Schwel­len­län­der ent­de­cken die Zeit­ar­beit

Wachs­tum in auf­stre­ben­den Märk­ten steht erst am An­fang – Gros­se An­bie­ter brin­gen sich in Po­si­ti­on – Ge­winn­bei­trag noch ge­ring – Ak­ti­en Adec­co kau­fens­wert

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - ERICH BÜRGLER

OIn­di­en vor Chi­na

b Au­to­bau­er, Uh­ren­her­stel­ler oder Nah­rungs­mit­tel­pro­du­zen­ten: Die Ein­nah­men aus Schwel­len­län­dern stei­gen in vie­len In­dus­trie­zwei­gen ra­sant und tra­gen ent­schei­dend zum Er­folg bei. An­ders in der Bran­che der Ar­beits­ver­mitt­ler. Adec­co, Rand­stad und Man­power, die gröss­ten An­bie­ter sol­cher Di­enst­leis­tun­gen, er­ar­bei­ten noch we­nig Ge­winn in Märk­ten wie Chi­na oder In­di­en. Das wird sich in den nächs­ten Jah­ren än­dern. Die Un­ter­neh­men brin­gen sich in auf­stre­ben­den Län­dern in Stel­lung, denn das Wachs­tum steht für sie dort erst am An­fang.

Für den welt­wei­ten Bran­chen­lea­der, Adec­co, hat die Er­schlies­sung des Po­ten­zi­als in Schwel­len­län­dern stra­te­gi­sche Prio­ri­tät. Ein Schritt in die­se Rich­tung ist die An­fang De­zem­ber be­kannt ge­ge­be­ne Zu­sam­men­ar­beit mit Fes­co, ei­nem auf Per­so­nal­ma­nage­ment spe­zia­li­sier­ten chi­ne­si­schen Staats­un­ter­neh­men. Mit ei­nem Jo­int Ven­ture will Adec­co den Markt bes­ser ab­de­cken und hat als Kun­den so­wohl in­ter­na­tio­na­le Kon­zer­ne als auch lo­ka­le Un­ter­neh­men im Aug. Noch geht es in Chi­na vor al­lem um die Ver­mitt­lung von Fest­stel­len, Zeit­ar­beit ist in dem Land erst we­nig ver­brei­tet, und der Ar­beits­markt trägt im­mer noch plan­wirt­schaft­li­che Zü­ge. Die Di­enst­leis­tun­gen der gros­sen in­ter­na­tio­na­len Ver­mitt­ler ge­win­nen in den Bal­lungs­ge­bie­ten aber an Be­deu­tung, und die Aus­sich­ten sind viel ver­spre­chend. Man­power, die Num­mer drei der Bran­che, ver­spricht sich in den kom­men­den Jah­ren ei­nen Wachs­tums­schub.

CEO Jeff Jo­er­res sag­te in ei­nem In­ter­view vom No­vem­ber, Chi­na wer­de bis in rund fünf Jah­ren zum wich­tigs­ten Markt für das Un­ter­neh­men. Gros­ses Po­ten­zi­al sieht er in der Ver­mitt­lung von Fach­kräf­ten. Qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal wird in Zu­kunft schwie­ri­ger zu fin­den sein we­gen der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung als Fol­ge der Ein­kind­po­li­tik des Lan­des. Man­power ver­fügt mit über 400 Be­ra­tern in 20 Städ­ten über das gröss­te ei­ge­ne Netz­werk un­ter den aus­län­di­schen An­bie­tern.

Die Kon­kur­ren­ten Adec­co und Rand­stad sind da­für in In­di­en klar stär­ker prä­sent. Bei­de be­trei­ben mehr als 80 Zweigstellen, Man­power spricht von 17 Bü­ros. Der Ar­beits­markt in In­di­en ist im Ver­gleich zu Chi­na ein­fa­cher für die gros­sen Ver­mitt­ler zu­gäng­lich, und ih­re Ser­vices sind bes­ser eta­bliert. In­di­en ver­zeich­net der­zeit das höchs­te Wachs­tum un­ter den neu­en Märk­ten Adec­cos. Auch dort ist Noch ist die Die de­mo­gra­fi­sche Ent­wick­lung wird die Su­che nach qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­kräf­ten in Bal­lungs­zen­tren aber bald er­schwe­ren. Zeit­ar­beit je­doch ver­gleichs­wei­se we­nig ver­brei­tet. Nur 0,5% der An­ge­stell­ten sind mit sol­chen Ver­trä­gen be­schäf­tigt. Bis in ei­ni­gen Jah­ren soll sich die­ser An­teil ver­dop­peln und da­mit auch die An­zahl der Fi­lia­len von Adec­co. Wie in vie­len Schwel­len­län­dern üb­lich, ar­bei­ten auch in In­di­en die meis­ten oh­ne Ver­trag. Bis 2015 wer­den nach Schät­zun­gen Adec­cos je­doch 40 Mil­lio­nen zu­sätz­li­che Ar­beits­kräf­te ei­nen sol­chen in der Ta­sche ha­ben.

Vo­lu­men mit we­nig Ge­winn

Das Po­ten­zi­al ist al­so enorm. Bis sich die Schwel­len­län­der auch deut­lich in der Ge­winn­rech­nung der Zeit­ar­beits­kon­zer­ne spie­geln, braucht es aber noch et­was Ge­duld. Adec­co er­wirt­schaf­te­te zu­letzt in al­len Schwel­len­märk­ten un­ter 4% des Be­triebs­er­geb­nis­ses. Rand­stad als welt­weit zweit­gröss­tes Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men macht in In­di­en und Chi­na zu­sam­men we­ni­ger Ge­winn als in Dä­ne­mark. Ei­ne gu­te Po­si­tio­nie­rung in auf­stre­ben­den Märk­ten ist je­doch ent­schei­dend. Die seit Jah­ren an­dau­ern­de Ver­schie­bung der Pro­duk­ti­on ge­gen Os­ten geht wei­ter (vgl. Gra­fik), die Nach­fra­ge in den Bin­nen­märk­ten steigt, und auch das Lohn­ni­veau in den wachs­tums­star­ken Re­gio­nen nimmt zu, was es den Ar­beits­ver­mitt­lern er­mög­li­chen wird, hö­he­re Mar­gen durch­zu­set­zen.

Die Vo­lu­men sind schon hoch: Adec­co er­reicht erst 7% des Um­sat­zes in Schwel­len­län­dern, aber be­reits 30% al­ler ver­rech­ne­ten St­un­den von Zeit­ar­bei­tern. Ein wei­te­rer Trend spricht für ei­ne star­ke Prä­senz in die­sen Märk­ten. Im Ge­sund­heits-und Bau­we­sen wer­ben west­li­che Un­ter­neh­men schon jetzt Per­so­nal aus Asi­en und Ost­eu­ro­pa an. Die­ser Trans­fer wird sich auf wei­te­re Tä­tig­kei­ten aus­wei­ten.

Gros­se im Vor­teil

Von sol­chen Ver­schie­bun­gen pro­fi­tie­ren im frag­men­tier­ten Zeit­ar­beits­ge­schäft vor al­lem die gröss­ten An­bie­ter mit ih­ren über den Glo­bus ver­teil­ten Fi­lia­len. Adec­co, Rand­stad und Man­power sind dies­be­züg­lich ähn­lich auf­ge­stellt mit Vor­tei­len in ein­zel­nen Län­dern. Die Ak­ti­en der Ge­sell­schaf­ten ha­ben 2010 über­durch­schnitt­lich ab­ge­schnit­ten, wo­bei Rand­stad im Ver­gleich her­aus­ste­chen.

Wir be­vor­zu­gen die Ti­tel von Adec­co. In wich­ti­gen Märk­ten sind die Schwei­zer Num­mer eins oder zwei, und in der lu­kra­ti­ven Ver­mitt­lung von Fach­kräf­ten hat das Un­ter­neh­men die Na­se vorn. Zum Kurs­Ge­winn-Ver­hält­nis 17 sind die Va­lo­ren nicht zu teu­er. Ge­ring­fü­gig bil­li­ger be­wer­tet sind Rand­stad (KGV 16), wo­bei das Wäh­rungs­ri­si­ko der in Eu­ro ge­han­del­ten Ti­tel mit­spielt.

Aus­wahl an Per­so­nal in Chi­na gross.

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