Staats­pa­pie­re im An­ge­bot

IN­TER­NA­TIO­NA­LE AN­LEI­HEN Die Mit­glie­der der Eu­ro­zo­ne be­nö­ti­gen 1722 Mrd. – EFSM in Start­po­si­ti­on

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - JEAN­NE RICHENBERGER

Die­se Wo­che – der ers­ten im neu­en Jahr – be­reits auf dem Pri­mär­markt ak­tiv wa­ren Frank­reich, Deutsch­land und Bel­gi­en. Frank­reich er­höh­te kurz­fris­ti­ge An­lei­hen um 8 Mrd. €. Die Bun­des­re­pu­blik auk­tio­nier­te zwei Pa­pie­re mit Fäl­lig­keit 2016 und 2021. Bel­gi­en stock­te in den kom­men­den zwölf Mo­na­ten fäl­li­ge Kurz­läu­fer 2,6 Mrd. € auf.

Cre­dit De­fault Swaps (CDS) wei­sen auf ei­ne wei­ter­hin an­ge­spann­te La­ge der Eu­ro­zo­ne hin. Mit die­sen Kre­dit­de­ri­va­ten kann sich ein Ob­li­ga­tio­när ge­gen den Zah­lungs­aus­fall ei­nes Lan­des ab­si­chern. Fünf­jäh­ri­ge Kon­trak­te auf Ir­land er­reich­ten mit 617 Ba­sis­punk­ten (Bp) ei­nen his­to­ri­schen Re­kord. Aber auch die CDS der üb­ri­gen PIGS-Staa­ten – Por­tu­gal, Grie­chen­land, Spa­ni­en – stie­gen noch­mals. Zum Ver­gleich: Deut­sche CDS kos­ten 59 Bp. Den­noch sieht die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) we­ni­ger Hand­lungs­be­darf: Sie hat im Rah­men des Se­cu­ri­ties Mar­ket Pro­gram (SMP) das Auf­kauf­vo­lu­men in der letz­ten De­zem­ber­wo­che re­du­ziert (vgl. Gra­fik). Der rap­por­tier­te Wert von 164 Mio. € ist der tiefs­te seit den Tur­bu­len­zen um Ir­land. Noch im Mai 2010 hat­te die EZB in­ner­halb von zwei Wo­chen Pa­pie­re über 20 Mrd. € er­wor­ben, ge­samt­haft wur­den An­lei­hen über 73,5 Mrd. € er­wor­ben. Im neu­en Jahr wer­den die Mit­glie­der der Eu­ro­zo­ne schät­zungs­wei­se 731,6 Mrd. € Geld­markt­ti­tel so­wie 902,5 Mrd. € mit­te­lund lang­fris­ti­ge Staats­an­lei­hen emit­tie­ren. Da­mit soll ein Fi­nanz­be­darf von 1722,2 Mrd. € ge­deckt wer­den. Per En­de 2010 hat­te die Eu­ro­zo­ne Bonds über 7447,6 Mrd. € mit ei­ner durch­schnitt­li­chen Lauf­zeit von 6,7 Jah­ren aus­ste­hend.

Mit ei­nem Vo­lu­men von 435,1 Mrd. € gröss­ter Emit­tent der Eu­ro­zo­ne wird 2011 Frank­reich sein, ge­folgt von Ita­li­en (373,9 Mrd.) und Deutsch­land (312,9 Mrd.). Im ver­gan­ge­nen Jahr gröss­ter Schuld­ner, mit aus­ste­hen­den Staats­an­lei­hen über 1824,3 Mrd. € war Ita­li­en. Auf Platz zwei und drei ran­gier­ten Deutsch­land (1822,4 Mrd.) und Frank­reich (1591,5 Mrd.). Für 2012 wird der Re­fi­nan­zie­rungs­be­darf der Eu­ro­zo­ne auf 1781,3 Mrd. € ge­schätzt, er nimmt al­so al­so noch­mals zu. Die Pe­ri­phe­rie­staa­ten

Frank­reich ist Num­mer eins

der Eu­ro­zo­ne, Por­tu­gal, Ir­land, Grie­chen­land und Spa­ni­en, wer­den im lau­fen­den Jahr 38,5 Mrd., 35,5 Mrd., 55,6 Mrd. bzw. 210,1 Mrd. € emit­tie­ren. En­de 2010 hat­ten die vier Län­der Staats­an­lei­hen über 137,3 Mrd., 128,4 Mrd., 314,1 Mrd. bzw. 599,7 Mrd. € aus­ste­hend.

Eben­falls bald Staats­an­lei­hen in Eu­ro be­ge­ben wird Est­land, das jüngs­te Mit­glied der Wäh­rungs­uni­on. Die Re­pu­blik hat am 1. Ja­nu­ar die Ge­mein­schafts­wäh­rung ein­ge­führt. Lett­land und Li­tau­en, die an­de­ren zwei Staa­ten des Bal­ti­kums, ver­fü­gen wei­ter­hin über ih­re Heim­wäh­run­gen. Sie sind je­doch bei­de Mit­glied des Wech­sel­kurs­me­cha­nis­mus II. Er ist die Vor­aus­set­zung für den Bei­tritt zur Eu­ro­zo­ne: Staa­ten, die die Ein­heits­va­lu­ta ein­füh­ren wol­len, müs­sen ih­re Wäh­rung wäh­rend zwei­er Jah­re in ei­ner be­stimm­ten Band­brei­te zum Eu­ro hal­ten. Dem­nach ist im Fall von Lett­land frühs­tens 2014, im Fall von Li­tau­en 2012 mit der Ein­füh­rung der eu­ro­päi­schen Ge­mein­schafts­wäh­rung zu rech­nen.

Nicht nur die Mit­glie­der der Eu­ro­zo­ne, son­dern auch die Eu­ro­päi­sche Uni­on wird 2011 Wert­pa­pie­re emit­tie­ren. Der Tri­pleA-Schuld­ner ist zu­stän­dig für ei­nen Teil des iri­schen Un­ter­stüt­zungs­pa­kets. Des­halb be­läuft sich das Plan­vo­lu­men 2011 auf 20 Mrd. € – hier­von sind 19 Mrd. € dem Eu­ro­pean Fi­nan­ci­al Sta­bi­liza­t­i­on Mecha­nism EFSM zu­zu­schrei­ben. Die ge­plan­ten An­lei­hen sol­len in Eu­ro de­no­mi­niert sein und mit Lauf­zei­ten von fünf bis zehn Jah­ren aus­ge­stat­tet wer­den. Eben­falls in den Start­lö­chern ist die Eu­ro­pean Fi­nan­ci­al Sta­bi­li­ty Fa­ci­li­ty EFSF. Sie kann ma­xi­mal ein Vo­lu­men von 440 Mrd. € emit­tie­ren.

Der Pri­mär­markt für eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men ist der­zeit in­ak­tiv, die Aus­sich­ten sind vor­teil­haft. Ge­mäss Moo­dy’s ha­ben die Ge­sell­schaf­ten ih­re Bi­lan­zen wei­ter ge­stärkt. Die Ra­ting­agen­tur at­tes­tiert 71% der Un­ter­neh­men sta­bi­le Aus­sich­ten. Un­ter Druck ge­ra­ten kön­ne die Bo­ni­tät künf­tig durch ge­rin­ges Wachs­tum und wei­te­re Eu­ro­zo­n­etur­bu­len­zen.

Die An­lei­hen­ex­per­ten von BNY Mel­lon ru­fen in Er­in­ne­rung, dass Un­ter­neh­mens­an­lei­hen für ei­ne at­trak­ti­ve Per­for­mance nicht un­be­dingt ho­he Dy­na­mik, ob beim Wirt­schafts-oder beim Ge­winn­wachs­tum, be­nö­ti­gen. Wich­tig sei, dass mit be­dien­ten An­lei­hen ge­rech­net wer­den kön­ne. Da­für sprä­chen die Un­ter­neh­mens­er­geb­nis­se, die 2010 den Er­war­tun­gen ent­spra­chen oder auf der po­si­ti­ven Sei­te über­rasch­ten. Zu­sätz­lich sei­en die Spreads at­trak­tiv.

Fällt El­fen­bein­küs­te aus?

Auf der an­de­ren Sei­te des At­lan­tiks deck­te ei­ne be­son­de­re Ge­sell­schaft Ka­pi­tal­be­darf über 1,5 Mrd. $: Berk­shire Hat­ha­way. Die ame­ri­ka­ni­sche Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft – ge­lei­tet vom be­kann­ten An­le­ger War­ren Buf­fett – of­fe­rier­te zwei Tran­chen mit Fäl­lig­keit 2014 und ei­ne zehn­jäh­ri­ges Pa­pier. Die in drei Jah­ren fäl­li­gen An­lei­hen wer­den va­ria­bel (Li­bor plus 33 Bp) bzw. zu 11⁄ 2% ver­zinst. Der län­ger­lau­fen­de Bond of­fe­riert ei­nen Cou­pon von 41⁄ 4%. Im Ver­gleich zu ame­ri­ka­ni­schen Staats­an­lei­hen bie­ten die fest­ver­zins­li­chen Ob­li­ga­tio­nen ei­nen Ri­si­ko­zu­schlag von 58 und 95 Bp. Er­klärt wer­den kann die­ser ge­rin­ge Spre­ad durch die ho­he Kre­dit­qua­li­tät: Berk­shire Hat­ha­way wird von Fitch mit A+, von Moo­dy’s mit Aa2 und von Stan­dard & Poor’s mit AA+ be­no­tet.

In den po­li­ti­schen Ir­run­gen und Wir­run­gen ver­säum­te El­fen­bein­küs­te ei­ne halb­jäh­ri­ge Zins­zah­lung über 30 Mio. $. Da­von be­trof­fen ist ei­ne Dol­lar­an­lei­he über 2,3 Mrd. $. Der Bond mit Cou­pon 21⁄ 2% und Fäl­lig­keit 2032 no­tiert der­zeit 42%. Die Zah­lung wä­re am Frei­tag fäl­lig ge­we­sen, al­ler­dings be­fin­det sich der welt­gröss­te Ka­kao­pro­du­zent noch in ei­ner dreis­sig­tä­gi­gen Schon­frist. El­fen­bein­küs­te war be­reits 2000 aus­ge­fal­len – da­von be­trof­fen wa­ren Dol­l­ar­bonds über 1,2 Mrd. so­wie in fran­zö­si­schen Francs de­no­mi­nier­te Pa­pie­re über 1 Mrd. $.

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