Po­len be­weist mit Pri­va­ti­sie­run­gen Mut

Här­te­re Be­din­gun­gen für Bör­sen­gän­ge – Flau­er Auf­takt für die Ak­ti­en des Strom­ver­sor­gers Tau­ron be­fürch­tet – In PGE und den Ver­si­che­rer PZU in­ves­tie­ren

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - LUD­MI­LA RAKUSAN,

Neu­er An­lauf durch Enea

In ei­ner kon­zen­trier­ten Ak­ti­on ver­sucht die Re­gie­rung in War­schau, Lö­cher im Haus­halt mit Er­lö­sen aus Pri­va­ti­sie­run­gen zu stop­fen. Nach­dem im Mai mit Er­folg 55% vom Ka­pi­tal des Ver­si­che­rungs­rie­sen PZU (vgl. Kurs­gra­fik) im Pu­bli­kum pla­ziert wor­den sind, ste­hen nun polnische Ener­gie­kon­zer­ne zum Ver­kauf. Die Pri­va­ti­sie­rung soll da­bei nicht nur durch Bör­sen­gän­ge er­fol­gen. Vor­ge­se­hen ist auch, Ak­ti­en­pa­ke­te di­rekt an stra­te­gi­sche In­ves­to­ren zu ver­äus­sern. Von der pol­ni­schen Ener­gie­ge­sell­schaft Enea wer­den wei­te­re 51% des Ka­pi­tals an­ge­bo­ten, was ge­mes­sen am der­zei­ti­gen Markt­wert ei­nem Vo­lu­men von 4 Mrd. Zlo­ty (1,3 Mrd. Fr.) ent­spricht. Ein ers­ter Ver­such, die Mehr­heit am Ka­pi­tal ab­zu­ge- ben, schei­ter­te im Herbst des ver­gan­ge­nen Jah­res an über­trie­be­nen Preis­vor­stel­lun­gen der pol­ni­schen Re­gie­rung und we­gen der seit Jah­ren künst­lich un­ter dem Markt­ni­veau ge­hal­te­nen Strom­prei­se. Im Fe­bru­ar brach­te das polnische Schatz­amt 16% des Enea-Ka­pi­tals an die Bör­se. Die Re­gie­rung hält da­mit der­zeit noch et­was über 60%. Wei­te­re 18,7% ge­hö­ren dem schwe­di­schen Strom­ver­sor­ger Wat­ten­fall, der im ver­gan­ge­nen Jahr zu­sam­men mit der tsche­chi­schen Elek­tri­zi­täts­ge­sell­schaft CEZ, dem fran­zö­si­schen Ver­sor­ger GDF Su­ez und der deut­schen Ge­sell­schaft NWR zwar am da­mals of­fe­rier­ten staat­li­chen Enea-Mehr­heits­pa­ket von 67% In­ter­es­se zeig­te, schliess­lich je­doch kei­ne ver­bind­li­che Of­fer­te ein­reich­te.

Ge­gen­wär­tig be­lie­fert Enea in We­stund Nord­west­po­len, wo die meis­ten mo­der­nen In­dus­trie­be­trie­be Po­lens an­ge­sie­delt sind, rund zwei Mil­lio­nen Kun­den mit Strom. Das Un­ter­neh­men ver­folgt ehr­gei­zi­ge Plä­ne: Wie Enea-Chef Ma­ciej Owc­zarek ge­gen­über der pol­ni­schen Pres­se sag­te, will sich Enea am Bau des ers­ten pol­ni­schen Kern­kraft­werks be­tei­li­gen. Als Haupt­in­ves­tor des Pro­jekts ist al­ler­dings PGE vor­ge­se­hen, der mit ei­nem Markt­an­teil von 42% gröss­te Strom­ver­sor­ger in Po­len. PGE be­treibt bis­her vor al­lem Braun­koh­le­kraft­wer­ke, dar­un­ter auch das Werk in Bel­cha­tow, das an­geb­lich von al­len Kraft­wer­ken in der EU am meis­ten die Luft ver­schmutzt. Zur Fi­nan­zie­rung von Mo­der­ni­sie­rungs­vor­ha­ben brach­te PGE im ver­gan­ge­nen No­vem­ber 15% des Ka­pi­tals an die War­schau­er Bör­se: Die Ti­tel über­stie­gen den Emis­si­ons­preis von 23 Zlo­ty zu­nächst um 12%, no­tie­ren in­zwi­schen aber nur noch rund 21 Zlo­ty.

Eben­falls an der Rei­he ist nun der Strom­ver­sor­ger Tau­ron. Die Ak­ti­en des

Polnische Pri­va­ti­sie­rungs­vor­ha­ben 2010 Un­ter­neh­mens, die am un­te­ren En­de der Preis­span­ne zu je 5.13 Zlo­ty vom Staat ver­äus­sert wur­den, wer­den am Mitt­woch erst­mals ge­han­delt. An­ge­sichts des ver­schlech­ter­ten Bör­sen­um­felds wird nicht mit grös­se­ren Kurs­ge­win­nen ge­rech­net. In­ge­samt trenn­te sich die Re­gie­rung von 52% des Ka­pi­tals, was ihr 4,2 Mrd. Zlo­ty ein­trug. Was die Di­vi­den­de an­be­langt, ver­spricht Tau­ron in den Jah­ren 2010 bis 2012 je min­des­tens 30% des Ge­winns aus­zu­schüt­ten, spä­ter bis zu 50%.

Im Gan­ge ist die Su­che nach ei­nem Part­ner für die Danz­in­ger Ener­ga-Grup­pe, die mit ei­nem An­teil von 15% der viert- gröss­te Wett­be­wer­ber im pol­ni­schen Elek­tri­zi­täts­markt ist. Aus dem Ver­kauf von 83% des Ka­pi­tals er­hofft sich War­schau Ein­nah­men von bis zu 8 Mrd. Zlo­ty.

Nyse Eu­ronext winkt ab

Zu dem er­hoff­ten Pri­va­ti­sie­rungs­er­lös von min­des­tens 25 Mrd. Zlo­ty in die­sem Jahr sol­len di­ver­se wei­te­re Ver­käu­fe bei­tra­gen – aus der Che­mie­bran­che über Berg­bau und Me­di­en bis zu der War­schau­er Bör­se selbst. Im Fall der War­schau­er Bör­se mel­de­te sich als In­ter­es­sent bis­her aber nur die Deut­sche Bör­se. Ei­ne Ei­ni­gung mit der pol­ni­schen Re­gie­rung kam nicht zu­stan­de. Der er­hoff­te ame­ri­ka­nisch-fran­zö­si­schen Part­ner Nyse Eu­ronext wink­te mit Blick auf das un­güns­ti­ge Markt­um­feld für Ak­ti­en­markt­be­trei­ber ab.

Für Pri­vat­an­le­ger er­öff­nen sich in Po­len gleich­wohl Chan­cen: Mit Blick auf die ho­he Kun­den­an­zahl lohnt sich der Ein­stieg in PGE. Der Kon­zern dürf­te zu­dem von der er­war­te­ten Strom­preis­frei­ga­be in Po­len pro­fi­tie­ren. Auch PZU ver­spricht Po­ten­zi­al. Der polnische Ver­si­che­rungs­markt ist un­ter­ver­sorgt.

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