Jetzt be­gin­nen die Ver­hand­lun­gen

Berlin wer­tet Da­ten­dieb­stahl als Er­folg – Re­gu­la­ri­sie­rung un­ver­steu­er­ten Gel­des und Ab­gel­tungs­steu­er für künf­ti­ge Er­trä­ge als Ziel

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - THO­MAS WYSS FuW

Via die Wirt­schafts­zei­tung «Han­dels­blatt» liess das deut­sche Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um zum Wo­chen­be­ginn ver­brei­ten, der Kauf ge­stoh­le­ner Bank­da­ten ha­be sich ge­lohnt. Bund, Län­der und Ge­mein­den er­ziel­ten zu­sätz­li­che Ein­nah­men von rund 2 Mrd. €. Das Geld stam­me von 26 400 Per­so­nen, die sich selbst an­ge­zeigt hät­ten, um nicht kri­mi­na­li­siert zu wer­den. Die In­for­ma­tio­nen kom­men nicht von un­ge­fähr: Deutsch­land will da­mit ge­gen­über der Schweiz si­gna­li­sie­ren, dass es ei­ne Al­ter­na­ti­ve zur ge­plan­ten Ablass-und Ab­gel­tungs­steu­er gibt, über die die Ver­hand­lun­gen in die­sem Mo­nat auf­ge­nom­men wer­den.

Ga­ran­tie der Ban­ken

Die vom deut­schen Fi­nanz­amt prä­sen­tier­ten Zah­len spie­geln nur die hal­be Wahr­heit. Wie vie­le deut­sche Staats­bür­ger mit Blick auf den mit Stra­fen dro­hen­den Steu­er­vogt Deutsch­land zeit­wei­se oder für im­mer ver­las­sen, kommt in den Zah­len nicht zum Aus­druck. Wie vie­le Fir­men die­se Leu­te nicht in Deutsch­land grün­den, wie vie­le Ar­beits­plät­ze sie nicht schaf­fen und wel­che Kon­sum­gü­ter sie nicht kau­fen, bleibt ewig ein Ge­heim­nis. Al­les ein­ge­rech­net und un­ter dem Strich ist der Kauf ge­stoh­le­ner Da­ten für Deutsch­land ein schlech­tes Ge­schäft.

In die­sem Kon­text sind die Ver­hand­lun­gen zu se­hen, die die Schweiz mit Deutsch­land und Bri­tan­ni­en auf­neh­men wird. Eu­ro­päi­sche Staa­ten, die in fi­nan­zi­el­ler Hin­sicht mit dem Rü­cken zur Wand ste­hen, ha­ben ein gros­ses In­ter­es­se

Cool Ba­va­ria dar­an, mit ei­ner sol­che Ablass-und Ab­gel­tungs­teu­er rasch neue Mit­tel zu be­schaf­fen. Der Bun­des­rat hat in sei­ner letz­ten Sit­zung vor Weih­nach­ten nach Kon­sul­ta­tio­nen der zu­stän­di­gen par­la­men­ta­ri­schen Kom­mis­sio­nen so­wie der Kan­to­ne die bei­den Man­da­te für Steu­er­ver­hand­lun­gen mit Deutsch­land und Bri­tan­ni­en ver­ab­schie­det.

An­ge­strebt wird mit Deutsch­land und dem Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich (spä­ter wohl auch mit an­de­ren Län­dern) ei­ne Re­gu­la­ri­sie­rung un­ver­steu­er­ter Gel­der aus der Ver­gan­gen­heit so­wie ei­ne Ab­gel­tungs­steu­er für künf­ti­ge Er­trä­ge. Im Ge­gen­zug soll die Schweiz vor al­lem ei­nen bes­se­ren Markt­zu­tritt für Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen er­hal­ten. Eben­so wich­tig ist die ga­ran­tier­te Straf­frei­heit für Bank­an­ge­stell­te.

Die Man­da­te des Bun­des­rats le­gen die Eck­wer­te für die Ver­hand­lun­gen mit den bei­den Län­dern fest. De­ren In­halt ist ver­trau­lich und wird nicht ver­öf­fent­licht. Die Ver­hand­lun­gen mit Deutsch­land und Gross­bri­tan­ni­en ba­sie­ren auf ge­mein­sa­men Er­klä­run­gen, die im Ok­to­ber 2010 nach Son­die­rungs­ge­sprä­chen un­ter­zeich­net wur­den. Als Un­ter­händ­ler hat der Bun­des­rat Staats­se­kre­tär Michael Am­bühl, Chef des Staats­se­kre­ta­ri­ats für in­ter­na­tio­na­le Fi­nanz­fra­gen (SIF), be­zeich­net.

Dass die Ver­hand­lungs­man­da­te ver­trau­lich sind, ist wohl bes­ser so. Nur schon die In­for­ma­tio­nen, die in den ver­gan­ge­nen Wo­chen den Weg an die Öf­fent­lich­keit fan­den, näh­ren Be­fürch­tun­gen, dass sich die Schwei­zer Sei­te ih­rer Stär­ken in der gan­zen Sa­che nicht be­wusst ist. So ist ge­rüch­te­wei­se die Re­de da­von, auch die von Brüssel ge­for­der­te wei­te­re Mil­li­ar­de Eu­ro für die Os­ter­wei­te­rung wer­de di­rekt oder in­di­rekt aufs Ta­pet ge­bracht. Und auch über die von Brüssel kri­ti­sier­ten kan­to­na­len Steu­er­be­stim­mun­gen soll bei die­ser Ge­le­gen­heit ge­spro­chen wer­den.

Ob dem so ist, wird sich wei­sen. Was die kon­kre­ten Ver­hand­lun­gen be­trifft, lie­gen kla­re und öf­fent­li­che Aus­sa­gen vor. CVP-Stän­de­rat Eu­gen Da­vid, Prä­si­dent der Aus­sen­po­li­ti­schen Kom­mis­si­on des Stän­de­rats, mach­te im No­vem­ber deut­lich, dass die Ban­ken zu um­fang­rei­chen (Ablass-)Zah­lun­gen be­reit sind (vgl. «Fi­nanz und Wirt­schaft» Nr. 88 vom 10. No­vem­ber). Schwei­zer Ban­ken sol­len Deutsch­land und Gross­bri­tan­ni­en (und spä­ter vi­el­leicht auch an­de­ren Län­dern) ga­ran­tie­ren, dass sie im Rah­men der rück­wir­ken­den Ablass­steu­er ei­nen be­stimm­ten Be­trag er­hal­ten.

Falls vie­le Kun­den der ge­plan­ten Steu­er ent­ge­hen wol­len und des­halb ihr Geld in ein Dritt­land trans­fe­rie­ren (USA, Sin­ga­pur, Ös­ter­reich), sol­len die Ban­ken für die Dif­fe­renz auf­kom­men. Ent­schei­dend da­für, wie viel ein sol­ches An­ge­bot die Ban­ken kos­ten wird, sind die noch aus­zu­han­deln­den Sät­ze. Im Herbst hiess es in die­sem Zu­sam­men­hang, für die ver­gan­ge­nen zehn Jah­re – wei­ter zu­rück greift die Ver­jäh­rung – wer­de ein fik­ti­ver Ver­mö­gens­zu­wachs von 3% an­ge­nom­men. Die­ser soll zu 25% be­steu­ert wer­den. Zu­dem wer­de ei­ne Straf­steu­er – die Re­de war von uto­pi­schen 15% – zur An­wen­dung ge­lan­gen.

Und neu­es Geld?

Was die die Zu­kunft be­tref­fen­de Ab­gel­tungs­steu­er be­trifft, so sol­len dem deut­schen Fis­kus Steu­er­gel­der an­onym zu­ge­führt wer­den. Ana­log zur schwei­ze­ri­schen Ver­rech­nungs­steu­er könn­ten die­se im Rah­men ei­ner De­kla­rie­rung wie­der zu­rück­ge­for­dert wer­den – wo­mit auch für in der Schweiz lie­gen­de, de­kla­rier­te deut­sche Ver­mö­gen ei­ne Lö­sung vor­lie­gen wür­de. Im Ge­gen­satz zur Ver­rech­nungs­steu­er wer­den aber nicht nur Zin­sen und Di­vi­den­den, son­dern auch an­de­re Er­trä­ge be­steu­ert. Auch hier ist ent­schei­dend, wel­cher Steu­er­satz aus­ge­han­delt wird.

Für die Ablass-und die Ab­gel­tungs­steu­er gilt das Glei­che: Je hö­her die Steu­er­sät­ze sind, um­so grös­ser ist die Wahr­schein­lich­keit, dass in der Schweiz de­po­nier­te Ver­mö­gen nicht in ihr Ur­sprungs­land zu­rück­flies­sen, son­dern an­de­re We­ge su­chen und fin­den. Im­mer­hin be­steht auch die Mög­lich­keit, dass nicht de­kla­rier­te Ver­mö­gen, die heu­te aus­ser­halb der Schweiz lie­gen, mit Blick auf ei­ne Le­ga­li­sie­rung in die Schweiz ge­bracht wer­den. Wenn die Be­steue­rung das Ziel ist, kön­nen und sol­len sol­che Gel­der nicht zu­rück­ge­wie­sen wer­den.

Neu im Im­pres­sum

Per­so­nen Lu­zer­ner KB, Lu­zern: Der Ver­wal­tungs­rat der Lu­zer­ner Kan­to­nal­bank (LUKB) schlägt der Ge­ne­ral­ver­samm­lung vom 25. Mai Mark Bach­mann ( Jg. 1963) zur Wahl zum Ver­wal­tungs­rats­prä­si­den­ten vor. Bach­mann, der den al­ters­hal­ber ab­tre­ten­den Amts­in­ha­ber Fritz Stu­der ab­lö­sen soll, ist be­reits heu­te Vi­ze­prä­si­dent der LUKB so­wie Vor­sit­zen­der der Grup­pen­lei­tung und Mit­in­ha­ber der 4B-Grup­pe in Hochdorf, ei­nes Fens­ter-und Fas­sa­den­her­stel­lers. Seit 1. Ja­nu­ar ist Andre­as Möckli zeich­nen­der Re­dak­tor im Res­sort Schweiz, Be­reich In­dus­trie. Sein Kür­zel ist MA. Möckli ( Jg. 1980) schloss nach ei­ner Leh­re als Bank­kauf­mann und zwei Jah­ren im Di­enst von UBS We­alth Ma­nage­ment in Ba­sel ein Fach­hoch­schul­stu­di­um in Be­triebs­öko­no­mie ab. An­schlies­send ar­bei­te­te er zu­nächst als frei­schaf­fen­der Wirt­schafts­jour­na­list und ab 2006 in der Wirt­schafts­re­dak­ti­on der «Bas­ler Zei­tung», wo er sich auf die Be­rei­che Phar­main­dus­trie, Bio­tech­no­lo­gie und Me­di­zi­nal­tech­nik spe­zia­li­sier­te. Für «Fi­nanz und Wirt­schaft» be­treut Möckli Un­ter­neh­men aus den Sek­to­ren Phar­ma, Trans­port, Tech­no­lo­gie und Tou­ris­mus. Zu­dem be­fasst er sich mit Fra­gen der Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce. Ac­te­li­on, All­schwil: Per En­de 2010 ist Eli­as Zer­hou­ni aus dem Ver­wal­tungs­rat zu­rück­ge­tre­ten. Zer­hou­ni kon­zen­triert sich auf sei­ne neue Funk­ti­on als Lei­ter glo­ba­le For­schung und Ent­wick­lung von Sa­no­fiA­ven­tis, die er per An­fang 2011 über­nom­men hat.

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