Wie Se­ren­ge­ti

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK -

Gleich­sam wie die deut­schen Tier­for­scher Bern­hard und Michael Gr­zimek sich für das Über­le­ben frei­le­ben­der Tie­re in Afri­ka ein­setz­ten und mit ih­rem Film «Se­ren­ge­ti darf nicht ster­ben» Welt­be­kannt­heit er­lang­ten, gilt es heu­te, sich ge­gen das lang­sa­me Auss­ter­ben der Di­rekt­an­la­ge im Ak­ti­en­be­reich zu weh­ren. Der Trend ist eben­so klar wie nicht un­ge­fähr­lich. Der Vor­marsch des Pas­si­v­an­le­gens setz­te sich 2010 fort: So ver­zeich­ne­ten bei­spiels­wei­se die Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds (ETF) ge­mäss SIX Swiss Ex­ch­an­ge das bes­te Jahr im bis­her zehn­jäh­ri­gen Da­sein. Der Um­satz die­ser An­la­ge von 71,6 Mrd. Fr. ent­spricht zwar nur 6% des 2010 an der SIX Swiss Ex­ch­an­ge und Scoach Schweiz re­gis­trier­ten Ge­samt­um­sat­zes – au­gen­fäl­lig ist in­des der Zu­wachs von 42%. Die An­zahl Tra­des nahm gar um 50% zu.

In­ves­tiert der In­ves­tor pas­siv und kauft via ETF ei­nen In­dex (oder Su­bin­dex), ge­steht er ein, mit dem Durch­schnitt (denn das ist ein In­dex) zu­frie­den zu sein. Er nimmt das in Kauf, weil er ent­we­der kei­ne Chan­ce sieht, den In­dex mit Ein­zel­in­vest­ments zu schla­gen, oder aber nicht ge­willt ist, die Ver­ant­wor­tung für den Fall zu über­neh­men, dass er mit Stock Pi­cking schlech­ter als der re­le­van­te In­dex ab­schnei­det. Wer die Pas­si­v­an­la­ge vor­zieht, ent­schei­det sich aber auch ge­gen die ak­ti­ve Par­ti­zi­pa­ti­on an Ak­tio­närs­ver­samm­lun­gen. Kann es das sein? Wo bleibt da die kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit Ver­wal­tungs­rat und Ge­schäfts­lei­tung, mit de­ren Stra­te­gie und Um­set­zung? Klar, je­der An­le­ger kann, wenn er mit der Ge­schäfts­füh­rung und de­ren Er­folgs­aus­weis nicht hap­py ist, mit den Füs­sen ab­stim­men und sich vom En­ga­ge­ment, ob Ak­ti­en oder In­di­rekt­an­la­ge, tren­nen. Wenn die freie Markt­wirt­schaft aber funk­tio­nie­ren soll, hat auch ein In­ves­tor Pflich­ten. Die­se wahr­zu­neh­men ist ein Bei­trag zur Um­set­zung des Good-Cor­po­ra­te-Go­ver­nan­ce-An­sat­zes. Ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit GV-Trak­tan­den ge­hört zu den Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten wie un­se­re Volks­rech­te. Stel­len wir uns der Her­aus­for­de­rung, pi­cken wir für die Ak­ti­en­an­la­ge die Aus­sichts­reichs­ten (da­für gibt es ziel­füh­ren­de Kri­te­ri­en!) her­aus, be­fas­sen uns mit der Un­ter­neh­mens­stra­te­gie und -füh­rung, und neh­men ak­tiv teil mit den Mit­teln und We­gen, die uns die Di­rekt­an­la­ge er­mög­licht. Die­se muss ge­lebt und ge­pflegt wer­den. Das ge­bie­tet un­ser De­mo­kra­tie­ver­ständ­nis.

Chef­re­dak­tor Zum The­ma Ak­ti­ves oder pas­si­ves Ka­pi­tal­an­le­gen?

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