«Schweiz – ein at­trak­ti­ver Markt für Stock Pi­ckers»

DWS-Fonds­ma­na­ger Ralf Ry­b­arc­zyk zu den er­freu­li­chen Per­spek­ti­ven des Schwei­zer Ak­ti­en­mark­tes

Finanz und Wirtschaft - - FONDS - FRANZ SCHNEI­DER

UDie Top 10 nter­hält man sich mit Ma­na­gern ak­tiv ver­wal­te­ter Ak­ti­en­fonds, kommt man am The­ma Ge­wich­tung nicht vor­bei. Es geht um die zen­tra­le Fra­ge der Un­ter-und Über­ge­wich­tung von ein­zel­nen In­dus­tri­en, Bran­chen und Ak­ti­en. Nur mit der Wahl ih­rer Ge­wich­tung kön­nen sie Über­per­for­mance er­zie­len und im Ver­gleich zu pas­si­ven Ma­na­gern Mehr­wert bie­ten. Auf der Fä­hig­keit, den Re­fe­ren­z­in­dex zu über­tref­fen und im Ver­gleich zu den Kon­kur­ren­ten zu den Bes­ten zu zäh­len, be­ruht ihr Pres­ti­ge in der Welt der An­la­ge­fonds.

Fast im­mer zu den Bes­ten ge­hört, wie Per­for­man­ce­ver­glei­che be­le­gen, Ralf Ry­b­arc­zyk von DWS In­vest­ments. Seit bald ei­nem Jahr­zehnt (!) ver­wal­tet er den DWS Zü­rich In­vest Ak­ti­en Schweiz und seit 2007 den DWS Ak­ti­en Schweiz – bei­des Fonds, die in Schwei­zer Di­vi­den­den­pa­pie­re in­ves­tie­ren. Ry­b­arc­zyk ist über­zeugt, dass sich mit aus­ge­wähl­ten Schwei­zer Ak­ti­en ei­ne über­durch­schnitt­li­che Per­for­mance er­zie­len lässt. Die Schwei­zer Bör­se sei ein für ak­ti­ve Fonds­ma­na­ger dank­ba­rer Markt, er­klärt er in ei­nem Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft». Hier ste­he das ge­sam­te Spek­trum an Bran­chen und Sek­to­ren zur Ver­fü­gung, fast 200 Ti­tel aus dem SPI. In der Schweiz, stellt der Ma­na­ger der Deut­sche-Bank-Fond­s­toch­ter fest, ge­be es nach wie vor vie­le Ak­ti­en, die sei­ne An­for­de­run­gen für ein En­ga­ge­ment er­füll­ten. In Be­zug auf die wich­tigs­ten Bi­lanz­kenn­zah­len sei­en die im SPI ent­hal­te­nen Un­ter­neh­men im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich im Durch­schnitt bes­ser auf­ge­stellt als der Rest der Welt.

Glo­ba­le Aus­rich­tung

Was ihm seit lan­gem am meis­ten ge­fällt, ist die glo­ba­le Aus­rich­tung und Prä­senz der Schwei­zer Un­ter­neh­men, der Um­stand, dass sie häu­fig ei­nen Gross­teil von Um­satz und Ge­winn im Aus­land er­wirt­schaf­ten, oft in den wachs­tums­star­ken Märk­ten Asi­ens und Latein­ame­ri­kas. Es spre­che für die Schwei­zer Ge­sell­schaf­ten, dass sie früh Be­deu­tung und Po­ten­zi­al die­ser Märk­te er­kannt hät­ten. Sie sei­en nicht mehr so sehr von ih­ren tra­di­tio­nel­len Märk­ten Deutsch­land und Nord­ame­ri­ka ab­hän­gig (vgl. Gra­fik). Heu­te sei­en vie­le Schwei­zer Ge­sell­schaf­ten glo­bal sehr gut po­si­tio­niert und näh­men in wich­ti­gen, oft sehr pro­fi­ta­blen Ni­schen­märk­ten ei­ne füh­ren­de Po­si­ti­on ein. «Die Schweiz ist ein Pro­fi­teur der Glo­ba­li­sie­rung, sie hat sich in den Emer­ging Mar­kets neue, wachs­tums­star­ke Ab­satz­märk­te er­schlos­sen.»

Wer in die rich­ti­gen Schwei­zer Di­vi­den­den­pa­pie­re in­ves­tie­re, le­ge glo­bal an. Was wei­ter für die­se Va­lo­ren spre­che, vor al­lem aus Sicht in­ter­na­tio­na­ler An­le­ger,

Ralf Ry­b­arc­zyk: sei die Wäh­rung. Al­lein schon mit dem Wäh­rungs­ge­winn in die­sem Jahr, be­son­ders ge­gen­über dem Eu­ro, ha­be sich ein En­ga­ge­ment be­zahlt ge­macht. In der Ti­tel­aus­wahl vor­ran­gig sind die Bi­lanz-und die Ma­nage­ment­qua­li­tät – bei­des müs­se gar über­durch­schnitt­lich sein, be­tont der Deut­sche. Auch Wachs­tums­per­spek­ti­ven und der Free Cash­flow sind ihm wich­tig. Ein Au­gen­merk gilt der Di­vi­den­de, de­ren Ent­wick­lung nach­hal­tig sein muss.

Wird der ste­tig stär­ker wer­den­de Fran­ken nicht frü­her oder spä­ter zu ei­ner Be­dro­hung der stark auf die aus­län­di­schen Märk­te aus­ge­rich­te­ten Schwei­zer Un­ter­neh­men? Wo liegt die Schmerz­gren­ze? Ralf Ry­b­arc­zyk ver­steht die Be­den­ken, ist aber nicht all­zu be­un­ru­higt. Er ver­weist auf die be­kann­te An­pas­sungs­fä­hig­keit der Schwei­zer Ex­port­wirt­schaft, die ihn schon in der Ver­gan­gen­heit be­ein­druckt hat.

SNB kauf­te wert­vol­le Zeit

In die­sem Zu­sam­men­hang lobt der DWSMa­na­ger die Schwei­zer Na­tio­nal­bank (SNB) und kann die Kri­tik an ih­ren In­ter­ven­tio­nen nicht ver­ste­hen: «Die SNB ver­hält sich sehr ge­schickt. Es kann ja nicht dar­um ge­hen, die Wech­sel­kur­se ein­zu­frie­ren, das wä­re völ­lig il­lu­so­risch. Viel­mehr geht es dar­um, für die Schwei­zer In­dus­trie Zeit zu kau­fen, um sich an­pas­sen zu kön­nen. Das hat sie im April und Mai mit mas­si­ven Eu­ro­käu­fen ge­tan. In die­sem Zeit­fens­ter konn­ten sich Ex­port­un­ter­neh­men für zwölf Mo­na­te ab­si­chern, zum Teil noch zu 1.43 Fr. pro Eu­ro – heu­te ste­hen wir schon un­ter 1.35 Fr.» Die­se wert­vol­le Zeit könn­ten die Un­ter­neh­men nun nut­zen, um ih­re Kos­ten­ba­sis noch­mals zu sen­ken, bei­spiels­wei­se in­dem sie den Pro­duk­ti­ons­stand­ort dort­hin ver­le­gen, wo ih­re Ab­satz­märk­te sind.

Als Mus­ter­bei­spiel, wie sich ei­ne Ge­sell­schaft er­folg­reich an­pas­sen konn­te, nennt Ry­b­arc­zyk Ge­be­rit. Die­ses gut ge­führ­te Sa­ni­tär­tech­nik­un­ter­neh­men mit sei­nen at­trak­ti­ven Pro­duk­ten er­zie­le ei­nen be­trächt­li­chen Teil des Um­sat­zes in Deutsch­land und im rest­li­chen Eu­ro­pa. Doch ein wach­sen­der An­teil der Pro­duk­te wer­de im Aus­land her­ge­stellt, wo­durch Ge­be­rit gar vom tie­fen Eu­ro pro­fi­tie­re.

Doch die Wäh­rung sei nicht al­les. Ei­ne Rei­he wich­ti­ger Stand­ort­fak­to­ren fal­le eben­so ins Ge­wicht. Ry­b­arc­zyk er­wähnt den Ar­beits­frie­den im Land und den Um­stand, dass kaum Auf­trä­ge we­gen Streiks ver­lo­ren ge­hen. Auch der ho­he Aus­bil­dungs­stand der Ar­beit­neh­mer spie­le ei­ne Rol­le. Die Wirt­schaft pro­fi­tie­re heu­te vom Um­stand, dass Deutsch­land ei­ner der gröss­ten Ex­por­teu­re von Aka­de­mi­kern sei bzw. die Schweiz der gröss­te Im­por­teur. Schliess­lich stel­le die Schwei­zer Wirt­schaft vie­le Ni­schen­pro­duk­te mit ho­her Wert­schöp­fung her, die nicht leicht sub­sti­tu­ier­bar sei­en – der har­te Fran­ken fal­le so­mit nicht so stark ins Ge­wicht.

Wie be­ur­teilt der Fonds­ma­na­ger die Per­spek­ti­ven der Schwei­zer Wirt­schaft, und wie sieht es mit Blick dar­auf mit der Be­wer­tung des Ak­ti­en­mark­tes aus? Ba­sie­rend auf sei­nen Ge­sprä­chen mit Schwei­zer Un­ter­neh­men und sei­nen Be­ob­ach­tun­gen sieht Ry­b­arc­zyk er­mu­ti­gen­de An­zei­chen – trotz schwa­chem Eu­ro. Auch der Um­stand, dass in letz­ter Zeit ein gros­ser Teil der Re­vi­sio­nen von Anal­aysten­ge­winn­schät­zun­gen auf Mar­gen­ver­bes­se­run­gen zu­rück­zu­füh­ren war, stimmt ihn zu­ver­sicht­lich. Auch das zei­ge doch, dass vie­le Schwei­zer Un­ter­neh­men in den letz­ten Jah­ren ih­re Haus­auf­ga­ben ge­macht hät­ten und jetzt von ei­nem enor­men ope­ra­ti­ven He­bel auf dem Um­satz­zu­wachs, der im zwei­ten Quar­tal er­zielt wor­den sei, pro­fi­tie­ren könn­ten.

Die Schwei­zer Bör­se sei nach der ex­tre­men Un­ter­be­wer­tung 2008/2009 heu­te auf ein fai­res Be­wer­tungs­ni­veau zu­rück­ge­kehrt. Selbst wenn die­ses sta­bil blei­ben soll­te, be­ste­he dank hö­he­ren Un­ter­neh­mens­ge­win­nen Po­ten­zi­al für wei­te­re Kurs­a­van­cen. Die Vo­la­ti­li­tät blei­be hin­ge­gen hoch und hal­te die An­le­ger in Atem. «Wir sind heu­te in ei­nem für ak­ti­ve Ma­na­ger at­trak­ti­vem Stock-Pi­cker-Markt, der noch ei­ni­ge Zeit an­hal­ten wird.»

Burck­hardt zum Bei­spiel

Seit lan­gem ist der Be­reich In­dus­trie in sei­nen Fonds klar über­ge­wich­tet. Da­mit ist Ry­b­arc­zyk gut ge­fah­ren. Hier fin­det er vie­le Un­ter­neh­men, die sei­ne An­for­de­run­gen er­fül­len und in die er lang­fris­tig in­ves­tie­ren kann. Be­son­ders liebt er Ak­ti­en wachs­tums­star­ker klei­ne­rer bis mit­tel­gros­ser Ge­sell­schaf­ten, die in ih­ren Ni­schen Welt­markt­füh­rer sind. Die Markt­füh­rer­schaft ver­lei­he ih­nen Preis­durch­set­zungs­kraft und ma­che sie we­ni­ger an­fäl­lig für Wech­sel­kurs­ver­än­de­run­gen.

Im Fonds sind un­ter den Top-10-Hol­dings u. a. die Ti­tel des Schwei­zer Kom­pres­so­ren­her­stel­lers Burck­hardt Com­pres­si­on zu fin­den (vgl. Ta­bel­le). Ry­b­arc­zyk hält sie seit der Pu­bli­kums­öff­nung im Jahr 2006. Die­ses Un­ter­neh­men er­füllt sämt­li­che Kri­te­ri­en – gu­te Bi­lanz, at­trak­ti­ve Ni­sche, Markt­füh­rer­schaft. Zu­dem kann es von ei­nem Me­ga­trend pro­fi­tie­ren: der wach­sen­den Be­deu­tung des ver­flüs­sig­ten Erd­ga­ses (LNG). Erd­gas kön­ne sich als gros­ser Ge­win­ner des De­ba­kels am Golf von Me­xi­ko er­wei­sen, glaubt Ry­b­arc­zyk, denn wenn es ei­nen Pro­fi­teur des Tran­so­ce­an-Un­falls ge­be, dann Erd­gas. Burck­hardt pro­du­ziert Kom­pres­so­ren für die Gas­ver­dich­tung, be­vor es ge­la­gert und spä­ter ver­schifft wird. Im Schiff­trans­port des Li­que­fied Na­tu­ral Gas lie­ge die Zu­kunft, um­welt­tech­nisch und po­li­tisch – wie der Pi­pe­line­dis­put zwi­schen Russ­land und der Ukrai­ne zei­ge, meint Ry­b­arc­zyk.

Er­staun­lich zu­ver­sicht­lich ist der Fonds­ma­na­ger für aus­ge­wähl­te Schwei­zer Bank­va­lo­ren. Die Kurs­schwä­che hat er für Zu­käu­fe ge­nutzt und so die zu­vor star­ke Un­ter­ge­wich­tung kor­ri­giert. Ry­b­arc­zyk ver­weist auf den neu­en, ho­hen Geld­zu­fluss in die Schweiz – dies­mal völ­lig le­gal und ver­steu­ert. Der Aspekt Si­cher­heit und auch die Wäh­rung spiel­ten wie­der ei­ne wich­ti­ge Rol­le. «So rasch geht das – nach­dem noch im Ja­nu­ar von ei­nem En­de des Schwei­zer Pri­va­te Ban­king ge­spro­chen wor­den ist!» Sol­che ra­schen Mei­nungs­um­schwün­ge und die da­mit ver­bun­de­nen Kurs­be­we­gun­gen er­öff­nen fle­xi­blen Stock Pi­ckers, wie Ralf Ry­b­arc­zyk ei­ner ist, ein at­trak­ti­ves Be­tä­ti­gungs­feld.

«Die An­pas­sungs­fä­hig­keit der Schwei­zer Ex­port­wirt­schaft hat mich schon in der Ver­gan­gen­heit be­ein­druckt.»

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