Auf und Ab an Wal­ls­treet

Rich­tungs­lo­se US-Bör­sen am Di­ens­tag – App­le über 300 Mrd. $, Face­book rund 50 Mrd. $ wert

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - MAR­TIN GOLLMER

Die Hoff­nung auf ei­ne wei­te­re Kon­junk­tur­er­ho­lung hat die US-Bör­sen am ers­ten Han­dels­tag des Jah­res auf neue Re­kord­ni­veaus ge­trie­ben (vgl. Sei­te 29). So schloss das Blue-Chip­Ba­ro­me­ter Dow Jo­nes In­dus­tri­al am Mon­tag­abend so hoch wie seit Sep­tem­ber 2008 nicht mehr. Ge­gen­über dem Alt­jah­res­schluss stand es 0,8% hö­her auf 11 670,75. Für den brei­ter auf­ge­stell­ten S&P-500In­dex ging es 1,1% auf 1271,87 nach oben. Der tech­no­lo­gie­las­ti­ge Nas­daq-Com­po­si­teIn­dex klet­ter­te 1,5% auf 2691,52. Die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Tre­a­su­ry No­tes stieg 3 Ba­sis­punk­te auf 3,34%.

Gut auf­ge­nom­men wur­de am Mon­tag der leicht ge­sun­ke­ne Ein­kaufs­ma­na­ger­index Chi­nas, der et­was Druck von ei­ner wei­te­ren Straf­fung der Geld­po­li­tik ge­nom­men hat. Zu­dem hell­te sich in den USA die Stim­mung der Ein­kaufs­ma­na­ger im ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be im De­zem­ber et­was stär­ker als er­war­tet auf, und die US-Bau­aus­ga­ben wa­ren im No­vem­ber un­er­war­tet deut­lich ge­stie­gen. Am Di­ens­tag konn­ten die Bör­sen trotz un­er­war­tet gu­ter Auf­trags­da­ten der US-In­dus­trie nicht mehr an ih­ren er­folg­rei­chen Jah­res­auf­takt vom Vor­tag an­knüp­fen. Der Dow Jo­nes lag im frü­hen Han­del mal im Plus, mal im Mi­nus. Der Nas­daq sank nach gu­tem Start in ne­ga­ti­ves Ter­rain. Mit ein Grund war, dass die US-Bank Mor­gan St­an­ley die op­ti­mis­ti­schen Er­war­tun­gen dämpf­te. Das Wert­schrif­ten­haus geht für 2011 von ei­nem ne­ga­ti­ven Chan­cen-Ri­si­ko-Pro­fil aus und sagt dem S&P-500-In­dex zum Jah­res­en­de ei­nen Stand un­ter­halb des Schluss­kur­ses vom Vor­jahr vor­aus. Der Dow Jo­nes no­tier­te nach zwei Han­dels­stun­den knap­pe 0,1% tie­fer als am Mon­tag, der Nas­daq ver­lor 0,5%.

Die Ti­tel von Bank of Ame­ri­ca (14.19 $ am Mon­tag, +6,9% seit Don­ners­tag) setz­ten sich am Mon­tag mit ei­nem sat­ten Auf­schlag von 6,4% klar an die Dow-Spit­ze. Die gröss­te Bank der USA muss zwar ins­ge­samt 5 Mrd. $ in den Wind schrei­ben. Der Haupt­teil der Sum­me – 2,8 Mrd. $ – rührt aus ei­ner Ei­ni­gung mit den bei­den qua­si-ver­staat­lich­ten Bau­fi­nan­zie­rern Fan­nie Mae (0.33 $, +8,3%) und Fred­die Mac (0.33 $, +9,6%) her, die gros­se Pa­ke­te an Im­mo­bi­li­en­kre­di­ten auf­ge­kauft hat­ten und sich im Nach­hin­ein über­vor­teilt fühl­ten. We­gen der Wirt­schafts­kri­se kön­nen vie­le Haus­be­sit­zer ih­re Hy­po­the­ken nicht be­die­nen. Mit der Ei­ni­gung wur­de aber ein lan­ge schwe­len­der Rechts­streit aus der Welt ge­schaf­fen, der wie ein Da­mokles­schwert über der Bank hing. Die An­le­ger re­agier­ten ent­spre­chend er­leich­tert.

Ana­lys­ten­stu­di­en sorg­ten eben­falls für deut­li­che Kurs­ge­win­ne. So klet­ter­ten die Ak­ti­en von Al­coa (15.80 $, +3,9%) nach ei­ner Kauf­emp­feh­lung der Deut­schen

Er­war­tun­gen ge­dämpft

In­di­zes New York Bank um 2,7% und wa­ren da­mit der dritt­bes­te Wert im Dow. Dem Alu­mi­ni­um­kon­zern dürf­te die ope­ra­ti­ve Trend­wen­de ge­lun­gen sein, schrieb Ana­lyst Jor­ge Be­ris­tain. Zu­dem soll­te Al­coa in den kom­men­den Jah­ren von den er­war­te­ten Stei­ge­run­gen des Alu­mi­ni­um­prei­ses pro­fi­tie­ren. 2010 sei der Ti­tel noch der schwächs­te der von ihm be­ob­ach­te­ten Me­tall-und Berg­bau­va­lo­ren ge­we­sen. Am 10. Ja­nu­ar er­öff­net das Un­ter­neh­men mit dem Be­richt zum vier­ten Ge­schäfts­quar­tal 2010 die Be­richts­sai­son in den USA.

Un­ter den Tech­no­lo­gie­wer­ten pro­fi­tier­ten App­le (329.57 $, +1,8%) von ei­ner Kurs­zie­ler­hö­hung durch das Re­se­arch­haus Op­pen­hei­mer. Das iPho­ne dürf­te bald auch von dem Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men Ve­ri­zon Com­mu­ni­ca­ti­ons (36.43 $, +2,4%) an­ge­bo­ten wer­den, schrie­ben die Ex­per­ten zur Be­grün­dung. Die App­le-Pa­pie­re leg­ten um 2,2% auf 329.57 $ zu. Zwi­schen­zeit­lich hat­ten sie auf 330.26 $ so­gar ein neu­es Re­kord­hoch mar­kiert. Der Tech-Kon­zern ist nun an der Bör­se mehr als 300 Mrd. $ schwer. Da­mit ist er das wert­volls­te Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men und hin­ter dem Öl-und Gas­mul­ti Exxon Mo­bil (74.55 $, +1,6%) die am zweit­höchs­ten be­wer­te­te bör­sen­ge­han­del­te Ge­sell­schaft der Welt.

Das so­zia­le On­line-Netz­werk Face­book hat in ei­nem De­al mit der In­vest­ment­bank Gold­man Sachs (173.05 $, +3,2%) und an­de­ren In­ves­to­ren 500 Mio. $ Ka­pi­tal auf­ge­nom­men. Face­book ist da­mit das letz­te in ei­ner gan­zen Rei­he von In­ter­net-Un­ter­neh­men, die sich Geld be­schafft ha­ben, um län­ger pri­vat blei­ben zu kön­nen. Die Ei­ni­gung, die auch ei­ne Ein­la­ge der rus­si­schen In­vest­ment­ge­sell­schaft Di­gi­tal Sky Tech­no­lo­gies um­fasst (vgl. Sei­te 29), be­wer­tet Face­book mit 50 Mrd. $. Mit­te 2009 be­trug der Markt­wert noch 10 Mrd. $. Der De­al lös­te bei Gold­man Sachs ei­ne Flut von An­ru­fen und E-Mails aus, mit de­nen An­le­ger ei­nen An­teil an Face­book kau­fen woll­ten. Die Gold­man-Ak­ti­en leg­ten 2,9% zu.

For­scher Ex­pan­si­ons­kurs

Der Dis­coun­ter Dol­lar Ge­ne­ral (30.67 $, +0,3%) plant, im eben be­gon­ne­nen Jahr 625 neue Lä­den zu er­öff­nen und mehr als 6000 neue Mit­ar­bei­ter ein­zu­stel­len. 550 Ver­kaufs­lo­ka­le sol­len er­neu­ert oder ver­setzt wer­den. Der De­tail­händ­ler be­treibt ge­gen­wär­tig 9200 Lä­den und be­schäf­tigt 88 000 Per­so­nen. Er hat in letz­ter Zeit Markt­an­tei­le vom weit grös­se­ren Kon­kur­ren­ten Wal-Mart Sto­res (54.56 $, +0,9%) ge­won­nen. Dol­lar Ge­ne­ral konn­te im drit­ten Quar­tal 2010 den Um­satz im Vor­jah­res­ver­gleich um 10% und den Ge­winn um 69% stei­gern. Die US-Kon­su­men­ten dre­hen an­ge­sichts ho­her Ar­beits­lo­sig­keit und un­si­che­rer Kon­junk­tur­la­ge wei­ter­hin je­den Pen­ny um und wol­len des­halb mög­lichst güns­tig ein­kau­fen.

Die Re­gie­rung Oba­ma hat an­ge­kün­digt, dass drei­zehn Un­ter­neh­men – dar­un­ter der US-Mul­ti Chev­ron (91.94 $, +0,4%) und der bri­tisch-nie­der­län­di­sche Kon­zern Roy­al Dutch Shell – wie­der mit Öl-und Gas­boh­run­gen in der Tief­see be­gin­nen kön­nen. Sie müs­sen da­bei neu er­las­se­ne Si­cher­heits-und Um­welt­schutz­re­geln be­fol­gen. Boh­run­gen in Tie­fen über 500 Me­ter wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr im Ge­fol­ge des Un­falls auf der schwim­men­den Platt­form «Deep­wa­ter Ho­ri­zon» im Golf von Me­xi­ko sus­pen­diert. Das Mo­ra­to­ri­um wur­de im Ok­to­ber auf­ge­ho­ben, oh­ne dass seit­her je­doch Bohr­be­wil­li­gun­gen er­teilt wor­den wa­ren. Die Chev­ronAk­ti­en avan­cier­ten 0,8%.

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