Will Ku­del­ski zu viel?

Midd­le­wa­re-In­ves­ti­tio­nen drü­cken Mar­ge – Um­kämpf­tes TV-Wer­be­ge­schäft – Mit Käu­fen war­ten

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - ANDRE­AS MEI­ER

Die Ak­ti­en des West­schwei­zer Tech­no­lo­gie-Un­ter­neh­mens Ku­del­ski ge­hör­ten zu den pro­mi­nen­ten Ver­lie­rern von 2010 (vgl. Chart). Das, ob­wohl der Ent­wick­ler von Soft­ware für di­gi­ta­les Fern­se­hen En­de Au­gust 2010 den bes­ten Halb­jah­res­ab­schluss der ver­gan­ge­nen vier Jah­re vor­le­gen konn­te. Der Um­satz des Soft­ware-Un­ter­neh­mens ist Jahr für Jahr ge­wach­sen, trotz Fi­nanz­kri­se und Re­zes­si­on. Das wird sich auch 2010 und da­nach nicht än­dern. Di­gi­ta­les Fern­se­hen ist ein Wachs­tums­sek­tor und Ku­del­ski ge­hört hier in ge­wis­sen Seg­men­ten zu den gros­sen Spie­lern.

Wäh­rend der Markt für Ver­schlüs­se­lungs­soft­ware – das Kern­ge­biet von Ku­del­ski – sta­bil wächst, zeigt der Markt für Soft­ware zur Über­mitt­lung von Di­gi­tal­fern­se­hen chao­ti­sche Un­über­sicht­lich­keit. Dies er­klärt Un­ter­neh­mens­chef und Haupt­ak­tio­när André Ku­del­ski ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft» mit dem sich «schnell be­we­gen­den Markt». Wel­che Soft­ware sich letzt­lich durch­setzt, ist noch nicht ab­seh­bar. In je­dem Land ent­ste­hen zu­dem un­ter­schied­li­che Sys­te­me.

Noch im­mer NDS im Na­cken

Ku­del­ski ist im Markt für Ver­mitt­lungs­soft­ware (auf der Ebe­ne der be­son­ders kom­ple­xen Midd­le­wa­re) von Fern­seh­in­hal­ten – Pay-TV, Vi­deo-on-De­mand, ge­ziel­te Adres­sie­rung von Wer­bung – mit der Toch­ter OpenTV ak­tiv. Gröss­ter Kon­kur­rent ist hier, wie auch im Ver­schlüs­se­lungs­ge­schäft, die bri­ti­sche NDS, die mehr­heit­lich zu Ru­pert Mur­dochs News Corp. ge­hört. Ten­denz ist, dass al­le elek­tro­ni­schen Me­di­en zen­tral über den­sel­ben Bild­schirm (mo­bil oder sta­tio­när) ab­ge­ru­fen und das An­ge­bot je nach Prä­fe­ren­zen des Nut­zers kon­su­miert wer­den kann. Das stellt die Wer­be­in­dus­trie vor das Pro­blem, dass sie neue We­ge fin­den muss, wie sie ih­re Bot­schaf­ten an die Kon­su­men­ten brin­gen kann.

Hier setzt Ku­del­ski/OpenTV an. «Un­se­re Kun­den ver­lan­gen we­gen der neu­en Nut­zungs­mög­lich­kei­ten der Fern­seh­in­hal­te nach neu­en Kon­zep­ten, wie sie Er­trag ge­ne­rie­ren kön­nen – wir müs­sen sie lie­fern», sagt Ku­del­ski. Kun­den sind die Be­trei­ber von Über­mitt­lungs­net­zen (Sa­tel­lit, Ka­bel, In­ter­net) von Fern­seh­pro­gram­men. Mit ih­rer Midd­le­wa­re ist Ku­del­ski der­zeit nach ei­ge­nen An­ga­ben in 145 Mio. Ge­rä­ten von End­nut­zern ver­tre­ten. NDS hat al­ler­dings mit 163 Mio. Nut­zern die Na­se vorn, auch ha­ben die Bri­ten ver­gan­ge­nes Jahr den Zu­schlag für die Midd­le­wa­re für das Hand­ling des Fern­seh­an­ge­bots des spa­ni­schen Ka­bel­netz­be­trei­bers Ono er­hal­ten. Auch im Fall von Li­ber­ty Glo­bal (zu der Ca­ble­com ge­hört) kam NDS zum Zug. Ku­del­ski lie­fert den bei­den Netz­be­trei­bern die Ver­schlüs­se­lungs­soft­ware, wä­re aber wohl auch ger­ne mit ih­rer Midd­le­wa­re be­rück­sich­tigt wor­den.

Dass Ku­del­ski hier noch De­fi­zi­te hat, be­strei­tet Pres­se­spre­cher Da­ni­el Her­re­ra nicht: «Wir ha­ben 2010 ver­stärk­te In­ves­ti­tio­nen in OpenTV an­ge­kün­digt, die in den nächs­ten Mo­na­ten und Jah­ren Früch­te tra­gen.» OpenTV ge­hört erst seit Herbst 2009 voll­stän­dig zur Ku­del­ski-Grup­pe. Dank der so­li­den Markt­stel­lung und der ho­hen In­ves­ti­tio­nen dürf­te Ku­del­ski letzt­lich den Markt­an­teil aus­bau­en kön­nen. Doch auf dem Ge­biet der Adres­sie­rung von Fern­seh­wer­bung wird Ku­del­ski in Zu­kunft wohl durch Goog­le be­drängt wer­den. Wer­be­ver­mitt­lung im In­ter­net ist de­ren Kern­ge­biet, das sie im Zug der Kon­ver­genz von In­ter­net und TV ger­ne auch auf den Fern­seh­be­reich aus­deh­nen möch­te.

Goog­le als Kon­kur­rent

Auch wenn sich, wie kürz­lich be­kannt wur­de, die Lan­cie­rung von Goog­le-TV of­fen­bar we­gen tech­ni­scher Pro­ble­me ver­zö­gert, zeich­net sich ein Kon­kur­renz­kampf zwi­schen der US-Such­ma­schi­ne und den An­bie­tern von wer­be­be­zo­ge­ner Midd­le­wa­re wie Ku­del­ski ab. Die tech­no­lo­gi­schen Klip­pen die­ses Ge­schäfts sind zwar nicht ba­nal und Ku­del­ski hat der­zeit wohl die Na­se vorn, doch Goog­le ver­fügt über den grös­se­ren Geld­beu­tel. Ku­del­ski will Goog­le-TV al­ler­dings nicht als Be­dro­hung se­hen, son­dern als Chan­ce.

Dass sich das Un­ter­neh­men auf ein Kräf­te­mes­sen mit dem US-Gi­gan­ten ein­lässt, ist mu­tig und hat mit zur schlech­ten Kurs­ent­wick­lung von Ku­del­ski bei­ge­tra­gen: Vie­le An­le­ger fürch­ten, der da­mit ver­bun­de­ne ho­he Auf­wand schmä­le­re die Ge­winn­mar­ge. Zu­dem be­las­tet der Fran­ken­kurs. Gut 30% der Be­leg­schaft sind hier­zu­lan­de sta­tio­niert, das Um­satz­auf­kom­men in Fran­ken da­ge­gen ist ge­ring.

Dem In­ves­tor sei ge­ra­ten, bis zur Pu­bli­ka­ti­on der Jah­res­er­geb­nis­se (24. Fe­bru­ar) mit Käu­fen zu war­ten. Die Ti­tel sind zum Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 12 nicht teu­er be­wer­tet, doch blei­ben die Per­spek­ti­ven ne­bu­lös. Die Me­di­en­kon­fe­renz an­läss­lich des Ge­schäfts­ab­schlus­ses bie­tet Chan­cen zur Klä­rung.

Per­so­nal­kos­ten sind Ku­dels­kis wich­tigs­ter Auf­wand­pos­ten, und da 30% der Be­leg­schaft in der Schweiz ar­bei­ten, hier aber kaum Um­satz er­zeugt wird, schmerzt der Wech­sel­kurs.

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