über 100 Mrd.$ in­ves­tiert. Der da­mit ver­bun­de­ne Trans­fer von Know-how und Tech­no­lo­gie schuf mass­geb­lich die Grund­la­ge für das chi­ne­si­sche Wirt­schafts­wun­der. Tai­wa­ne­si­sche Ge­sell­schaf­ten wie das IT-Un­ter­neh­men Acer oder der Che­mie­kon­zern For­mo­sa Plas­tics wie­der­um stie­gen dank frü­hen Zu­gangs zum Fest­land­markt zu glo­bal be­deu­ten­den Grös­sen auf. Der Rah­men­ver­trag sieht die Be­sei­ti­gung von Han­dels­hin­der­nis­sen vor, und er schliesst ne­ben ei­ner wei­te­ren Öff­nung des Im­mo­bi­li­en­markts erst­mals die bis­her ge­schütz­te Fi­nanz­in­dus­trie ein. Trotz die­ser wirt­schaft­lich wich­ti­gen Kom­po­nen­te kommt dem Ver­trag in ers­ter Li­nie po­li­ti­sche Be­deu­tung zu. Denn Pe­king, das Tai­peh in den letz­ten Jahr­zehn­ten im­mer wie­der mit Krieg droh­te, falls es die Un­ab­hän­gig­keit von Chi­na er­klä­ren soll­te, an­er­kennt mit dem Ab­kom­men ex­pli­zit den Spe­zi­al­sta­tus Tai­wans. Das dürf­te die Tai­wa­ne­sen be­ru­hi­gen, die fürch­ten, dass we­gen des Ab­kom­mens Chi­nas wirt­schaft­li­cher und po­li­ti­scher Ein­fluss auf der In­sel mas­siv zu­neh­men wird.

Die In­sel­re­pu­blik wird jetzt zwar en­ger an das Fest­land an­ge­bun­den – nicht zu­letzt auch des­we­gen, weil im Rah­men­ver­trag Rei­se­er­leich­te­run­gen für Fest­land­chi­ne­sen nach Tai­wan ein­ge­bun­den sind. Hand­kehrum ken­nen die Bür­ger Tai­wans weit grös­se­re ge­sell­schaft­li­che und vor al­lem auch po­li­ti­sche Frei­hei­ten als Fest­land­chi­ne­sen. Nach­dem vor dreis­sig Jah­ren tai­wa­ne­si­sches Ka­pi­tal ge­hol­fen hat, die wirt­schaft­li­che Öff­nung Chi­nas vor­an­zu­trei­ben, ist es nicht aus­ge­schlos­sen, dass jetzt in den nächs­ten Jah­ren aus Tai­wan kom­men­de po­li­ti­sche Ide­en den ge­sell­schaft­li­chen Re­form­pro­zess auf dem Fest­land be­schleu­ni­gen.

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