Er­folg­rei­che Ak­ti­en­märk­te

LATEIN­AME­RI­KA Schluss­spurt

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN ÜBERSEE - BU

Die la­tein­ame­ri­ka­ni­schen Bör­sen leg­ten zum Jah­res­schluss ei­nen be­ein­dru­cken­den End­spurt hin. Da­nach ver­zeich­ne­ten die Ak­ti­en­märk­te in Pe­ru, Ar­gen­ti­ni­en und Chi­le die welt­weit bes­ten In­dex­ge­win­ne des ab­ge­lau­fe­nen Jah­res. In Li­ma stieg der IGBVL 2011 65%. In Bu­e­nos Ai­res ge­wann der Mer­val inert Jah­res­frist 52%. In San­tia­go ver­bes­ser­te sich der Ip­sa um 38%. Auch der me­xi­ka­ni­sche IPC stieg im­mer­hin 20%. Nur der bra­si­lia­ni­sche Bo­ve­s­pa-In­dex kam mit 1% kaum vom Fleck.

Das lag ei­ner­seits an den Wah­len im Ok­to­ber, die kaum Raum für po­li­ti­sche oder öko­no­mi­sche Re­for­men lies­sen. An­der­seits be­las­te­te die un­kla­re Si­tua­ti­on um den Öl­kon­zern Pe­tro­bras und sei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung den In­dex. Für ei­ni­ge In­ves­to­ren ist der Markt mitt­ler­wei­le wie­der in­ter­es­sant. Wil­li­am Lan­ders von Black Rock in New York hält fest, dass das auf den Er­geb­nis­pro­gno­sen für 2011 ba­sie­ren­de Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis der Ak­ti­en der Bo­ve­s­pa-Kon­zer­ne mit 10,5 tief sei.

Bra­si­li­en sei da­mit ei­ner der preis­wer­tes­ten Ak­ti­en­märk­te der Welt, prä­zi­siert Lan­ders. Im Ver­gleich: Die me­xi­ka­ni­sche Bör­se be­wer­tet der Fonds­ma­na­ger mit ei­nem KGV von 14. Ent­spre­chend op­ti­mis­tisch sind Fonds­ma­na­ger und Ana­lys­ten für bra­si­lia­ni­sche Ak­ti­en: Nimmt man den Mit­tel­wert al­ler In­dex-Pro­gno­sen für 2011, dann se­hen die Ex­per­ten ein Po­ten­zi­al von 20%.

In São Pau­lo sind die Ana­lys­ten den­noch un­si­cher und set­zen in ih­ren Emp­feh­lun­gen auf die be­währ­ten Ak­ti­en aus den Bran­chen Roh­stof­fe ( Va­le, Pe­tro­bras, OGX), Ban­ken ( Itaú Uni­ban­co, Bra­des­co), Kon­sum­ak­ti­en wie Pão de Açu­car und Lo­jas Ame­ri­ca­nas (De­tail­han­del), Gol (Air­line) und Ran­dom (Lkw-Zu­lie­fe­rer) – so et­wa in der mo­nat­li­chen Um­fra­ge der Wirt­schafts­zei­tung «Va­lor Econô­mi­co». Es bleibt ab­zu­war­ten, wie die neue Re­gie­rung mit der In­fla­ti­on und dem Haus­halts­de­fi­zit um­ge­hen wird. Der Bo­ve­s­paIn­dex stieg im Be­richts­zeit­raum von zwei Wo­chen auf 69 962.

Auch für Me­xi­ko sind die Pro­gno­sen wi­der­sprüch­lich: Ei­ner­seits könn­te Me­xi­ko am stärks­ten von ei­ner be­schleu­nig­ten US-Er­ho­lung pro­fi­tie­ren. Ei­ne schnel­le­re Er­ho­lung als er­war­tet in den USA «wä­ren sehr gu­te Nach­rich­ten für Me­xi­ko», kom­men­tiert der Latein­ame­ri­ka­ex­per­te Wal­ter Mo­la­no von BCP. Das Ab­schnei­den der me­xi­ka­ni­schen Ex­port­in­dus­trie ist an die US-Kon­junk­tur ge­kop­pelt. Auch der Bin­nen­kon­sum der Me­xi­ka­ner ist von Über­wei­sun­gen der me­xi­ka­ni­schen Emi­gran­ten in den USA ab­hän­gig. Den­noch ist der IPC-In­dex mit 38 605 auf ein his­to­ri­sches Hoch ge­klet­tert. Je­de ne­ga­ti­ve Über­ra­schung des US-Mark­tes wird sich di­rekt auf den me­xi­ka­ni­schen In­dex aus­wir­ken. Um 1,7% leg­te der IPC in Me­xi­ko-Stadt in zwei Wo­chen zu.

In Ar­gen­ti­ni­en herrscht wei­ter­hin Op­ti­mis­mus an der Bör­se. Der Mer­val ge­wann im zwei­wö­chi­gen Be­ob­ach­tungs­zeit­raum 4,7% auf 3628. Die In­ves­to­ren set­zen dar­auf, dass die Ver­hand­lun­gen mit dem Pa­ri­ser Club über die öf­fent­li­chen Schul­den schnell über die Büh­ne ge­hen und Ar­gen­ti­ni­en da­mit auf den in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­märk­ten wie­der voll kre­dit­wür­dig wird. Spä­tes­tens dann könn­te Ar­gen­ti­ni­en ei­ne In­ves­ti­ti­ons­wel­le er­rei­chen. Die über­ra­schend gu­te Kon­junk­tur las­tet die Ka­pa­zi­tä­ten der In­dus­trie aus. Ar­gen­ti­ni­en ist 2010 über 9% ge­wach­sen und wird die­ses Jahr knapp 6% zu­le­gen, er­war­tet die In­vest­ment­bank HSBC. Die In­dus­trie pro­fi­tiert vom Bra­si­li­en-Boom. Gleich­zei­tig er­war­tet die Land­wirt­schaft ei­ne his­to­ri­sche Re­kord­ern­te. Vor al­lem Bank­ti­tel ha­ben stark ge­won­nen: Ban­co Hi­po­te­ca­rio leg­te im ab­ge­lau­fe­nen Jahr um 120% zu.

In Chi­le will die Zen­tral­bank künf­tig stär­ker in­ter­ve­nie­ren, um da­mit den Pe­so zu schwä­chen, der ge­ra­de ein Drei­jah­res­hoch er­klom­men hat. Da­von pro­fi­tier­ten an der Bör­se vor al­lem die ex­port­ori­en­tier­ten Un­ter­neh­men. Der Ip­sa-In­dex zog denn auch er­neut an der 5000-Punk­teMar­ke vor­bei. In Chi­les Kup­fer­mi­nen hat sich trotz des neu­er­li­chen Erd­be­bens die Pro­duk­ti­on wie­der nor­ma­li­siert. Im Zwei-Wo­chen-Ver­gleich ver­lor der In­dex in San­tia­go 0,5% auf 4967.

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