Bau­rui­ne

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - JS

Wer in Ka­li­nin­grad lan­det, ist zu­nächst schwer be­ein­druckt. Der neue Ter­mi­nal ist zwar noch ein halb­fer­ti­ger Roh­bau. Doch die Ka­the­dra­le aus Glas und Be­ton, die Sch­licht­heit und Ef­fi­zi­enz ver­mit­telt, steht für die gros­sen Zie­le der Stadt an der Ost­see. Doch nach­dem man mit dem Bus ab­ge­holt und statt zum Haupt­ein­gang des neu­en zum Sei­ten­ein­gang des al­ten Ter­mi­nals di­rekt hin­ter dem Prunk­bau ge­fah­ren wird, wird man stut­zig. Al­les ist ver­lot­tert und sieht so aus wie in al­ten So­wjet­ta­gen.

Auf den neu­en Flug­ha­fen an­ge­spro­chen, ener­vie­ren sich die Ka­li­nin­gra­der. «Wir wa­ren drauf und dran, ne­ben Mos­kau und St. Pe­ters­burg der gröss­te Hub zu wer­den. Doch das ist jetzt al­les vor­bei», er­klärt Ale­xey Za­to­playev. Die re­gio­na­le Air­line KD Awia hat­te fünf­zehn Di­rekt­flü­ge nach Eu­ro­pa im Pro­gramm. Da­mit soll­te Pas­sa­gie­ren aus ent­le­ge­nen Ge­bie­ten wie Omsk und Sa­ma­ra das Um­stei­gen in Mos­kau er­spart wer­den. Die Flü­ge wa­ren über Mo­na­te hin­weg aus­ge­bucht. Al­les lief rund. Doch seit bald ei­nem Jahr ist die Air­line plei­te und der Bau des Flug­ha­fens auf un­be­stimm­te Zeit ein­ge­stellt. In den un­fer­ti­gen Tei­len des Ter­mi­nals steht Was­ser in den Kel­ler­ge­schos­sen. Ein trau­ri­ger An­blick. Of­fi­zi­ell soll die Wirt­schafts­kri­se schuld an der Plei­te sein. In­of­fi­zi­ell ist je­doch je­dem Ka­li­nin­gra­der klar, dass Mos­kau die Am­bi­tio­nen von Ka­li­nin­grad nicht ge­passt hat­ten und den Ex­pan­si­ons­plä­nen des­halb kur­zer­hand ein Rie­gel vor­ge­scho­ben wur­de. Die über 40 Mio. € teu­re Bau­rui­ne ist ein Sinn­bild der po­li­ti­schen Un­ei­nig­keit ei­nes Lan­des, das die In­ter­es­sen von 83 Re­gio­nen mit un­ter­schied­lichs­ten An­sprü­chen un­ter ei­nen Hut brin­gen muss. Mitt­ler­wei­le gibt es aus Ka­li­nin­grad kei­ne Di­rekt­flü­ge nach Eu­ro­pa mehr – für ei­ne Ex­kla­ve und ih­re in­ter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit ein schwe­rer Rück­schlag.

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