Bil­fin­ger Ber­ger treibt Wan­del kon­se­quent vor­an

Ab­schied vom aus­tra­li­schen Bau­ge­schäft Va­le­mus ist end­lich ge­lun­gen – Aus­rich­tung auf Ser­vice er­laubt et­was hö­he­re Be­wer­tung

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - BA

Die Be­zeich­nung Mul­ti Ser­vice Group ist für Bil­fin­ger Ber­ger nicht ein­fach Image, son­dern Rea­li­tät. Jüngs­tes Bei­spiel des Wan­dels vom rei­nen Bau­kon­zern zum Di­enst­leis­ter ist der Ab­schied von der Bau­to­ch­ter Va­le­mus Aus­tra­lia ( Jah­res­leis­tung rund 3 Mrd. €). Kurz vor Weih­nach­ten teil­te das Mann­hei­mer Un­ter­neh­men mit, Va­le­mus wer­de für gut 1 Mrd. aus­tr. $ (knapp 1 Mrd. Fr.) an den hei­mi­schen Bau-und Im­mo­bi­li­en­kon­zern Lend Lea­se ab­ge­stos­sen. Un­ter dem Strich flies­sen Bil­fin­ger Ber­ger mehr als 500 Mio. € zu.

Sa­nie­rung von Kraft­wer­ken

Mit den fri­schen Mit­teln soll das Di­enst­leis­tungs­ge­schäft wei­ter aus­ge­baut wer­den. Das Mann­hei­mer Un­ter­neh­men wächst im In­dus­trie-und Ener­gie-Di­enst­leis­tungs­ge­schäft durch Über­nah­men, aber auch aus ei­ge­ner Kraft. Jüngs­te Ab­schlüs­se sind ex­em­pla­risch da­für, wo­hin die Rei­se geht: So um­fasst ein im De­zem- ber ab­ge­schlos­se­ner Gross­auf­trag über 460 Mio. € die Mo­der­ni­sie­rung des gröss­ten Braun­koh­le­kraft­werks Eu­ro­pas, im pol­ni­schen Bel­cha­tow ge­le­gen. Die Dampf­er­zeu­ger in sechs Kraft­werks­blö­cken wer­den er­neu­ert, um neue EU-Um­welt­stan­dards zu er­fül­len. Emis­sio­nen wer­den re­du­ziert, Wir­kungs­grad und Ver­füg­bar­keit deut­lich ver­bes­sert und die Le­bens­dau­er um dreis­sig Jah­re ver­län­gert.

Mo­der­ni­sie­rung und Aus­bau kon­ven­tio­nel­ler Kraft­wer­ke ge­hö­ren zu den Kern­kom­pe­ten­zen von Bil­fin­ger Ber­ger Po­wer Ser­vices. Die Ge­schich­te des Kon­zern­be­reichs, mit ei­nem für 2010 er­war­te­ten Um­satz von mehr als 1 Mrd. €, be­gann mit dem Kauf von Bab­cock Bor­sig Ser­vice im Jahr 2005. Erst im ver­gan­ge­nen Herbst wur­de ein klei­ne­rer Spe­zi­al­zu­lie­fe­rer der Kraft­werks­in­dus­trie, die Rot­ring En­gi­nee­ring, er­wor­ben, die An­la­gen zur Auf­be­rei­tung flüs­si­ger und gas­för­mi­ger Brenn­stof­fe lie­fert, an Kun­den wie Sie­mens, Al­st­om, ABB oder Ge­ne­ral Electric.

Wie Po­wer Ser­vices ist auch In­dus­tri­al Ser­vices in der Ver­gan­gen­heit durch Ak­qui­si­tio­nen ge­wach­sen, vor al­lem durch den Kauf des ös­ter­rei­chi­schen Di­enst­leis­tungs­un­ter­neh­mens MCE im Jahr 2009. Im­mer noch frisch ist die Tin­te ei­ner wei­te­ren klei­ne­ren Be­stel­lung: Bil­fin­ger Ber­ger baut als Fort­set­zung bis­he­ri­ger Auf­trä­ge von Eads im Rah­men ei­nes Kon­sor­ti­ums Mon­ta­ge­li­ni­en für den Air­bus A350 XWB. Die Stahl­bau­ak­ti­vi­tä­ten um­fas­sen Spe­zi­al­dienst­leis­tun­gen für die Luft­fahrt-und Fahr­zeug­in­dus­trie, den Bau von Brü­cken und Kon­struk­tio­nen im Was­ser­bau.

Neu­er CEO ab Ju­li

Der Hoch­bau, der im Be­reich Buil­ding and Fa­ci­li­ty Ma­nage­ment un­ter­ge­bracht ist, wird der­zeit wei­ter zu­rück­ge­fah­ren. Eben­so der Be­reich Con­struc­tion, in dem der In­ge­nieur-und Tief­bau (et­wa das Bau­los vom Gott­hard-Tun­nel) an­ge­sie­delt ist, weist sin­ken­des Vo­lu­men – bei stei­gen- der Mar­ge – auf. Die bei­den Be­rei­che ma­chen zu­sam­men mitt­ler­wei­le we­ni­ger als die Hälf­te des Grup­pen­um­sat­zes aus.

2010 dürf­te sich die Leis­tung auf rund 8,0 ( Vor­jahr: 7,7) Mrd. € er­höht ha­ben. Das Er­geb­nis vor Zin­sen und Steu­ern (Ebit) soll­te – auch dank der Ve­räus­se­rung von An­tei­len an Be­trei­ber­pro­jek­ten und Ba­sis­ef­fek­ten – auf 320 (173) Mio. € in die Hö­he schnel­len. Der Auf­trags­be­stand lag En­de Sep­tem­ber mit 8,36 Mrd. € 7% über dem Vor­jah­res­wert. Bil­fin­ger Ber­ger wird ab Ju­li von Ro­land Koch ge­führt. Der ehe­ma­li­ge Mi­nis­ter­prä­si­dent (CDU) von Hes­sen hat kei­ne leich­te Auf­ga­be vor sich. Schwä­chen und Ri­si­ken sind un­über­seh­bar. So war­nen die Ana­lys­ten von In­de­pen­dent Re­se­arch vor ho­hen Fir­men­wer­ten in der Bi­lanz, ho­hen Net­to­schul­den und zu we­nig geo­gra­fi­scher Di­ver­si­fi­zie­rung. Die Be­wer­tung der Ak­ti­en (vgl. oben­ste­hen­de Ta­bel­le) ist an­ge­sichts der Ver­la­ge­rung zum Di­enst­leis­tungs­ge­schäft nied­rig und lässt Kurs­spiel­raum nach oben zu.

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