Auf den Spu­ren von Pir­min

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - CG

Im Ski­markt herrscht ein har­ter Ver­drän­gungs­kampf. Wur­den in den Acht­zi­ger­jah­ren welt­weit noch jähr­lich rund 8 Mio. Paar Ski ver­kauft, gin­gen ver­gan­ge­nes Jahr ge­ra­de ein­mal gut 3 Mio. über den La­den­tisch. Um­so wert­vol­ler ist der eta­blier­te Mar­ken­na­me, auf den sich Sieg­fried Rumpf­hu­ber ver­las­sen kann. Der jun­ge Ös­ter­rei­cher hat mit zwei wei­te­ren Bran­chen­ken­nern die Tra­di­ti­ons­mar­ke Käst­le zu neu­em Le­ben er­weckt, mit der Ski­le­gen­den wie Pir­min Zurbrig­gen, To­ni Sai­ler oder Ani­ta Wach­ter einst ih­re Sie­ge er­run­gen ha­ben. An­ders als frü­her, ist Käst­le je­doch nicht mehr im Renn­sport prä­sent, son­dern kon­zen­triert sich auf ex­klu­si­ve Qua­li­täts­lat­ten, die sich durch stil­si­che­res De­sign aus­zeich­nen und sich für ge­üb­te Ski­fah­rer eig­nen, die auch ab­seits der Pis­te das Fahrvergnügen su­chen. «Wir kon­zen­trie­ren uns auf den Ni­schen­markt im Hoch­preis­seg­ment und ha­ben Käst­le als Por­sche un­ter den Ski­mar­ken po­si­tio­niert», sagt Rumpf­hu­ber. Er hat an der Uni­ver­si­tät Inns­bruck ein Stu­di­um in Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten ab­sol­viert und war selbst auf gu­tem Weg, als Pro­fi­fah­rer die Welt zu be­rei­sen. Ein schwe­rer Bein­bruch be­en­de­te je­doch sei­ne Am­bi­tio­nen. Er ar­bei­te­te fort­an für die ös­ter­rei­chi­sche Win­ter­sport­ar­ti­kel­grup­pe Fischer im Pro­dukt­ma­nage­ment und lern­te dort das Ski­ge­schäft von der kom­mer­zi­el­len Sei­te her ken­nen. An­fang 2007 ent­stand dann die Idee, die Mar­ke Käst­le neu auf­le­ben zu las­sen. Der ita­lie­ni­sche Tex­til-und Sport­kon­zern Be­net­ton hat­te sie zu Be­ginn der Neun­zi­ger­jah­re über­nom­men und die Pro­duk­ti­on nach durch­wach­se­nem Ge­schäfts­ver­lauf schliess­lich 1998 ein­ge­stellt. Es kam zur Kon­so­li­die­rung in der Bran­che, und nach dem Vor­bild von Markt­füh­rern wie Ros­si­gnol und Sa­lo­mon setz­ten im­mer mehr An­bie­ter auf ein ein­heit­li­ches Set aus Ski, Ski­schu­hen so­wie Bin­dung un­ter ei­ner ein­heit­li­chen Mar­ke. Käst­le-Er­zeug­nis­se ver­schwan­den in der Fol­ge aus dem Sor­ti­ment der Fach­händ­ler und wur­den fort­an un­ter dem Na­men Nor­di­ca ver­kauft – bis vor vier Jah­ren, als Rumpf­hu­ber mit zwei Ge­schäfts­part­nern die Rech­te an der Tra­di­ti­ons­mar­ke über­nahm. Als Mehr­heits­ak­tio­när und stra­te­gi­schen Part­ner ge­lang es, die Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft Cross In­dus­tries ins Boot zu ho­len, zu der auch die Mo­tor­sport-Grup­pe KTM ge­hört. Ganz güns­tig im Preis sind die High­techB­ret­ter aus Vor­arl­berg frei­lich nicht. In­klu­si­ve Bin­dung kos­ten sie zwi­schen 1400 und knapp 2000 Fr. Of­fen­sicht­lich tut das der Nach­fra­ge je­doch kei­nen Ab­bruch. Von den im Spit­zen­preis­seg­ment welt­weit pro Sai­son ver­kauf­ten an­nä­hernd 20 000 Paar Ski ent­fal­len ge­mäss Sieg­fried Rumpf­hu­ber be­reits 6000 auf Käst­le. Seit die­ser Sai­son wird das An­ge­bot zu­dem durch funk­tio­na­le Be­klei­dung er­gänzt. Im lau­fen­den Ge­schäfts­jahr 2010/11 sol­len die Ein­nah­men um knapp die Hälf­te auf 4,5 Mio. € wach­sen. Die Ge­winn­schwel­le dürf­te dann im kom­men­dem Jahr er­reicht wer­den. Im Heim­markt Ös­ter­reich wie auch in den wich­ti­gen Ex­port­re­gio­nen Nord­ame­ri­ka und Nord­eu­ro­pa ist die alt­ehr­wür­di­ge Mar­ke in ih­rer Ni­sche in­zwi­schen füh­rend. Schwie­ri­ger zu kna­cken ist hin­ge­gen der schwei­ze­ri­sche Markt, wo an ver­schie­de­nen hei­mi­schen Her­stel­lern wie dem Lu­zer­ner Ski­fa­bri­kan­ten Stöck­li bis­lang kein Vor­bei­kom­men ist.

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