Wei­te­re Wäh­rungs­ver­lus­te der SNB

DE­VI­SEN Na­tio­nal­bank di­ver­si­fi­ziert die De­vi­sen­re­ser­ven – Leicht­fer­ti­ge Kri­tik an Fran­ken­steue­rung

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - UR­SI­NA KUBLI,

Im De­zem­ber hat die Fran­ken­auf­wer­tung hat er­neut an Fahrt ge­won­nen: Der han­dels­ge­wich­te­te Aus­sen­wert leg­te in­ner­halb ei­nes Mo­nats 5% zu. Die Eu­ro­kri­se so­wie die Angst vor ei­nem Wäh­rungs­krieg ha­ben für ei­ne un­ge­bro­che­ne Nach­fra­ge nach dem als si­che­rer Ha­fen gel­ten­den Fran­ken ge­sorgt.

Mit ei­ner stär­ke­ren hel­ve­ti­schen Va­lu­ta ver­lie­ren die De­vi­sen­re­ser­ven der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB) an Wert: Be­reits in den ers­ten drei Quar­ta­len 2010 hat­te die SNB wäh­rungs­be­ding­te Ver­lus­te von 21 Mrd. Fr. zu ver­mel­den. Nach un­se­ren Be­rech­nun­gen sind im vier­ten Quar­tal zu­sätz­lich 10 Mrd. Fr. an­ge­fal­len.

De­vi­sen­re­ser­ven ver­vier­facht

Im Rah­men der Markt­ein­grif­fe, die bis Mai 2010 vor­ge­nom­men wur­den, ha­ben sich die De­vi­sen­re­ser­ven der SNB ver­vier­facht. In­zwi­schen ma­chen sie über 75% der ge­sam­ten Na­tio­nal­bank­bi­lanz aus. Wer­den die üb­ri­gen An­la­ge­wer­te hin­zu­ge­zählt, sind rund 95% der Ak­ti­ven in Fremd­wäh­rung de­no­mi­niert. Da­mit ist die Bi­lanz der SNB nicht nur län­ger, son­dern auch ri­si­ko­be­haf­te­ter ge­wor­den. Tho­mas Jor­dan, Vi­ze­prä­si­dent des SNB-Di­rek­to­ri­ums, er­klär­te im De­zem­ber das Wech­sel­kurs­ri­si­ko zum be­deu­tends­ten bi­lan­zi­el­len Ri­si­ko.

Könn­te ei­ne wei­te­re Ver­schär­fung der Eu­ro­kri­se gar die Sol­venz der SNB be­dro­hen? Die­se Ängs­te sind über­trie­ben. Selbst ein ne­ga­ti­ves Ei­gen­ka­pi­tal wür­de die SNB nicht zum Bank­rott trei­ben. Denn ei­ne Zen­tral­bank kann – im Ge­gen­satz zu Ge- schäfts­ban­ken – zur Til­gung ih­rer Ver­bind­lich­kei­ten zu­sätz­li­che Li­qui­di­tät schaf­fen. Eben­so ist die SNB in­ter­na­tio­nal ge­se­hen nach wie vor über­durch­schnitt­lich mit Ei­gen­ka­pi­tal do­tiert. Dank des ste­ti­gen Auf­baus von Rück­stel­lun­gen ist das Ka­pi­tal­pols­ter ge­nü­gend hoch, um kurz­fris­ti­ge Wäh­rungs­ver­lus­te zu tra­gen.

Un­se­re Be­rech­nun­gen zei­gen, dass der han­dels­ge­wich­te­te Fran­ken wei­te­re 30% stei­gen müss­te, be­vor die Wäh­rungs­ver­lus­te zu ei­nem ne­ga­ti­ven Ei­gen­ka­pi­tal füh­ren wür­den. Zu­dem zei­gen die sta­tis­ti­schen Da­ten der SNB, dass sie ihr Klum­pen­ri­si­ko ge­gen­über dem Eu­ro deut­lich ab­ge­baut hat. Wäh­rend sich die De­vi­sen­re­ser­ven vor­über­ge­hend zu 70% auf Eu­ro­an­la­gen kon­zen­triert hat­ten, wur­de die­ser An­teil in der Zwi­schen­zeit auf 55% re­du­ziert. Zur Di­ver­si­fi­ka­ti­on hat die SNB be­son­ders in ja­pa­ni­schem Yen und in USDol­lar Po­si­tio­nen auf­ge­baut. Erst­mals ging sie An­la­gen in aus­tra­li­schem und Sin­ga­pur-Dol­lar so­wie schwe­di­scher Kro­ne ein.

Den­noch: Vie­le Markt­be­ob­ach­ter be­ur­tei­len die De­vi­sen­markt­in­ter­ven­tio­nen der SNB kri­tisch. Mit ei­nem Blick auf den der­zei­ti­gen Eu­ro­kurs auf 1.25 Fr./€ kann man die Markt­ein­grif­fe der Na­tio­nal­bank leicht­fer­tig als gros­sen Miss­er­folg ab­tun. Schliess­lich hat­te sich die SNB noch im Mai 2010 auf ei­ner No­tie­rung von 1.43 fr./€ ge­gen ei­ne wei­te­re Fran­ken­auf­wer­tung ge­wehrt. Hier­bei ist je­doch nicht zu ver­ges­sen, wes­halb die SNB 2009 mit Eu­ro­käu­fen be­gann: Da­mals steck­te die Welt­wirt­schaft in der tiefs­ten Re­zes­si­on seit den Dreis­si­ger­jah­ren. Die Zen­tral­ban­ken hat­ten al­le mög­li­chen In­stru­men­te er­grif­fen, um ein Ab­glei­ten in ei­ne ge­fähr­li­che De­fla­ti­ons­spi­ra­le zu ver­hin­dern. In ei­ner klei­nen, of­fe­nen Volks­wirt­schaft wie der Schweiz war es in die­sem Um­feld sinn­voll, die De­fla­ti­ons­ge­fahr über den Wech­sel­kurs ein­zu­däm­men. Der Be­schluss der SNB, Eu­ro zu kau­fen, war folg­lich kein An­la­ge­ent­scheid. Im kri­ti­schen Mo­ment, als die Schwei­zer Wirt­schaft in­mit­ten der Re­zes­si­on steck­te, wa­ren die In­ter­ven­tio­nen sehr er­folg­reich. Bis En­de 2009 konn­te der Kurs über 1.50 Fr./€ ge­hal­ten wer­den.

Fran­ken über­be­wer­tet

Die Kri­tik an der Wäh­rungs­po­li­tik der SNB dürf­te je­doch noch an­dau­ern. Die Eu­roängs­te wer­den erst En­de 2011 ab­klin­gen – zu die­sem Zeit­punkt wer­den ers­te Er­geb­nis­se der Spar­an­stren­gun­gen der de­fi­zi­tä­ren Eu­ro­län­der vor­lie­gen. Kann das Ver­trau­en in die eu­ro­päi­sche Ge­mein­schafts­wäh­rung ge­fes­tigt wer­den, rü­cken im Rah­men der An­la­ge­ent­schei­dun­gen die Be­wer­tung der Wäh­run­gen wie­der in den Vor­der­grund.

Un­se­re Be­rech­nun­gen der Kauf­kraft­pa­ri­tä­ten zei­gen, dass der Fran­ken ge­gen­über dem Eu­ro, Dol­lar und Pfund über sei­nen fai­ren Wert ge­stie­gen ist. Die­se Über­trei­bun­gen dürf­ten sich im Ver­lauf der kom­men­den zwölf Mo­na­te kor­ri­gie­ren. Da­mit dürf­ten auch die Wäh­rungs­ver­lus­te teil­wei­se aus den Bü­chern der SNB ver­schwin­den.

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