Die USA ste­hen vor kräf­ti­gem Auf­schwung

Ame­ri­ka­ni­sche Öko­no­men strot­zen vor Op­ti­mis­mus, war­nen aber vor Ri­si­ken – In­ter­na­tio­na­ler Wäh­rungs­fonds bleibt da­ge­gen bei ver­hal­te­ner Pro­gno­se

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - PE­TER DE THIER,

Nach ei­ner leich­ten Er­ho­lung im ab­ge­lau­fe­nen Jahr könn­te die Kon­junk­tur­lo­ko­mo­ti­ve USA 2011 wie­der kräf­tig un­ter Dampf ste­hen. Auf­kom­men­der Op­ti­mis­mus an den Fi­nanz­märk­ten, er­kenn­ba­re Sta­bi­li­sie­rung am Ar­beits­markt und die lang­sam ein­tre­ten­den Fol­gen der ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik ha­ben füh­ren­de Öko­no­men da­zu be­wo­gen, ih­re Wachs­tums­pro­gno­sen teil­wei­se deut­lich nach oben zu kor­ri­gie­ren. Gleich­wohl wei­sen Ex­per­ten dar­auf hin, dass nach wie vor be­deu­ten­de Ab­wärts­ri­si­ken ein­kal­ku­liert wer­den müs­sen.

Vor ge­nau drei Mo­na­ten hat­te der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) für die welt­gröss­te Volks­wirt­schaft noch ein al­les an­de­re als glanz­vol­les Sze­na­rio ge­zeich­net. Zu er­war­ten sei laut IWF, dass nach ei­nem Mi­nus von 2,6% im Jahr 2009 die Wirt­schafts­leis­tung in den USA im nun ab­ge­lau­fe­nen Jahr um eben­falls 2,6% zu­le­gen wer­de und für 2011 mit ei­ner Zu­nah­me des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) um le­dig­lich 2,3% zu rech­nen sei.

«Zwei­spu­ri­ge Er­ho­lung»

Wäh­rend der kom­men­den Wo­chen wird der IWF sei­ne re­vi­dier­ten Pro­gno­sen vor­le­gen. Ob­wohl sich der Fonds vor der Ver­öf­fent­li­chung sei­ner re­gel­mäs­si­gen Up­dates grund­sätz­lich nicht in die Kar­ten schau­en lässt, hat Chef­öko­nom Oli­vier Blan­chard be­reits an­klin­gen las­sen, dass we­der für die USA noch für die meis­ten an­de­ren In­dus­trie­län­der mit ei­ner deut­li­chen Stei­ge­rung ge­gen­über den Zah­len vom Herbst zu rech­nen ist.

Blan­chard er­war­tet viel­mehr die Fort­set­zung ei­ner «zwei­spu­ri­gen Er­ho­lung», wäh­rend de­ren die Schwel­len-und Ent­wick­lungs­län­der schnel­ler wach­sen und die­je­ni­gen In­dus­trie­na­tio­nen, die noch mit den Fol­gen so­wohl der Fi­nanz-und Ban­ken­kri­se als auch ho­her Aus­sen­han­dels­de­fi­zi­te und stei­gen­der Staats­schul­den zu kämp­fen ha­ben, spür­bar lang­sa­mer ins Rol­len kom­men.

Deut­lich mehr Op­ti­mis­mus wird da­ge­gen von Wirt­schafts­for­schern und Chef­volks­wir­ten in den USA ver­sprüht. Wäh­rend das öko­no­mi­sche In­sti­tut Ma­cro­eco­no­mic Ad­vi­sors 2011 zwi­schen­zeit­lich ein Wachs­tums­plus von 4,4% er­war­tet, pro­gnos­ti­ziert Moo­dy’s im­mer­hin ei­ne Zu­nah­me des BIP um 3,9%. Die In­vest­ment­bank Gold­man Sachs sagt vor­aus, dass die Wirt­schaft um 3,4% schnel­ler wach­sen wird als 2010. Da­mit ha­ben al­le drei ih­re Pro­gno­sen ge­gen­über dem Som­mer und dem Herbst deut­lich nach oben kor­ri­giert.

Als ei­ner der Grün­de für den Kon­junk­tur­op­ti­mis­mus wird das hoch­um­strit­te­ne Pro­gramm QE 2 ge­nannt, das nach An­sicht von Ex­per­ten deut­lich mehr Wir­kung ent­fal­ten wird als die 1,5 Bio. $, die von den Wäh­rungs­hü­tern zwi­schen En­de 2008 und März 2010 ins Sys­tem ge­pumpt wor­den wa­ren. Da in dem­sel­ben Zei­t­raum näm­lich an­de­re Kre­dit­fa­zi­li­tä­ten der USNo­ten­bank (Fed) ein­ge­stellt wur­den und die Pri­vat­ban­ken ih­re Dar­le­hens­ver­ga­be um 875 Mrd. $ zu­rück­fuh­ren, fiel die Net­to­li­qui­di­täts­ver­sor­gung nach QE 1 kaum ins Ge­wicht und war nach An­sicht ei­ni­ger Ex­per­ten so­gar ne­ga­tiv.

Da die Ban­ken nun den Geld­hahn aber lang­sam wie­der auf­dre­hen und auch kei­ne an­der­wei­ti­ge Kon­trak­ti­on zu er­war­ten ist, so die Op­ti­mis­ten, dürf­ten die 600 Mrd. $ an An­lei­hen­käu­fen, die bis Mit­te des Jah- res ab­ge­schlos­sen sein sol­len, den ge­wünsch­ten Ef­fekt ha­ben und über ei­nen Rück­gang der lang­fris­ti­gen Zin­sen die Kon­junk­tur be­le­ben.

An­lass zur Zu­ver­sicht ge­ben auch die jüngs­ten Trends am Häu­ser­markt. Nach An­ga­ben der Na­tio­nal As­so­cia­ti­on of Re­al­tors (NAR), des Dach­ver­bands der ame­ri­ka­ni­schen Im­mo­bi­li­en­mak­ler, wur­den im No­vem­ber 3,5% mehr Ei­gen­hei­me ver­kauft als im Vor­mo­nat – die Fort­set­zung ei­ner Ent­wick­lung, wo­nach die deut­lich ge­drück­ten Prei­se Käu­fer lang­sam aus der Re­ser­ve lo­cken und zur Sta­bi­li­sie­rung ei­nes stark an­ge­schla­ge­nen Im­mo­bi­li­en­mark­tes bei­tra­gen.

Wei­te­re po­si­ti­ve Fak­to­ren sind Zei­chen der Ge­ne­sung am Ar­beits­markt. Dass die Zahl der Erst­an­trä­ge auf Ar­beits­lo­sen­hil­fe En­de De­zem­ber auf den tiefs­ten Stand seit Ju­li 2008 ge­pur­zelt ist, wird als Si­gnal ge­wer­tet, dass Un­ter­neh­men wie­der be­reit sind, neue Mit­ar­bei­ter ein­zu­stel­len.

«Ge­fah­ren lau­ern wei­ter»

«Es kann kein Zwei­fel dar­an be­ste­hen, dass sich ge­gen­über 2010 ei­ni­ges ge­än­dert hat», er­klärt Ro­bert Dye, Öko­nom bei der PNC Fi­nan­ci­al Ser­vices Group. «Wir be­fin­den uns mitt­ler­wei­le in der Über­gangs­pha­se zu ei­nem brei­ter an­ge­leg­ten, dau­er­haf­ten Auf­schwung.» Wie auch an­de­re ist sich Dye ei­ni­ger aku­ter Ri­si­ken durch­aus be­wusst. Da­zu zäh­len der ri­gi­de Spar­kurs der US-Bun­des­staa­ten und Ge­mein­den so­wie neue Spar­mass­nah­men von­sei­ten des Bun­des, die nach der po­li­ti­schen Kräf­te­ver­schie­bung in Washington im Ge­fol­ge der Zwi­schen­wah­len vom No­vem­ber zu er­war­ten sind.

Als gröss­te Ge­fahr gilt ein plötz­li­cher Zins­an­stieg als Re­ak­ti­on auf das Un­ver­mö­gen von Re­gie­rung und Par­la­ment, das turm­ho­he Haus­halts­de­fi­zit in den Griff zu be­kom­men. «Es sieht ein gan­zes Stück bes­ser aus als noch vor we­ni­gen Mo­na­ten», er­klärt der Volks­wirt La­wrence Kud­low. «Doch die Ge­fah­ren lau­ern nach wie vor, als selbst­ver­ständ­lich dür­fen wir nichts vor­aus­set­zen.»

im No­vem­ber 3,5% mehr Häu­ser ver­kauft

In den USA wur­den

als im Vor­mo­nat.

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