Ist die Zu­kunft phy­sisch?

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - ET

An­le­ger, die in Roh­stof­fe in­ves­tie­ren, kau­fen stets Fu­tures. Sie wün­schen kei­ne phy­si­sche Lie­fe­rung, son­dern wol­len ein­zig an der er­war­te­ten Preis­stei­ge­rung der Wa­ren par­ti­zi­pie­ren. Die be­lieb­ten struk­tu­rier­ten Pro­duk­te (Zer­ti­fi­ka­te) und ko­tier­ten No­tes und Fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Com­mo­di­ties und Fonds, ETC und ETF) er­mög­li­chen In­ves­ti­tio­nen schon ab ge­rin­gen Be­trä­gen. Sie ba­sie­ren eben­so auf Ter­min­kon­trak­ten wie Roh­stoff­in­di­zes, die nicht nur ei­nen Markt, son­dern auch ei­ne be­stimm­te Han­dels­stra­te­gie ab­bil­den.

Um die phy­si­sche Wa­ren­lie­fe­rung zu ver­mei­den, wer­den die Fu­tures kon­ti­nu­ier­lich von ei­nem – meist kurz lau­fen­den – Kon­trakt in den nächs­ten um­ge­schich­tet (ge­rollt). In ei­ner Con­tan­go-Si­tua­ti­on ist der nach­fol­gen­de Kon­trakt teu­rer als der ak­tu­el­le, der ver­fällt. Das Rol­len ver­ur­sacht so­mit Ver­lus­te, die schon man­chen An­le­ger frus­trier­ten. In Back­war­da­ti­on hin­ge­gen ist der neue Fu­tures güns­ti­ger, und es fal­len Roll­ge­win­ne an. Neue­re Roh­stoff­in­di­zes – wie der UBS Bloom­berg Con­stant Ma­tu­ri­ty In­dex CMCI – ver­su­chen, die Roll­pro­ble­ma­tik durch ein En­ga­ge­ment in Fu­tures ver­schie­de­ner Fris­tig­kei­ten zu ent­schär­fen. An­de­re In­di­zes fü­gen den Roh­wa­ren zwecks Di­ver­si­fi­ka­ti­on Wäh­run­gen bei.

Wei­te­re An­la­ge­instru­men­te kom­bi­nie­ren Fu­tures mit Ti­teln von Ener­gie-, Mi­nen-oder an­de­ren in Roh­wa­ren ex­po­nier­ten Un­ter­neh­men. Der In­ves­tor, der auf ein rei­nes Ak­ti­en­en­ga­ge­ment setzt, un­ter­liegt nicht nur den Schwan­kun­gen der Roh­wa­ren, son­dern auch den un­ter­neh­mens­spe­zi­fi­schen Chan­cen und Ri­si­ken.

Ve­ri­ta­ble Ren­ner wa­ren in den letz­ten Jah­ren Pro­duk­te mit phy­si­scher Hin­ter­le­gung, wie die Schwei­zer Edel­me­tall­fonds. In Be­zug auf die Aus­ge­stal­tung gibt es gros­se Un­ter­schie­de. ETC und ETN sind im Ge­gen­satz zu ETF Schuld­ver­schrei­bun­gen und bil­den so­mit kein Son­der­ver­mö­gen. Für all die­se In­stru­men­te kann die Art der Hin­ter­le­gung und das Ge­gen­par­tei­en­ri­si­ko deut­lich va­ri­ie­ren. Die An­zahl phy­sisch hin­ter­leg­ter Pro­duk­te steigt fast wö­chent­lich, und der An­le­ger kann auf ein­zel­ne Roh­wa­ren oder di­ver­si­fi­zier­te Kör­be set­zen.

Al­ler Eu­pho­rie und der ver­füh­re­ri­schen Sto­ry von den roh­wa­ren­ver­schlin­gen­den Schwel­len­län­dern zum Trotz: Die Roh­stoff­märk­te fol­gen an­de­ren Ge­set­zen als die Fi­nanz­märk­te. Das phy­si­sche An­ge­bot spielt die zen­tra­le Rol­le. Roh­wa­ren sind vo­la­til, wer­fen we­der Di­vi­den­de noch Cou­pon ab und wer­den meist in Dol­lar ge­han­delt. Gu­te Ner­ven sind ge­fragt.

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