US-Geld­po­li­tik sorgt für Ne­ga­tiv­kur­se

ER­TRAG VON STAATS­AN­LEI­HEN IM VIER­TEN QUAR­TAL Fran­ken ver­stärkt lo­ka­le Wert­ver­lus­te

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - VON­TO­BEL AS­SET MA­NAGE­MENT,

Die Ent­wick­lung der Staats­an­lei­hen in Lo­kal­wäh­rung ver­lief im vier­ten Quar­tal 2010 – im Ge­gen­satz zu den drei Vor­quar­ta­len – durch­gän­gig ne­ga­tiv. Die gröss­ten Ein­bus­sen ver­zeich­ne­te Schwe­den (–3,51%), ge­folgt von Dä­ne­mark (–3,27%), Un­garn (–3,17%) und den USA (–2,67%). Der Frankenkapitalmarkt ver­lor 0,95%.

Haupt­grund war die aber­mals deut­li­che Lo­cke­rung der US-Geld­po­li­tik (Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing, QE), um das nied­ri­ge USWirt­schafts­wachs­tum zu sti­mu­lie­ren. Zu­nächst setz­ten in den USA Ge­winn­mit­nah­men ein, nach­dem die Dol­lar­ka­pi­tal­markt­zin­sen im Vor­feld des QE noch­mals deut­lich ge­sun­ken wa­ren. Zwar be­gann das Fed im No­vem­ber, Staats­an­lei­hen zu kau­fen. Die Be­trä­ge wa­ren aber nicht markt­be­stim­mend, da sich das Kauf­pro-

Er­trag von Staats­an­lei­hen in Fran­ken gramm bis Mit­te 2011 hin­zieht. Zu­dem wur­den über­ra­schend po­si­ti­ve US-Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren ge­mel­det (Lea­ding In­di­ca­tor, Ein­käu­fer­index, Erst­an­trä­ge Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung, De­tail­han­dels­um­satz). Ent­spre­chend un­wahr­schein­lich ist ein Rück­fall der US-Wirt­schaft in die Re­zes­si­on. In der Fol­ge nah­men die lang­fris­ti­gen In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen zu. Schliess­lich wächst die US-Staats­schuld wei­ter, be­son­ders nach den zum Jah­res­en­de be­schlos­se­nen Aus­ga­ben­er­hö­hun­gen und Steu­er­sen­kun­gen.

Die deut­lich ne­ga­ti­ven Ren­di­ten der lo­ka­len Ka­pi­tal­märk­te wur­den durch die mas­si­ve Fran­ken­auf­wer­tung ver­stärkt. Zum ei­nen trug das QE zur Schwä­chung des Dol­lars bei, da das An­ge­bot schnel­ler als die Nach­fra­ge stieg. Zum an­de­ren ging die Fran­ken­här­te auf die er­neu­te Es­ka­la­ti­on der Fi­nanz­kri­se in der Eu­ro­päi­schen Wäh­rungs­uni­on (EWU) zu­rück. Die Ka­pi­tal­märk­te preis­ten über ho­he Ri­si­ko­prä­mi­en die Mög­lich­keit ein, dass nach Ir­land auch Por­tu­gal und Spa­ni­en un­ter den Ret­tungs­schirm (EFSF) ge­nom­men wer­den könn­ten. Die Märk­te blie­ben mit der Hand­ha­bung der Kri­se durch die eu­ro­päi­schen Po­li­ti­ker un­zu­frie­den. Sie be­rie­ten im De­zem­ber er­neut über die Sta­bi­li­tät der EWU, prä­sen­tier­ten in­des nur Mi­ni­mal­lö­sun­gen, kei­ne Zu­kunfts­vi­sio­nen.

Da­mit er­ga­ben sich im 4. Quar­tal – in Fran­ken – mas­si­ve Wert­ein­bus­sen. Die ost­eu­ro­päi­schen Märk­te ver­lo­ren teil­wei­se bei­na­he 10%. Nicht viel bes­ser er­ging es Dä­ne­mark (–9,07% mit Wäh­rungs­an­bin­dung an den Eu­ro), Deutsch­land (–8,71%) und Gross­bri­tan­ni­en (–8,61%). Glimpf­lich da­von kam ne­ben dem Frankenkapitalmarkt nur Aus­tra­li­en (–0,14%).

Da­mit er­gibt sich aus Sicht ei­nes Fran­ken­in­ves­tors 2010 fol­gen­de Per­for­mance-Rang­lis­te: An ers­ter Stel­le ste­hen wie im Vor­jahr aus­tra­li­sche Staats­an­lei­hen (8,67%). Der fünf­te Kon­ti­nent pro­fi­tier­te vom Boom in Asi­en, ge­folgt von Ja­pan (4,74%) und dem Heim­markt (3,65%). Die Per­for­mance an den üb­ri­gen Märk­ten war (ab­ge­se­hen von Ka­na­da) deut­lich ne­ga­tiv. Am Schluss ran­giert das po­li­tisch und wirt­schaft­lich in­sta­bi­le Un­garn (–12,44%) vor Deutsch­land (–10,66%), Dä­ne­mark (–9%) und Tsche­chi­en (–7,03%).

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