Hüg­lis Re­zept heisst Kon­ti­nui­tät

AKTIENEXPOSÉ Nah­rungs­mit­tel­her­stel­ler mit so­li­der Ba­sis – Tur­naround in En­g­land sorgt 2011 für mehr Mar­ge – Ak­ti­en nicht zu teu­er

Finanz und Wirtschaft - - KAPITALANLAGEN - WOLF­GANG GAM­MA

Sup­pen und Sau­cen ge­hö­ren zwar im­mer noch zum Sor­ti­ment des Nah­rungs­mit­tel­her­stel­lers Hüg­li, doch die Pro­dukt­pa­let­te des in neun eu­ro­päi­schen Län­dern tä­ti­gen Un­ter­neh­mens mit knapp 400 Mio. Fr. Um­satz um­fasst weit mehr: Des­serts, ita­lie­ni­sche Spe­zia­li­tä­ten, Re­form­nah­rungs­mit­tel und Fer­tig­ge­rich­te wer­den eben­falls her­ge­stellt und ver­trie­ben. Ei­ne kon­ti­nu­ier­li­che Mar­gen­stei­ge­rung ist Pro­gramm, sie soll­te auch 2010 er­reicht wor­den sein.

Das Ge­schäft ist in die vier Di­vi­sio­nen Food Ser­vice, Pri­va­te La­bel, In­dus­tri­al Foods so­wie He­alth and Na­tu­ral Food auf­ge­teilt. Tho­mas Bo­den­mann, seit dem 1. Ja­nu­ar CEO, lei­te­te wäh­rend zehn Jah­ren Hüg­lis gröss­te Di­vi­si­on Food Ser­vice (40% Um­satz­an­teil). Die Aus­s­er­haus­ver­pfle­gung war 2010 kon­junk­tur­be­dingt kein Wachs­tums­trä­ger, im­mer­hin reich­te es zu 2,4% or­ga­ni­schem Um­satz­zu­wachs in ei­nem rück­läu­fi­gen Markt. Dem Ge­schäft neu­en Schwung zu ver­lei­hen, wird ei­ne prio­ri­tä­re Auf­ga­be des neu­en Di­vi­si­ons­lei­ters Man­fred Ja­blow­ski sein.

Gu­te Aus­las­tung

Über­durch­schnitt­lich ge­wann da­ge­gen bis En­de Ju­ni die Di­vi­si­on Pri­va­te La­bel (Ei­gen­mar­ken­pro­duk­te für den De­tail­han­del) da­zu (+11,7% Um­satz in Lo­kal­wäh­run­gen). Ein­zig in Po­len, das von Tsche­chi­en aus be­dient wird, ver­moch­te die Si­tua­ti­on nicht zu be­frie­di­gen. Un­ter den Er­war­tun­gen blieb die Di­vi­si­on In­dus­tri­al Foods (Halb­fer­tig­pro­duk­te für die Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie), wo das Ge­schäft in Gross­bri­tan­ni­en ent­täusch­te.

Im zwei­ten Halb­jahr war die Aus­las­tung der Pro­duk­ti­ons­an­la­gen «grup­pen­weit gut», wie Fi­nanz­chef Andre­as Sei­bold «Fi­nanz und Wirt­schaft» er­klärt. Ein­zel­ne An­la­gen lie­fen so­gar un­ter Voll­last im Drei­schicht­be­trieb. «Auf die Er­trags­ent­wick­lung hat dies ent­schei­den­den Ein­fluss – weit mehr als die Wech­sel­kur­se», be­tont Sei­bold. Die­se schmä­lern zwar den Um­satz (mi­nus 3% Um­satz bis Mit­te Jahr, und wohl aus­ge­präg­ter im zwei­ten Se­mes­ter), doch ist die Fol­ge für Be­triebs­ge­winn und Ge­winn ge­rin­ger, weil Hüg­li zum gros­sen Teil im Aus­land fer­tigt und die Roh­stof­fe oft in der je­wei­li­gen Wäh­rung be­schafft.

Ei­ne Ebit-Mar­ge über 10% ist kein zu an­spruchs­vol­les Ziel. Hüg­li er­war­tet nach wie vor ei­ne Ge­winn­stei­ge­rung von ge­gen 20%, wo­rin ein per En­de Ju­ni ver­buch­ter Son­der­er­trag ent­hal­ten ist. Wir schät­zen den Ge­winn auf 58 Fr. je Ak­tie. Bleibt das Un­ter­neh­men sei­ner Aus­schüt­tungs­po­li­tik treu, wo­von auch nach dem Wech­sel im VR-Prä­si­di­um von Alexander Stof­fel zu Je­an G. Vil­lot aus­zu­ge­hen ist, dürf­ten dar­aus 16 Fr. Di­vi­den­de be­zahlt wer­den.

Bo­den­mann wird sich in als CEO aus­ser mit der Wech­sel­kurs­fra­ge mit zwei wei­te­ren Bau­stel­len be­schäf­ti­gen müs­sen, die ge­mäss Aus­sa­gen sei­nes Fi­nanz­chefs auf gu­tem Weg sind. In Gross­bri­tan­ni­en sieht Sei­bold Chan­cen, die Del­le von 2010 aus- zu­bü­geln und wie­der schwar­ze Zah­len zu schrei­ben. Wie be­reits im Zeit­punkt der Ak­qui­si­ti­on von Contract Foods be­ab­sich­tigt, folgt nun die An­ge­bots­aus­deh­nung in die Di­vi­si­on Pri­va­te La­bel. Ein teu­rer Neu­bau ist nicht mehr nö­tig, da Hüg­li UK ei­ne be­nach­bar­te Pro­duk­ti­ons­hal­le mie­ten kann. Neu or­ga­ni­sier­te Ver­kaufsteams sol­len zu­dem in Po­len den Er­folg zu­rück­brin­gen.

Sorg­fäl­ti­ger Markt­auf­bau

Auf lan­ge Sicht will Hüg­li ein or­ga­ni­sches Um­satz­wachs­tum von über 5% und ei­nen über­pro­por­tio­nal stei­gen­den Er­trag er­zie­len. Ar­ron­die­rungs­käu­fe zur Stär­kung der Ren­ta­bi­li­tät wer­den nicht aus­ge­schlos­sen. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ist die Rech­nung meist auf­ge­gan­gen. Der sorg­fäl­ti­ge Markt­auf­bau und die Kon­ti­nui­tät im Ma­nage­ment sind gu­te Vor­aus­set­zun­gen, dass das auch 2011 der Fall sein wird. Auf der Ba­sis des ge­schätz­ten Ge­winns von 61 Fr. je Ak­tie er­rech­net sich ein nicht über­teu­er­tes Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 11. Zu ei­nem Drit­tel Kurs­ge­winn wie 2010 dürf­te es aber nicht mehr rei­chen.

Tho­mas Bo­den­mann, CEO seit 1. Ja­nu­ar.

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