«Stahl­preis wird stei­gen»

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - MAR­CEL IM­HOF FORT­SET­ZUNG AUF SEI­TE 14

Herr Im­hof, das Hoch­was­ser in Aus­tra­li­en legt den Ab­bau von Koh­le lahm. Was be­deu­tet das für Stahl­her­stel­ler wie Schmolz+Bi­cken­bach? Das Hoch­was­ser wird zu Eng­päs­sen in der Be­schaf­fung füh­ren und die Fer­ti­gungs­kos­ten spür­bar er­hö­hen, denn aus Aus­tra­li­en kom­men an­nä­hernd 60% der Koks­koh­le zur welt­wei­ten Stahl­pro­duk­ti­on. Be­trof­fen sind Un­ter­neh­men, die mit Hoch­öfen ar­bei­ten. Da­mit braucht es rund 600 kg Koks­koh­le, um ei­ne Ton­ne Roh­stahl zu pro­du­zie­ren. Schmolz+Bi­cken­bach ist da­von aber kaum be­trof­fen, weil wir aus­schliess­lich mit dem Elek­tro­stahl­ver­fah­ren ar­bei­ten. Als Roh­stoff braucht es da­zu pri­mär Schrott und nur sehr we­nig Koh­le.

Der Eng­pass könn­te sich doch in­di­rekt auch auf den Schrott­preis aus­wir­ken. Die No­tie­run­gen von Schrott zie­hen be­reits seit Herbst an. We­gen der Si­tua­ti­on in Aus­tra­li­en könn­ten Händ­ler nun ver­su­chen, noch hö­he­re Prei­se zu ver­lan­gen. Wenn sich Koks­koh­le ver­teu­ert, steigt zu­dem der An­reiz für die Hoch­ofen­wer­ke, in der Pro­duk­ti­on ver­mehrt Schrott bei­zu­fü­gen. Ihr Spiel­raum ist tech­nisch je­doch be­grenzt, denn der Schrottan­teil ist heu­te be­reits hoch, und es kön­nen ma­xi­mal 25 bis 30% bei­ge­ge­ben wer­den.

Kön­nen die Stahl­ko­cher hö­he­re Roh­stoff­prei­se über­haupt noch an die Kun­den wei­ter­ge­ben? Die Über­wäl­zung von Roh­stoff­kos­ten ist in der Strahl­in­dus­trie fest eta­bliert, und die Mar­gen kön­nen da­mit ge­hal­ten wer­den. Auch be­trifft der Eng­pass im Koh­le­markt die ge­sam­te Bran­che. Ich rech­ne da­her da­mit, dass die Stahl­prei­se 2011 stei­gen wer­den, wie das Thys­sen-Krupp be­reits an­ge­kün­digt hat. Es gilt aber, die Re­la­tio­nen im Au­ge zu be­hal­ten: Für ei­nen ty­pi­schen Mit­tel­klas­se­wa­gen et­wa braucht es kaum mehr als ei­ne Ton­ne Stahl. Wenn der Stahl­preis al­so um 10% steigt, ver­teu­ert sich die Pro­duk­ti­on ei­nes Au­tos höchs­tens um 100 bis 200 Fr. Für die Au­to­kon­zer­ne, die in gros­sen Ton­na­gen ein­kau­fen, kann das al­ler­dings ei­ni­ges aus­ma­chen.

Was kön­nen An­le­ger 2011 von Schmolz+Bi­cken­bach er­war­ten? Nach der schwe­ren Re­zes­si­on hat sich die La­ge seit dem zwei­ten Quar­tal 2010 auf­ge­hellt. Zu­nächst hat die Nach­fra­ge aus der Au­to­in­dus­trie an­ge­zo­gen, wor­auf sich im zwei­ten Halb­jahr die Ma­schi­nen­in­dus­trie so­wie der An­la­gen-und Ap­pa­ra­te­bau be­lebt ha­ben. Das mer­ken wir deut­lich: Nach über 60 Mio. € Ver­lust im zwei­ten Halb­jahr 2009 nahm der Be­triebs­ge­winn vor Ab­schrei­bun­gen und Amor­ti­sa­tio­nen im ers­ten Se­mes­ter 2010 auf 100 Mio. € zu. Im zwei­ten Se­mes­ter dürf­ten wir – wie be­reits

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