CSG star­ten am bes­ten

Aus­tra­li­en für Zu­rich Ne­ben­schau­platz – Zy­kli­ker schla­gen De­fen­si­ve – Syn­gen­ta in London ge­sucht

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - RE­TO GY­SI VON WART­BURG

Die an der Schwei­zer Bör­se SIX ko­tier­ten Ak­ti­en sind zum Jah­res­be­ginn zum gröss­ten Teil schwung­voll aus den Start­blö­cken ge­kom­men, auch wenn der Um­satz noch nied­rig ist. Am Markt do­mi­niert die Er­war­tung, dass 2011 kein schlech­tes Ak­ti­en­jahr wird. Es ist kein En­de der lo­cke­ren Geld­po­li­tik ab­zu­se­hen, wo­mit viel Li­qui­di­tät an die Bör­se flies­sen dürf­te. Den­noch be­las­ten kaum Inflationssorgen, und die jüngs­ten Kon­junk­tur­da­ten aus den USA stütz­ten den Op­ti­mis­mus. Im No­vem­ber wa­ren die Bau­aus­ga­ben un­ver­hofft deut­lich ge­stie­gen, und der Auf­trags­ein­gang der In­dus­trie hat­te sich ent­ge­gen den Er­war­tun­gen aus­ge­wei­tet.

Der Swiss Mar­ket In­dex (SMI) ver­bes­ser­te sich wäh­rend der ers­ten bei­den Han­dels­ta­ge 0,9% auf 6494,31. Da­mit wur­de der schwa­che letz­te Han­dels­tag von 2010 – ei­ni­ge aus­län­di­sche Fonds­ma­na­ger dürf­ten wohl den Wäh­rungs­ge­winn in Schwei­zer Fran­ken mit­ge­nom­men ha­ben – we­nigs­tens zur Hälf­te kom­pen­siert. Am bes­ten in das Jahr ge­star­tet sind Cre­dit Suis­se Group (+4,2%), die – wie auch UBS (+2,5%) – von den gu­ten Kon­junk­tur­aus­sich­ten pro­fi­tier­ten, ob­wohl die Gross­ban­ken­va­lo­ren nicht zu den aus­sichts­reichs­ten Ak­ti­en des Jah­res ge­zählt wer­den. Sie sind wei­ter­hin mit gros­sen Un­si­cher­hei­ten und Ri­si­ken be­haf­tet, wie sich in vor­sich­ti­ger wer­den­den Ana­lys­ten­mei­nun­gen spie­gelt. Die Deut­sche Bank et­wa hat das Kurs­ziel so­wohl für UBS (auf 18 Fr.) als auch für CSG (auf 46 Fr.) re­du­ziert.

Die In­ves­to­ren in Zu­rich Fi­nan­ci­al (+1,5%) blie­ben un­be­ein­druckt von der Mit­tei­lung, der Schwei­zer Ver­si­che­rer sei ei­ner von vier Kon­zer­nen, die dem Bun­des­staat New York ge­samt­haft 120 Mio. $ zu zah­len hät­ten we­gen über­höh­ter Ver­si­che­rungs­ta­ri­fe. Zur Be­las­tung als Fol­ge der Flut­schä­den in Aus­tra­li­en (vgl. Sei­te 2) nimmt Zu­rich auf An­fra­ge kei­ne Stel­lung. Ei­ne öf­fent­li­che Mit­tei­lung wür­de erst nö­tig, falls das Scha­dens­aus­mass üb­li­che Wer­te über­stie­ge. Aus­tra­li­en ist für Zu­rich ein Ne­ben­schau­platz. Das Ge­schäft im gan­zen asia­tisch-pa­zi­fi­schen Raum (mit Schwerpunkt in Ja­pan) macht le­dig­lich et­wa 3% des Kon­zern­to­tals aus.

Swiss Re (+1,6%) ha­ben den gu­ten Wo­chen­start am Di­ens­tag teil­wei­se preis­ge­ben müs­sen, da meh­re­re Ver­si­che­rungs­bro­ker ge­mäss der Nach­rich­ten­agen­tur Reuters von wei­ter nach­ge­ben­den Ta­ri­fen in Neu­ab­schlüs­sen der Rück­ver­si­cherer­bran­che be­rich­te­ten. Das Un­ter­neh­men be­wies aber mit ei­ner neu­er­li­chen Ver­brie­fung von Scha­den­ri­si­ken die Fä­hig­keit

Gross­ban­ken­va­lo­ren vor­an

zur Steue­rung des für In­ves­to­ren ver­blei­ben­den Ge­fah­ren­po­ten­zi­als.

Tran­so­ce­an darf boh­ren

Die Ak­ti­en des Agri­busi­ness­kon­zerns Syn­gen­ta (+3,9%) wur­den im Vor­feld der Pu­bli­ka­ti­on der Un­ter­neh­mens­zah­len der Kon­kur­ren­tin Monsan­to am Don­ners­tag von Käu­fen aus London ge­stützt. Fonds aus Gross­bri­tan­ni­en be­gän­nen sich zu po­si­tio­nie­ren, heisst es am Markt. Dem Un­ter­neh­men wird Wachs­tums-und vor al­lem Mar­gen­po­ten­zi­al ein­ge­räumt.

Auch Tran­so­ce­an (+3,9%) pro­fi­tier­ten von der Hoff­nung auf ein ver­bes­ser­tes Er­geb­nis. Die USA will erst­mals seit der Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko Boh­run­gen zu­las­sen. So­mit könn­ten drei­zehn Un­ter­neh­men, dar­un­ter Tran­so­ce­an, die Boh­run­gen fort­set­zen, die im letz­ten Früh­ling we­gen der Um­welt­ka­ta­stro­phe ge­stoppt wer­den muss­ten. An­ge­sichts des wei­ter­hin stei­gen­den Öl­prei­ses zah­len sich die (ho­hen) In­ves­ti­tio­nen in Bohr­un­ter­fan­gen der­zeit be­son­ders gut aus.

Auf­grund der Kon­junk­tur­hoff­nun­gen er­freu­ten sich über­dies be­son­ders Zy­kli­ker wie SGS (+3,1%) oder ABB (+2,3%) ei­ner gu­ten Nach­fra­ge an der Bör­se. Man­gels fun­da­men­ta­ler Neu­ig­kei­ten wur­den stra­te­gi­sche Emp­feh­lun­gen – ABB fan­den in die Eu­ro­pean Selec­ted List Lar­ge Caps von Cheu­vreux Un­ter­schlupf – mehr ge­wich­tet als üb­lich.

Im Ge­gen­satz zu den kon­junk­tur­sen­si­ti­ven Wer­ten blie­ben de­fen­si­ve Va­lo­ren wie Nest­lé (–0,5%) zu­rück. Am Markt wur­den Um­schich­tun­gen in Uni­le­ver be­ob­ach­tet. Der Le­bens­mit­tel­mul­ti trägt 24% zum SMI bei und ist da­mit der schwers­te Ti­tel im In­dex.

Un­ter den Mid Caps fie­len Sul­zer (+1,2%) und vor al­lem OC Oer­li­kon (+9%) auf. Der Grund da­für dürf­te auch hier sein, dass für bei­de Pa­pie­re ak­tu­ell Emp­feh­lun­gen pu­blik wur­den – wo­bei die Übungs­an­la­ge un­ter­schied­li­cher nicht sein könn­te: Sul­zer ist ope­ra­tiv bes­tens im Schuss und ver­fügt über ei­ne ro­bus­te Bi­lanz (und dem­ent­spre­chend Ak­qui­si­ti­ons­kraft), wäh­rend OC Oer­li­kon ein Tur­naround-Fall ist.

Lem ge­win­nen im­mer mehr

Er­neut ten­dier­ten Lem (+13,4%) über­ra­gend. Die Ti­tel des klei­nen Gen­fer Elek­tro­kom­po­nen­ten­her­stel­lers zähl­ten be­reits ver­gan­ge­nes Jahr zu den Ge­win­nern an der Schwei­zer Bör­se. Nicht zu Un­recht: Das Un­ter­neh­men hat die Kri­se längst über­wun­den und ist im Wachs­tums­markt Chi­na gut auf­ge­stellt. Dort pro­fi­tiert es vor al­lem von den enor­men In­ves­ti­tio­nen in den Aus­bau des Schie­nen­ver­kehrs.

Yp­so­med (+5,6%) set­zen ih­ren Hö­hen­flug, zu dem sie über die Fei­er­ta­ge an­ge­setzt hat­ten, oh­ne er­sicht­li­chen Grund fort. Auf An­fra­ge von «Fi­nanz und Wirt­schaft» konn­te sich auch das Un­ter­neh­men selbst kei­nen Reim auf die Kurs­a­van­ce von mehr als 10% in­ner­halb we­ni­ger Han­dels­ta­ge ma­chen.

Zu den Ge­win­nern zähl­ten auch For­bo (+4,2%). Die Märk­te rech­nen mit ei­nem gu­ten Er­geb­nis 2010. Es zeich­net sich gar ein Re­kord­ge­winn ab. Ver­trau­ens­för­dernd wirkt zu­dem die Ver­trags­ver­län­ge­rung mit CEO This E. Schnei­der bis 2016. Ver­län­gert wird auch das in­no­va­ti­ve Ver­gü­tungs­sys­tem: Ne­ben den Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen wer­den Schnei­der wei­ter­hin al­le Ver­gü­tun­gen (Lohn, Bo­nus) in For­bo-Ak­ti­en aus­be­zahlt.

Zu den gros­sen Ver­lie­rern 2010 ge­hör­ten die Strom­ak­ti­en. Seit ei­ni­gen Ta­gen je­doch kehrt et­was Ver­trau­en in Ver­sor­ger­wer­te wie BKW (+1%) zu­rück. Der Elek­tri­zi­täts­kon­zern mel­det ei­nen neu­en Pro­duk­ti­ons­re­kord für das Kraft­werk Müh­le­berg, über des­sen Er­satz der Kan­ton Mit­te Fe­bru­ar ab­stimmt. Auch ver­han­delt er der­zeit mit dem Spe­zi­al­stahl­her­stel­ler As­co­mé­tal den Er­werb der Was­ser­kraft­werks­grup­pe Al­le­vard in den fran­zö­si­schen Al­pen, un­weit von Cham­bé­ry.

Lo­gi­tech (+0,3%) wer­den seit En­de Jahr von Ge­rüch­ten be­las­tet, die Pro­duk­ti­on der für Goog­le TV not­wen­di­gen Set­topBo­xen sei aus­ge­setzt wor­den. Als Grund wur­den Soft­ware­an­pas­sun­gen von Goog­le an­ge­führt. Das Un­ter­neh­men hat die Ge­rüch­te in­zwi­schen zwar de­men­tiert, nun wird aber be­reits spe­ku­liert, Lo­gi­tech ha­be die Pro­duk­ti­on we­gen ge­rin­ger Nach­fra­ge dros­seln müs­sen. Für Auf­klä­rung wird die Prä­sen­ta­ti­on der Quar­tals­er­geb­nis­se am 27. Ja­nu­ar sor­gen. Dann wird auch er­sicht­lich, wie gut das wich­ti­ge Weih­nachts­ge­schäft ver­lau­fen ist.

Markt-Mo­ni­tor SIX

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