Steu­er­vogt darf we­der Kon­ten noch Häu­ser be­schlag­nah­men

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - URS- PE­TER IN­DER­BIT­ZIN

Die Eid­ge­nös­si­sche Steu­er­ver­wal­tung darf auch bei schwe­ren Steu­er­de­lik­ten kei­ne Bank­kon­ten oder Lie­gen­schaf­ten von Steu­er­pflich­ti­gen be­schlag­nah­men, um die Zah­lung der aus­ste­hen­den Steu­ern so­wie der Steu­er­bus­se ab­zu­si­chern. Dies hat das Bun­des­straf­ge­richt ent­schie­den.

Im Rah­men ei­ner be­son­de­ren Un­ter­su­chung we­gen des Ver­dachts der schwe­ren Steu­er­hin­ter­zie­hung liess die Eid­ge­nös­si­sche Steu­er­ver­wal­tung Bank­kon­ten ei­nes Ehe­paa­res be­schlag­nah­men. In zwei an­de­ren Fäl­len griff sie auf Lie­gen­schaf­ten zu, die ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft ge­hör­ten, de­ren Ak­ti­en­ka­pi­tal zu 100% im Ei­gen­tum von Pri­vat­per­so­nen stand. Die be­trof­fe­nen Steu­er­pflich­ti­gen ak­zep­tier­ten die Be­schlag­nah­mung der Kon­ten und der Lie­gen­schaf­ten nicht.

In ih­rer Be­schwer­de ans Bun­des­straf­ge­richt for­der­ten sie die so­for­ti­ge Auf­he­bung der Sper­ren. Zur Be­grün­dung führ­ten sie an, falls tat­säch­lich ei­ne Steu­er­hin­ter­zie­hung statt­ge­fun­den ha­be, müs­se die bis­her nicht ent­rich­te­te Steu­er im Rah­men ei­nes Nach­steu­er­ver­fah­rens er­ho­ben wer­den. Dem­ent­spre­chend sei es un­zu­läs­sig, im Hin­blick auf ei­ne Ein­zie­hung ei­ne Be­schlag­nah­mung von Bank­kon­ten bzw. Lie­gen­schaf­ten an­zu­ord­nen.

Die I. Be­schwer­de­kam­mer des Bun­des­straf­ge­richts hat die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on nun im Er­geb­nis zu­ge­stimmt, die Auf­he­bung der Kon­ten­sper­re bzw. der Lie­gen­schaf­ten­sper­re ver­an­lasst und die be­schlag­nahm­ten Ver­mö­gens­wer­te frei­ge­ge­ben.

Im all­ge­mei­nen Straf­recht ist es zu­läs­sig, un­recht­mäs­sig er­lang­te Ver­mö­gens­vor­tei­le ein­zu­zie­hen; Ver­bre­chen sol­len sich nicht loh­nen. Bei der di­rek­ten Bun­des­steu­er sieht das Ge­setz bei Steu­er­hin­ter­zie­hung dem­ge­gen­über ein se­pa­ra­tes Nach­steu­er­ver­fah­ren vor, das kein Straf­ver­fah­ren dar­stellt und dem kein pö­na­ler Cha­rak­ter zu­kommt.

Dar­aus schliesst nun das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, dass für die straf­recht­li­che Ein­zie­hung (des Ge­gen­werts) hin­ter­zo­ge­ner Steu­ern kein Raum mehr bleibt. Da­mit steht fest: Auch bei Ver­dacht der schwe­ren Steu­er­hin­ter­zie­hung ist es un­zu­läs­sig, zur Si­cher­stel­lung von Steu­er­bus­sen und zur Si­cher­stel­lung der Nach­steu­er Bank­kon­ten zu sper­ren oder Lie­gen­schaf­ten zu be­schlag­nah­men.

Die Eid­ge­nös­si­sche Steu­er­ver­wal­tung muss den Be­schwer­de­füh­rern in den drei Ver­fah­ren je 1500 Fr. als Par­tei­ent­schä­di­gung be­zah­len. Die drei Ur­tei­le kön­nen noch beim Bundesgericht an­ge­foch­ten wer­den. Ur­tei­le BV.2010.56 vom 1.12.2010 so­wie BV.2010.57 und BV.2010.58 vom 10.12.2010.

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