In­ter­net-Por­tal Mail.ru pro­fi­tiert von Face­book-Be­wer­tung

Statt­li­che Be­wer­tung nimmt Wachs­tum im rus­si­schen In­ter­net-Markt vor­weg – Be­nut­zer noch we­nig zah­lungs­freu­dig – Ver­drän­gungs­wett­be­werb hat erst be­gon­nen

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CLIFFORD PADEVIT,

In Russ­land ge­hö­ren mo­no­pol­ähn­li­che Kon­zer­ne zur Wirt­schafts­struk­tur. Gaz­prom lie­fert Gas, Öl kommt von Ros­neft. In­ter­net-Di­enst­leis­tun­gen sind ei­ne Sa­che von Mail.ru. Das In­ter­es­se an Mail.ru im Wes­ten gilt aber vor­ab der Be­tei­li­gung am In­ter­net-Freun­de­por­tal Face­book. Denn Face­book ist (noch) ein pri­va­tes Un­ter­neh­men, des­sen Wert ste­tig steigt (vgl. Text­kas­ten). Kein Wun­der zo­gen Mail.ru- Ti­tel am Di­ens­tag an, die ge­nau ge­nom­men Zer­ti­fi­ka­te auf Ak­ti­en sind. Für Fan­ta­sie un­ter An­le­gern sor­gen zu­dem wei­te­re Be­tei­li­gun­gen an In­ter­net-Ge­sell­schaf­ten wie Zyn­ga und Grou­pon (vgl. Ta­bel­le).

Im Kern ist das Un­ter­neh­men je­doch der gröss­te Por­tal­be­trei­ber in rus­si­scher Spra­che («.ru» ist der In­ter­net-Län­der­code für Russ­land). An­ge­fan­gen hat es 1998 mit dem Gra­tis-E-Mail-Di­enst Mail.ru, der zu ei­nem Por­tal aus­ge­baut wur­de. Trei­ben­de Kraft hin­ter der Ent­wick­lung von Mail.ru war Yu­ri Mil­ner, der das Un­ter­neh­men vor dem Bör­sen­gang von der Di­gi­tal-SkyG­rup­pe (vgl. Kas­ten) ab­spal­te­te. Zu den Co-In­ves­to­ren von Mil­ner zäh­len Gold­man Sachs und Alis­her Us­ma­now. Us­ma­now ist ein us­be­ki­scher Mil­li­ar­där, der sein Geld mit Stahl-und Ei­sen­erz­ge­sell­schaf­ten nach dem Un­ter­gang der So­wjet­uni­on mach­te, spä­ter in Me­di­en in­ves­tier­te und un­ter an­de­rem rund ein Drit­tel des eng­li­schen Fuss­ball­klubs Ar­senal be­sitzt. Us­ma­now, der in den Acht­zi­ger­jah-

Un­ter­neh­mens­struk­tur von Mail.ru ren für sechs Jah­re we­gen an­geb­li­chen Be­trugs im Ge­fäng­nis sass, kon­trol­liert 27% des Ka­pi­tals an Mail.ru, hat aber 45% der Stim­men. 31% des Ka­pi­tals sind in der Hand der süd­afri­ka­ni­schen Me­di­en­grup­pe Nas­pers (vgl. FuW Nr. 96 vom 8. De­zem­ber), die 35% der Stim­men aus­übt.

Wer sich von den Be­sitz­ver­hält­nis­sen (Pu­bli­kum: 18%) nicht ab­schre­cken lässt, in­ves­tiert mit Mail.ru in Wachs­tum. Russ­land wird ge­mäss Schät­zung des Bro­kers J. P. Mor­gan be­reits 2011 mehr In­ter­net- Be­nut­zer zäh­len als Deutsch­land (vgl. Gra­fik). Gleich­zei­tig be­nut­zen erst gut 40% der Be­völ­ke­rung In­ter­net.

Mail.ru hat in meh­re­ren Fel­dern ei­ne be­deu­ten­de Rol­le, be­son­ders was so­zia­le Netz­wer­ke be­trifft. Num­mer zwei und drei im Markt ge­hö­ren Mail.ru voll­stän­dig, am gröss­ten hält es ei­ne stra­te­gi­sche Be­tei­li­gung. Füh­rend ist der Por­tal­be­trei­ber über­dies in der On­li­ne­wer­bung, die gut ein Drit­tel zum Um­satz bei­trägt, ge­nau­so viel wie das Spie­le­seg­ment. Ein Vier­tel stammt aus kos­ten­pflich­ti­gen Zu­satz­diens­ten, doch be­steht Raum für Ver­bes­se­run­gen. Beim chi­ne­si­schen Por­tal Ten­cent be­zah­len 10% der Be­nut­zer für Zu­satz­diens­te, bei Mail.ru erst 4%, wie der Cre­dit-Suis­se-Ana­lyst schreibt.

Wel­cher An­bie­ter in Russ­land als Markt­füh­rer in den ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen her­aus­kommt, ist noch nicht ent­schie­den. Die gu­te Aus­gangs­la­ge von Mail.ru bei so­zia­len Netz­wer­ken ist kei­ne Er­folgs­ga­ran­tie. Der welt­weit füh­ren­de An­bie­ter Face­book könn­te – wie in In­di­en ge­sche­hen – lo­ka­le An­bie­ter auf die Plät­ze ver­wei­sen. Über­dies hat der Markt Sprach­gren­zen. Rus­sisch ist die neunt­wich­tigs­te Spra­che im In­ter­net laut In­ter­net World Stats.

Kommt hin­zu, dass die Be­wer­tung viel vor­weg­nimmt. Das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis für 2011 wä­re 40, selbst bei ei­nem Ge­winn­an­stieg von gut 60% für 2010 und 2011. Das ist im Ver­gleich mit ähn­li­chen In­ter­net-Un­ter­neh­men welt­weit spit­ze. Ei­ne Sum­me der Be­wer­tung der ein­zel­nen Tei­le durch Cre­dit Suis­se er­gibt ei­nen Wert des Ak­ti­en­ka­pi­tals von 6 Mrd. $ (am Di­ens­tag: 7,3 Mrd. $), rund die Hälf­te geht dem­nach auf Be­tei­li­gun­gen (dar­un­ter Face­book mit 1,3 Mrd. $) zu­rück. Selbst un­ter gross­zü­gi­gen An­nah­men ist zu viel Op­ti­mis­mus im Kurs ent­hal­ten, mo­men­tan ist ein Ein­stieg nicht emp­feh­lens­wert.

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