He­bel auf Ein­zel­wer­te

Finanz und Wirtschaft - - DERIVATE - MP

Ge­he­bel­te ko­tier­te In­dex­fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, ETF) wer­den in der Schweiz be­reits seit län­ge­rem an­ge­bo­ten. Com­merz­bank hat nun die aus Deutsch­land be­kann­ten Fak­tor­par­ti­zi­pa­ti­ons­zer­ti­fi­ka­te auch auf Schwei­zer Ti­tel lan­ciert. Sie er­mög­li­chen es, von stei­gen­den (long) und sin­ken­den (short) Kur­sen über­pro­por­tio­nal zu pro­fi­tie­ren. Hier­für wur­den Stra­te­gie­in­di­zes kon­stru­iert, die den struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten zu­grun­de lie­gen – et­wa auf ABB, Ro­che und UBS. Für die je­wei­li­gen In­di­zes sind pro Jahr 70 Ba­sis­punk­te Ge­büh­ren fäl­lig.

Wel­che Struk­tur wähl ich nur

Der He­bel (Fak­tor drei) wirkt auf täg­li­cher Ba­sis, die Zer­ti­fi­ka­te sind al­so pfa­dab­hän­gig. Ihr Ein­satz soll­te da­her tak­tisch sein. Für län­ger­fris­ti­ge En­ga­ge­ments eig­nen sich die Pro­duk­te nicht, auch wenn sie im Ge­gen­satz zu Op­ti­ons­schei­nen ( War­rants) kei­nen Zeit­wert­ver­lust auf­wei­sen. Des Wei­te­ren ha­ben die Fak­tor­zer­ti­fi­ka­te ei­nen Schutz­me­cha­nis­mus ein­ge­baut, der ver­hin­dern soll, dass sie un­ter­tä­gig wert­los ver­fal­len. Im Fall ei­nes Ta­ges­ge­winns (short) oder -ver­lusts (long) von 30% des Ba­sis­werts fin­det ei­ne An­pas­sung statt, in­dem ein neu­er Han­dels­tag si­mu­liert wird. Das wür­de zwar den Ver­lust be­gren­zen hel­fen, al­ler­dings kä­me dies ei­nem To­tal­aus­fall mit min­des­tens 90% trotz­dem sehr na­he.

In ei­nem Um­feld von tie­fen Zin­sen und ver­hält­nis­mäs­sig ho­her Vo­la­ti­li­tät sind mög­li­cher­wei­se Mi­ni-Fu­tures vor­zu­zie­hen – be­son­ders wenn ein an­de­rer He­bel als drei ge­wünscht wird. Die tie­fen Zin­sen be­wir­ken nur ein leicht stei­gen­des Fi­nan­zie­rungs­le­vel (fremd­fi­nan­zier­ter An­teil des Mi­ni-Fu­tures), und die hö­he­re Vo­la­ti­li­tät be­güns­tigt die Pro­duk­te ge­gen­über War­rants – Mi­ni-Fu­tures sind we­gen der feh­len­den Op­ti­ons­kom­po­nen­te im­mun ge­gen Vo­la­ti­li­täts­schwan­kun­gen.

Wann kommt VSMI-ETF?

Un­ab­hän­gig da­von, wel­cher Struk­tur der Vor­zug ge­ge­ben wird, ei­ne ver­tief­te Ana­ly­se des Ba­sis­werts ist un­ab­ding­bar und die For­mu­lie­rung ei­ner ein­deu­ti­gen Markt­mei­nung Pflicht. Denn falls sie nicht ein­trifft, ist das in der Re­gel mit ho­hem Ver­lust ver­bun­den.

Der ETF-An­bie­ter Sour­ce – ein Ver­bund von In­vest­ment­ban­ken, der auch in der Schweiz seit rund ei­nem Jahr Fuss zu fas­sen ver­sucht – hat an der London Stock Ex­ch­an­ge ei­nen ETF auf den Vix Short Term ko­tiert. Der Vix misst die Vo­la­ti­li­tät des ame­ri­ka­ni­schen S&P 500. Der ETF ist in Dol­lar de­no­mi­niert und kos­tet jähr­lich 60 Ba­sis­punk­te Ver­wal­tungs­ge­bühr.

An­le­gern er­öff­net das neue Mög­lich­kei­ten, US-Ak­ti­en ab­zu­si­chern oder auf die Ent­wick­lung des Vix zu spe­ku­lie­ren. Der Vix weist in der lang­jäh­ri­gen Be­trach­tung ei­ne ne­ga­ti­ve Kor­re­la­ti­on mit dem S&P 500 auf. Ein Pen­dant für den Schwei­zer Ak­ti­en­markt bzw. den VSMI wür­de den Be­kannt­heits­grad von Sour­ce hier­zu­lan­de be­stimmt stei­gern.

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